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Tödliche Gefahr im Schwimmbecken: Durch Ansaugpumpe ertrunken: Warum musste die 12-jährige Ana-Sofia sterben?

Ana-Sofia wurde nur 12 Jahre alt. Sie starb in einem Hotelpool während des Familienurlaubs. Eine Pumpe hatte das Mädchen in drei Metern Tiefe unter Wasser festgehalten. Vor den Augen ihrer Zwillingsschwester und ihrer Mutter versuchten Rettungskräfte minutenlang Ana-Sofia zu befreien - vergeblich.  

Ana-Sofia spielte mit ihrer Zwillingsschwester Maria gemeinsam im Pool, als sie plötzlich verschwunden war. Maria suchte sie am Beckenrand, in den Umkleiden, rief nach ihr - bis sie ihre Schwester in drei Metern Tiefe unter Wasser entdeckte. Die 12-Jährige war in den Sog einer Ansaugpumpe geraten und konnte sich nicht mehr befreien. Auch zu Hilfe gerufenes Hotelpersonal konnte nichts ausrichten, der Unterdruck hielt das Mädchen unter Wasser fest. Gegen den Unterdruck kam das Mädchen nicht an – ein Todeskampf.

Erst nach 20 Minuten - unter den Augen der Zwillingsschwester und der Mutter – konnten fünf Rettungskräfte Ana-Sofia aus dem Schwimmbecken des Prager Hotels bergen – für die Schülerin zu spät. Sie war längst bewusstlos. Die Ärzte konnten das Mädchen nicht mehr ins Leben zurückholen. Eine Woche lang lag Ana-Sofia noch im Koma, dann wurde sie für Hirntod erklärt. Ana starb. Zurück bleiben eine verzweifelte Zwillingsschwester und die Eltern Andrea Villegas und Ole Dahl.

Sieben Wochen nach dem Tod von Ana-Sofia wird noch immer wenig geredet im Haus der Familie. Es scheint jeder allein zu sein mit seiner Trauer. Maria vermisst ihre Zwillingsschwester, die 12-Jährigen waren in ihrem Leben noch nie getrennt gewesen. Andrea Villegas quälen

Maria-Andrea und ihre Zwillingsschwester Ana-Sofia (12), die vor sieben Wochen bei einem Unfall in einem Pool ums Leben kam.

Maria-Andrea und ihre Zwillingsschwester Ana-Sofia (12), die vor sieben Wochen bei einem Unfall in einem Pool ums Leben kam.

Die Bilder der letzten Minuten, als ihre Tochter vielleicht noch lebte. "Ich mache meine Augen zu und sehe ich meine Ana. Das kommt immer wieder abends. Auch dieser schreckliche Moment, als ich sie da unten sah, wie sie da kopfüber hing und wir nichts machen können und passiv sehen müssen, wie sie ertrinkt da unten. das ist so schlimm!"

Die Eltern von Ana-Sofia sind überzeugt: Der Tod ihrer Tochter hätte vermieden werden können und sie fragen sich: "Wie viele Kinder müssen noch sterben, bevor sich etwas ändert?" Denn der Unfall der 12-Jährigen war nicht der erste dieser Art: In den letzten zehn Jahren sind laut der Elterninitiative Parents4Safety mehr als 100 Kinder – die meisten zwischen sieben und 12 Jahren – durch Ansaugungen in Schwimmanlagen ums Leben gekommen; knapp 400 wurden zum Teil schwer verletzt.

Sichtbare Ansauglöcher sind lebensgefährlich

Jeder Pool, der eine Attraktion wie Rutsche, Wasserstrahl oder Wellen bietet, muss mit einer Pumpe Wasser aus dem Pool saugen, um die Geräte damit zu bespeisen. Fast in jedem Pool befinden sich dafür entsprechende Ansauglöcher, die jedoch keinen Unterdruck im Pool selbst erzeugen dürfen, erklärt Michael Spönlein von Safe Waterpark, "Es darf in kein sichtbares Loch geben und es muss immer eine schützende Abdeckung drauf angebracht sein." Der Experte hat – meist im Auftrag von  Reiseveranstalter – in den letzten Jahren tausende Hotelpools rund um den Globus auf ihre Sicherheit überprüft. Denn: Seit 2006 ist laut Urteil des Bundesgerichtshofs nicht allein der Betreiber einer Anlage für die Sicherheit verantwortlich, sondern auch der Reiseveranstalter, über den ein Gast gebucht hat. Doch das Ergebnis ist ernüchternd: "In den fünf Jahren regelmäßiger Überprüfungen hat sich leider wenig verändert, denn es wurden immer wieder Ansaugstellen gefunden. Das hat mich persönlich sehr enttäuscht", so Spönlein. Werden Haare oder ein Körperteil von einem Ansaugloch mit unzureichender Abdeckung angesaugt, so dass das Loch komplett verdeckt wird, sei es nahezu unmöglich, die Person mit menschlicher Kraft davon weg zu reißen. Die Folge sind schwere Verletzungen – bis hin zum Tod. Die Gefäße im inneren des Körpers werden durch die Ansaugkraft buchstäblich zerrissen.


"Es geht um die öffentliche Aufarbeitung - damit sich etwas ändert"

Auch bei Ana zeigte die Obduktion, wie stark sie von dem Ansaugloch im Hotelpool angezogen worden sein muss. Weder Hotelpersonal noch Feuerwehr konnten das Mädchen ohne Hilfsmittel rechtzeitig befreien. In ihrem Fall war das Loch zudem so tief, dass das Mädchen mit dem ganzen Körper unter Wasser festgehalten wurde. "Es kann nicht sein, dass ein Loch nicht abgedeckt ist und dass dann niemand da ist", sagt Michael Spönlein. "Es muss  eine Aufsicht da sein! Das sind Europa-Normen!" Die Familie von Ana-Sofia hat  einen Anwalt beauftragt und es wird ein Gutachten zu den Todesumständen der 12-Jährigen erstellt. Die Eltern möchten für Gerechtigkeit kämpfen, vor allem aber über die Gefahren aufklären, die es für Kinder in vielen Pools noch immer gibt. Es gehe ihnen nicht um Rache oder um Urteile, sagt der Vater Ole Dahl: "Das würde uns unsere Tochter ja nicht zurückbringen. Es geht uns nur um die öffentliche Aufarbeitung – damit sich irgendwann mal was ändert. Es ist nicht der erste Fall in der Geschichte, sowas gibt es immer wieder. Und man muss sich wirklich fragen: Wie viele Kinder müssen noch sterben, bevor sich generell mal etwas ändert?"


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