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Eier ohne Etikettenschwindel: Was Verbraucher jetzt wissen sollten

Unter welchen Bedingungen legen Hennen Bio-Eier? Welche Eier sind noch okay? Wer überprüft die Einhaltung der Standards? Und wie erkenne ich, woher mein Ei stammt? stern TV hat die Antworten.

Was ist überhaupt ein Bio-Ei?

Für Produkte aus ökologischer Erzeugung gibt es in Deutschland seit 2001 das staatliche Bio-Siegel. Es ist an die Einhaltung gewisser Standards und Auflagen geknüpft: Bio-Eier stammen aus artgerechter Tierhaltung. Laut Vorschrift dürfen höchstens sechs Tiere pro Quadratmeter und 3000 pro Stall gehalten werden, zudem muss es Auslaufflächen geben. Die Tiere bekommen ökologisches Tierfutter ohne Gentechnik und dürfen nicht vorbeugend Antibiotika und Hormonen erhalten. Auch das systematische Stutzen von Schnäbeln ist nicht erlaubt. Die ökologische Haltung macht zwischen sieben und acht Prozent in Deutschland aus.

Welche anderen Formen der Hühnerhaltung gibt es?

Neben der Bio-Haltung gibt es zudem die Käfig-, Boden- und Freilandhaltung. Konventionelle Käfighaltung, bei der Hühner weniger Platz als die Fläche eines DIN-A-4-Blatts haben, ist in der EU seit Anfang 2012, in Deutschland bereits seit 2010 verboten. Erlaubt ist weiterhin Kleingruppenhaltung in Käfigen, die kaum wesentlich unterscheidet: In diesen Käfigen leben bis zu 60 Tiere auf Gitterböden, können nicht flattern und scharren, wie es ihrem natürlichen Verhalten entspricht. Allerdings muss es Sitzstangen und Vorrichtungen für die Eiablage geben. Rund 13 Prozent der Hennen werden heute in Kleingruppenkäfigen gehalten. Im Einzelhandel sind Eier aus dieser Haltungsform kaum noch zu finden. Bei der Bodenhaltung werden die Hühner ausschließlich im Stall gehalten. Neun Tiere teilen sich dabei einen Quadratmeter Boden. Allerdings dürfen mehrere Ebenen eingebaut werden, so dass vielfach auf der gleichen Grundfläche mehr Tiere untergebracht sind. Zu einem Drittel muss der Boden mit Stroh, Sand oder Torf bestreut sein, damit die Hühner scharren können. Knapp zwei Drittel aller Hühner in Deutschland leben in Bodenhaltung. In der Freilandhaltung gelten nicht dieselben, strengen Kriterien, die bei Bio-Eiern zu erfüllen sind. Legehennen in Freilandhaltung müssen tagsüber Auslauf im Freien haben, wobei für jedes Huhn mindestens vier Quadratmeter Auslauffläche bereit stehen sollen. Diese Freifläche sollte größtenteils bewachsen sein, etwa mit Gras, und nicht zusätzlich zu anderen Zwecken genutzt werden. Knapp 15 Prozent der deutschen Legehennen leben in Freilandhaltung.

Was bedeuten die Codes auf den Eiern?

Auf jedem Ei steht ein Zahlen- und Buchstabencode, an dem man die Herkunft des Eis ablesen kann. Seit 2004 gibt es europaweit ein einheitliches System. Die 1. Stelle gibt Auskunft über die Haltungsform: 0 steht für Bio-, 1 für Freiland-, 2 für Boden- und 3 für Käfighaltung. An der 2. Stelle stehen zwei Buchstaben, die Aufschluss über das Herkunftsland des Eis gibt. Deutschland etwa wird mit "DE" abgekürzt, die Niederlande mit "NL" und Belgien mit "BE". Die weiteren Abkürzungen können Sie auf der Internetseite www.was-steht-auf-dem-ei.de nachschauen. Eine siebenstellige Nummer an 3. Stelle verrät das Bundesland und den Betrieb, aus dem das Ei kommt. Das Bundesland ist in den ersten beiden Zahlen verschlüsselt: 01 - Schleswig-Holstein, 02 - Hamburg, 03 - Niedersachsen, 04 - Bremen, 05 - Nordrhein-Westfalen, 06 - Hessen, 07 - Rheinland-Pfalz, 08 - Baden-Württemberg, 09 - Bayern, 10 - Saarland, 11 - Berlin, 12 - Brandenburg, 13 - Mecklenburg-Vorpommern, 14 - Sachsen, 15 - Sachsen-Anhalt, und 16 - Thüringen. Auf www.was-steht-auf-dem-ei.de können Sie auch den kompletten Code ihres Eis eingeben. Sofern der Betrieb dem KAT-Kontrollsystem angeschlossen ist, erhalten Sie Name, Adresse, Bilder und weitere Informationen des Betriebs.

Wer kontrolliert die Einhaltung der Regeln in Deutschland?

Bio- und auch konventionelle Produkte unterliegen den allgemeinen Vorschriften des Lebensmittel- und Futtermittelrechts. Zuständig für die Überwachung sind die Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter in den Städten und Landkreisen. Hersteller von Bio-Produkten unterliegen einem Kontrollsystem entsprechend den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau. In Deutschland wird die Kontrolle der Betriebe von privaten Kontrollstellen durchgeführt, die von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zugelassen werden. Kritiker monieren bei dem Verfahren zwei große Schwachpunkte: Zum einen werden bei diesen Kontrollen Rechnungen und Lieferscheine überprüft, die die Bauern den Kontrolleuren vorlegen. Falls ein Bauer Nicht-Biofutter oder zu viele Hühner bestellt, könnte er die entsprechenden Belege unterschlagen. Zudem werden die Kontrolltermine vor Ort angekündigt, die Landwirte können sich also auf die Überprüfung vorbereiten. In sogenannten Risikobetrieben mit besonders vielen Tieren gibt es auch unangekündigte Kontrollen. Bei mehr als 1000 Hühnern gibt es eine zusätzliche, nicht angekündigte Kontrolle, ab 10.000 Hennen drei Prüfungen. Ein Verstoß gegen EU-Vorschriften für den ökologischen Landbau wird mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder bis zu 30.000 Euro Geldbuße geahndet. Das gilt besonders, wenn Erzeugnisse als Bio-Produkte gekennzeichnet und beworben werden, obwohl sie nicht den Standards entsprechen.

Woher stammen die Bio-Eier in deutschen Supermärkten?

Die Hälfte aller Eier in Deutschland werden in Discountern verkauft. Der Großteil stammt dabei von industrialisierten Höfen. Ein Drittel der Bio-Eier wird importiert, wobei die Niederlande mit 80 Prozent der größte Lieferant sind.