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Sofort-Brillen für Entwicklungsländer: Wie diese simple Erfindung Millionen Menschen helfen kann

Martin Aufmuth hatte eine geniale Idee: Mithilfe seines kleinen Kastens lässt sich in wenigen Minuten eine Brille fertigen. Unzähligen Menschen in Entwicklungsländern kann damit geholfen werden - nicht nur, weil eine solche Sehhilfe wenig kostet.

Dank der Erfindung von Martin Aufmuth kann auch dieses bolivianische Mädchen endlich gut sehen.

Dank der Erfindung von Martin Aufmuth kann auch dieses bolivianische Mädchen endlich gut sehen.

Dank seiner Erfindung können sich auch Menschen in den ärmsten Ländern endlich eine Brille leisten: Martin Aufmuth hat ein simples technisches System entwickelt, mit dem sich individuelle Brillen für Materialkosten von nur einem Dollar herstellen lassen – daher der Name: Ein-Dollar-Brille. Und nebenbei schafft der 43-Jährige damit auch noch Arbeitsplätze. In den jeweiligen Ländern werden die Brillen nämlich von Einheimischen hergestellt. Das sei Kern seiner Idee, erklärt der ehemalige Mathematik-Lehrer aus Erlangen, den man wegen seiner Erfindung auch den "Daniel Düsentrieb" der Entwicklungshilfe nennt: "Mir geht es darum, ein System zu installieren, das sich selbst stützt. Die Leute vor Ort sollen selbst Geld damit verdienen können", so Martin Aufmuth. "Weltweit sind damit schon mehr als 100.000 Brillen gefertigt und verkauft worden."

150 Millionen Menschen wäre mit einer einfachen Brille geholfen

stern TV hatte 2014 schon einmal über das Projekt der "Ein-Dollar-Brille" berichtet. Nun haben wir Martin Aufmuth bei seiner Arbeit in Bolivien begleitet: auf die Sonneninsel des Titicacasees. Die nächste Stadt ist dort eine Tagesreise entfernt. "An manchen Orten der Welt wissen die Menschen gar nicht, dass es Brillen überhaupt gibt, da gibt es nicht mal Namen für Brillen. Und dort müssen wir Brillen erst einmal bekannt machen und den Leuten zeigen, dass sie helfen können und sie so etwas brauchen", sagt Martin Aufmuth.

Experten schätzen, dass 150 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu Brillen haben – und damit Nachteile in der Bildung, im sozialen Miteinander oder schlicht beim Überlebenskampf, weil sie ihren Beruf nicht (mehr) ausüben können. Auch die Kinder auf der Sonneninsel des Titicacasees hatten zuvor noch nie eine Brille gesehen. Der achtjährige Juan beispielsweise ist kurzsichtig, wie sich bei einer Augenuntersuchung des Brillen-Teams herausstellte. Der Junge und seine Eltern wussten das aber nicht. Mithilfe der in diesem Fall kostenlosen Ein-Dollar-Brille konnte Juan auf Anhieb plötzlich wieder Schilder lesen. Bei Kindern wie ihm entscheidet eine Brille häufig über die gesamte Schullaufbahn. Und egal ob Schüler, Obsthändler, Bäuerin oder Lehrer – insgesamt konnte das Projekt auf der Insel kurzfristig 50 Menschen mit einer Brille helfen.

Brillenherstellung fertigt inzwischen 1.500 Gestelle pro Monat

Auch in der Millionenstadt El Alto in Bolivien ist der Bedarf an Brillen riesig, wie sich am Verkaufsstand der Ein-Dollar-Brille zeigen sollte. Binnen einer Stunde waren 12 Brillen angepasst und verkauft. Normalerweise kosten Brillen in dem südamerikanischen Land umgerechnet etwa 30 Euro, das sind zwei bis drei Tageslöhne, zuzüglich Augenarztkosten. Die Ein-Dollar-Brille kann für 10 Euro abgegeben werden – Sehtest inklusive. In Bolivien mangelt es jedoch generell an Ärzten, erzählt der Schweizer Max Steiner, der das Brillen-Projekt dort leitet. "Man hat mir gesagt, dass es hier in El Alto keinen einzigen Augenarzt gibt. Und das bei einer Million Einwohnern!"
Max Steiner hat in der Nähe von Santa Cruz auf wenigen Quadratmetern eine der größten Brillenherstellungen des Landes aufgebaut, wo Einheimische jeden Monat rund 1.500 Brillengestelle fabrizieren – mit der Hilfe einer 25 Zentimeter großen Herstellungskiste. Der Kiste von Martin Aufmuth. Den Prototyp dieser so genannten Brillenbiegemaschine hatte Aufmuth vor vier Jahren in seinem Keller in Erlangen entwickelt. In dieser Box kann in wenigen Arbeitsschritten aus einfachem Material ein Brillengestell entstehen. Die Ein-Dollar-Brillen sind einfach, aber hochwertig. In Santa Cruz in Bolivien haben dadurch nun ein Dutzend Menschen in der Brillenwerkstatt Arbeit gefunden, weltweit arbeiten bereits 350 Einheimische in dem Brillenprojekt, das Martin Aufmuth bisher in acht Entwicklungsländer gebracht hat.


Themen in diesem Artikel
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?