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stern TV-Gespräch: Kritiker Arik über Erdogan-Besuch: "Die deutsche Polizei hat sich verarschen lassen"

Der deutsch-türkische Profiboxer Ünsal Arik ist ein scharfer Erdogan-Kritiker. Bei der Moschee-Eröffnung in Köln wollte Arik mit seinen Landsleuten ins Gespräch kommen. Die stern TV Reportage hat gezeigt, wie massiv der 37-Jährige stattdessen angefeindet wurde.

Studiogespräch mit Ünsal Arik: "Die deutsche Polizei hat sich verarschen lassen"

Der Erdogan-Besuch in Deutschland war am letzen Wochenende das beherrschende Thema. Deutsche wie Türken - allehatten eine Meinung. Zur offiziellen Moschee-Eröffnung durch den türkischen Staatspräsidenten in Köln wurden 10.000 Anhänger Erdogans erwartet. Gekommen waren am Ende weniger. Der bekannte Kritiker und 
Box-Europameister Ünsal Arik wollte die Gelegenheit nutzen, um mit seinen Landsleuten ins Gespräch zu kommen. stern TV hat ihn zu der Veranstaltung begleitet. Das Ergebnis: Der 37-Jährige hat an diesem Tag nur wenige Menschen getroffen, die sich wirklich mit ihm unterhalten und Argumente austauschen wollten. Stattdessen hatte er es mit massiven Anfeindungen zu tun, die Arik schockten. Als sich das stern TV-Team mit Ünsal Arik von der Menschenmasse entfernte, setzte die Polizei Arik fest. Die Beamten forderten Arik auf, sich auszuweisen, und verhinderten für rund 30 Minuten weitere Dreharbeiten.

Im Gespräch mit Steffen Hallaschka live bei stern TV kritisierte Arik die Polizeimaßnahmen: "Es gab dort Menschen, die wie in ‚Men in Black‘ gekleidet waren. Die haben dort auf Sicherheit gemacht und mich bei der Polizei gemeldet. Und ich war wirklich sehr, sehr enttäuscht, dass die deutsche Polizei sich so hat verarschen lassen und einen Menschen mitgenommen hat, der eigentlich nichts dafür kann“, so Boxer Arik am Mittwochabend. Er sei der Polizei als "Aggressor" gemeldet worden.  "Irgendwann habe ich gesehen, dass die Polizei nach Ausreden sucht. Ich weiß, dass ich am Anfang als Täter angesehen wurde, als Provokateur. Und danach haben sie versucht, das schön zu erklären, dass es um meine Sicherheit ging. Ich glaube, die Polizei weiß selbst nicht, was sie hier tut", hatte Ünsal Arik bereits vor Ort bemerkt. Nach den Dreharbeiten habe es in Sozialen Netzwerken Drohungen gegen den Boxer gegeben, "deswegen vermeide ich die Straße auch ein bisschen. Es sind sehr viele Beleidigungen gekommen. Es schmerzt, aber ich glaube, dass diese Menschen so von Erdogan polarisiert sind, dass man ihnen nicht mehr helfen kann."

Bei stern TV kritisierte Arik außerdem die Ausmaße des Empfangs des türkischen Staatspräsidenten: "Ich finde es traurig, dass der deutsche Staat so viel Geld für diesen Menschen ausgegeben hat. Ich hätte von dem Geld lieber allen Türken, die hier leben und für Erdogan sind, ein One-Way-Ticket in die Türkei gekauft."