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Like-Check auf manipulierte Fans: Stern TV überprüft Facebook-Profile von Promis

Massenhafte Facebook-Fans? So manches Unternehmen oder mancher Promi hat schon mit gekauften Likes sein Image der Facebook-Seite aufpoliert. stern TV hat eine Anwendung entwickelt, mit der sich prüfen lässt, woher die Fans einer Seite stammen - und ob das womöglich gar keine echten Fans sein können.

Ob Politiker, Schauspieler oder auch die aktuellen Bewohner des Dschungelcamps: Wer in der Öffentlichkeit steht, schmückt sich gerne bei Facebook mit vielen Fans. Wer viele "Gefällt-mir"-Angaben hat, gilt als beliebt. Doch: Nicht immer sind die Likes auch alle echt. Für ein paar Euro können sich Facebook-Nutzer im Internet neue Fans hinzukaufen – und sich so noch interessanter machen. Aber woran erkennt man, ob Facebook-Likes gekauft sind?


stern TV hat den so genannten Like-Check entwickelt, der die Profile auf die Herkunft der Fans überprüft. Interessant: "Daumen hoch" für den neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Er hat in den letzten Monaten unzählige neue Facebook-Fans hinzubekommen. Doch: Schaut man sich Trumps digitale Daumen näher an, stellt sich heraus: Sogar über 600.000 Inder haben auf den Gefällt-mir-Butten gedrückt, aus Bangladesch kommen mehr als 250.000 Likes. Und über 300.000 Trump-Fans kommen sogar aus Mexiko!

Dschungel-Promis im Like-Check

Und wie sieht es bei deutschen Politikern aus? Und bei den aktuellen Promis von "Ich bin ein Star, holt mich hier raus"? Sehen Sie selbst. Tobias Schödel hat ein paar Facebook-Seiten mal kritisch unter die Lupe genommen:

10.000 internationale Fans für 134 Euro

Die Analyse-Software hat stern TV IT-Experte Tobias Schrödel programmiert: "Mit dem Tool kann man feststellen, woher die Fans kommen, wie viele aus welchen Ländern, die zeitliche Entwicklung, Auffälligkeiten und mehr", erklärt Schrödel. Wer nicht genügend Fans hat, der könne über Agenturen im Internet einfach Fans dazu kaufen, sie sich zum Teil sogar aussuchen. Die meisten Agenturen böten Pakete mit bis zu 500.000 Likes an, sagt Schrödel. Die Kosten sind überschaubar: 10.000 Likes aus dem Ausland kosten im Angebot beispielsweise 134,73 Euro. Deutsche Fans sind mit 30 Euro pro 500 Fans teurer.

Tobias Schrödel hat es mit seiner Fan-Seite ausprobiert und sie probehalber etwas aufgeblasen. Nur wenige Klicks – schon am nächsten Tag konnte er 1600 Likes mehr verzeichnen, nach fünf Tagen hatte die Seite mit ehemals 719 Fans plötzlich 8000 Gefällt-mir-Angaben. Der Fan-Zugewinn komme in der Regel nicht an einem Tag, jedoch in einem geringen Zeitraum, so die Erklärung. Und jetzt gibt es auch Schrödel-Fans aus Ägypten und Indien. "Wie man bei mir sieht: Auffällig sind diese Nationen, zu denen ich keinen realen Kontakt habe. Und ein rapider Anstieg. Das deutet darauf hin, dass diese Likes gekauft wurden", so der IT-Experte. Viele Fans aus Ländern wie Ägypten, Mexiko, Brasilien, Indonesien oder Vietnam seien ein typisches Indiz für gekaufte Fans. Laut Tobias Schrödel kann Facebook inzwischen verhindert, dass automatisierte Likes durch so genannte Bot-Netze einer Fan-Seite zugeordnet werden. Doch neuerdings säßen hinter den Likes immer häufiger echte Personen, die ihr Profil zur Verfügung stellen und für jeden erkauften Like ein paar Cent kassieren.

Von moralisch bedenklich bis verbotene Irreführung

Darf aber jeder einfach so Fans dazukaufen? "Das hängt davon ab, wer das macht", sagt Medienfachanwalt Christian Solme

Anders sei die rechtliche Situation bei Fanseiten oder Profilen von Unternehmen, so Solmecke. Denn die Anzahl der Facebook-Fans oder Twitter-Follower kann als eine digitale Währung für die Popularität der Firma und ihrer Produkte angesehen werden. Eingekaufte Empfehlungen und Gefolgschaften in sozialen Netzwerken können deshalb auch eine eigentlich nicht bestehende Bekanntheit und wirtschaftliche Kraft vortäuschen. Noch schwieriger stelle sich die Rechtslage bei Prominenten dar: Die Anzahl der virtuellen Fans oder Follower spiegelt nämlich auch die vermeintliche Popularität des jeweiligen Promis wider und verkörpert damit einen kommerziellen oder wirtschaftlichen Wert. Manipulationen der Fanzahlen könnten insofern im Kampf um gutbezahlte Werbeverträge eine Rolle spielen und andere Stars der gleichen Branche beeinträchtigen. "Auch der Fan-Kauf durch Prominente ist daher – ebenso wie bei Unternehmen – als verbotene Irreführung zu werten", sagt Anwalt Christian Solmecke.

Checken Sie Facebook-Seiten einfach selbst

Tobias Schrödel hat bei stern TV gezeigt, wie das Tool funktioniert. Eine Version des Facebook Like-Check hat er für jedermann ins Netz gestellt. Dort können Sie selbst einmal die Facebook-Fan-Seite eines Promis oder Politikers auf die Herkunft der Fans analysieren. Wie der Like-Check genau funktioniert erklären wir hier:

Anleitung für stern TV Facebook-Like-Check: So überprüfen Sie Facebook-Seiten auf falsche Fans
stern TV hat die Anwendung Facebook Like Check programmiert, mit der Sie Facebook-Seiten analysieren können, indem Sie die URL der Facebook-Seite hinein kopieren. Wie das genau geht, erklären wir Ihnen im Folgenden Schritt-für-Schritt.

stern TV hat die Anwendung Facebook Like Check programmiert, mit der Sie Facebook-Seiten analysieren können, indem Sie die URL der Facebook-Seite hinein kopieren. Wie das genau geht, erklären wir Ihnen im Folgenden Schritt-für-Schritt.


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