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Chancenlos seit Generationen: Familie Ritter aus Köthen: Ein Kreislauf aus Verwahrlosung, Kriminalität und Rechtsextremismus

Seit Beginn der stern TV-Berichterstattung vor 23 Jahren zeichnet sich bei Familie Ritter im ostdeutschen Köthen ein Kreislauf aus Verwahrlosung, Alkoholsucht, Fremdenhass und kriminellen Karrieren ab. Wie läuft es bei den Ritters heute? stern TV hat sie in ihrer Obdachlosenunterkunft in der Augustenstraße erneut besucht.

Karin Ritter im Hinterhof ihrer Obdachlosenunterkunft in Köthen.

Karin Ritter im Hinterhof ihrer Obdachlosenunterkunft in Köthen.

In dieser Familie herrschen seit jeher raue Töne, Gewalt und schwierige Familienverhältnisse – und wiederholen sich seit Generationen: stern TV dokumentiert das Leben der Ritters aus Köthen in Sachsen-Anhalt seit über 23 Jahren. 1994 berichteten wir erstmals über Mutter Karin Ritter und ihre sechs Kinder. Es waren Bilder von Kindern im Dreck, die die Hand zum Hitlergruß heben und in ärmlichsten Verhältnissen in einer Obdachlosenunterkunft aufwachsen. Die rechtsradikale Gesinndung der Ritters war allgegenwärtig, auch bei den Erwachsenen.

Trotz steter Bemühungen von Jugendamt und anderen Behörden hat sich in all den Jahren bei den Ritters wenig geändert. Vor allem die vier Söhne von Karin Ritter sorgten immer wieder für Negativ-Schlagzeilen; die Liste ihrer Straftaten ist lang. Allesamt mussten sie mehrere Haftstrafen verbüßen. Selbst von den 11 Kindern der Ritter-Töchter wurden einige auffällig, viele von ihnen musste das Jugendamt in Heimen unterbringen. Und auch die Wohnsituation der Ritters hat sich nicht geändert. Der Zwangsumzug aus der Angerstraße in die Augustenstraße in Köthen ging in die nächste Schlichtwohnung der Stadt - in die Fortsetzung eines Lebens in Dreck, Gerümpel und Verwahrlosung. 

Keine Wohnung mit dem Namen "Ritter"

stern TV hat Karin Ritter und ihre drei derzeit bei ihr wohnenden Söhne Andy (32), Christopher (31) und Norman (33) erneut besucht und sich von ihrer Lage ein Bild gemacht: In der Obdachlosenunterkunft gibt es weder Duschen noch Heizungen, einige Räume sind von Schimmel befallen, warmes Wasser steht nur einzelnen Bewohnern zur Verfügung. Es gibt nur Waschbecken, an denen sich die Bewohner waschen können. Dazu das immer gleiche Bild von den Ritters: Alkohol, Zigaretten und jede Menge Wut. "Ich fordere eine neue Wohnung!", so Karin Ritter. Die 63-Jährige wartet seit anderthalb Jahren darauf, dass in dem heruntergekommenen Haus in der Augustenstraße die versprochenen Sanitäranlagen eingebaut werden. Sie erklärt: "Ich bin hier mit hingezogen, weil Norman alkoholkrank ist und Andy ist drogenabhängig. Und jetzt legt mir die Wohnungsgesellschaft Steine in den Weg. Durch den Namen Ritter kriege ich keine Wohnung. Ich habe keine Mietschulden. Warum kriege ich keine Wohnung?"

Karin Ritter war im Grunde ihr ganzes Leben arbeitslos, lebte stets von Sozialhilfe und sie wurde vorbestraft wegen Volksverhetzung. Zur aktuellen Flüchtlingspolitik sagt sie: "Raus mit die Viecher! Die sind hier nicht erwünscht", so das Familienoberhaupt. "Die kriegen alles in den Arsch gesteckt, die kriegen Wohnungen." Und sie soll nur wegen ihres Namens keine bekommen, fragt sich Karin Ritter? Doch das sei nicht ihr einziges Problem. Ihr Sohn Norman ist krank. Der 33-Jährige leidet wie sei älterer Bruder René bereits an Leberzirrhose – eine Folge seines jahrelangen Alkoholkonsums.

Gewalt, Fremdenhass und verpasste Chancen: Das wurde aus den Söhnen der Familie Ritter


Ein Kreislauf aus Gewalt, Fremdenhass und verpasster Chancen

Das Leben der drei Ritter-Söhne Norman, Christopher und Andy ist eine lange Geschichte voller Gewalt, Fremdenhass und verpasster  Chancen. Als stern TV sie 1994 das erste Mal traf, waren sie bereits mehrfach durch ihre extreme Gewaltbereitschaft aufgefallen. Die Schule hatte die Ritter-Kinder vom Unterricht ausgeschlossen, weil sie ihre Mitschüler mit Schlagstöcken traktierten. Es kam zu einem ersten von zahllosen Polizeieinsätzen wegen der Ritter-Kinder: Damals hatten sie die Tür einer Nachbarin mit einer Axt eingeschlagen, ihre Wohnung mit einem Baseballschläger verwüstet und die Frau verprügelt. Es mache ihnen Spaß, Menschen grundlos zusammenzuschlagen, erzählten die Jungs dem stern TV-Team. Und auch die rechtsradikale Gesinnung ihrer Eltern hatten sie bereits übernommen: Norman Ritter hob mit seinen neun Jahren die Hand zum Hitlergruß – und beteuerte: Wen er groß ist, wolle er Skinhead werden und "einen mit dem Baseballschläger verhauen".

Norman hatte seine zweite Chance, als er für mehrere Jahre in einem Kinderheim untergebracht war. Er blühte regelrecht auf und zeigte weniger Aggressionen. Doch Karin Ritter holte sich das Sorgerecht für ihre Kinder zurück. Als stern TV Norman 2007 wiedertraf, war sein Wunsch von 1994 Realität geworden: Auf seinem glatt rasierten Schädel prangte die Tätowierung "Skin". In seinem Zimmer waren die dazugehörigen Nazi-Devotionalien ausgestellt. Damals 23, war Norman kurz vor seinem nächsten Haftantritt, da er wegen schwerer Körperverletzung zu dreieinhalb Jahren verurteilt worden war. Das erste Mal hatte Norman bereits mit 18 Jahren viereinhalb Jahre im Gefängnis gesessen. 2007 saßen auch die Brüder René und Christopher gerade wieder ein. Andy Ritter, zu der Zeit 22, war der einzige der Brüder, der gerade keine Haftstrafe absitzen musste. "Ich habe alles verpasst: Schule, Arbeit, mein Leben", räumte er zu jener Zeit ein, war jedoch stark heroinsüchtig. Heute ist er von seinem jahrelangen Drogenkonsum schwer gezeichnet. 

"Wo ist die Gerechtigkeit in Deutschland?"

Christopher, der jüngste der vier Ritter-Brüder, ist heute 31. Er hat die meiste Zeit seines Lebens im Gefängnis verbracht. Zuletzt wurde er vor wenigen Monaten in der Obdachlosenunterkunft in der Augustenstraße verhaftet. Die Polizei ist bei den Ritters auch nach 23 Jahren weiterhin regelmäßig im Einsatz. Nach Angaben der Köthener Polizei gab es allein in den letzten anderthalb Jahren insgesamt 99 Einsätze in der Augustenstraße. In jedem dieser Einsätze waren einer oder mehrere Familienmitglieder der Familie Ritter involviert, schreibt uns die Polizei.

Die Ritter-Brüder sind wie ihre Mutter unzufrieden, fühlen sich von allen im Stich gelassen. Für die Ritters hat sich nie etwas geändert – ob durch gesellschaftliches Versagen oder eigenes Zutun. "Wo ist die Gerechtigkeit in Deutschland?", fragte Christopher das stern TV-Team letzte Woche.

Warum ändert sich bei den Ritters nichts?

Wie können Staat und Ämter die Zustände bei den Ritters über so viele Jahre dulden? Bereits im vergangenen Jahr hatte der Köthener CDU-Stadtrat Georg Heeg bei stern TV angekündigt, zumindest den Bau von sanitären Anlagen in der Obdachlosenunterkunft anzuschieben. Bislang ist aber nichts passiert, wie der stern TV-Bericht zeigt. Steffen Hallaschka sprach erneut mit Georg Heeg über den Fall "Familie Ritter". Laut Heeg soll sich nun endlich etwas tun: "Wir haben in der vergangenen Woche als Stadtrat die Gelder freigegeben, damit die Baumaßnahmen jetzt beginnen können", sagte er live in der Sendung. Dass die Bauarbeiten bislang nicht durchgeführt wurden, liege unter anderem daran, dass die Stadt zunächst nach einem externen Betreiber für die Obdachlosenunterkunft gesucht habe – jedoch lange erfolglos.

Das gesamte Gespräch zwischen Steffen Hallaschka und Stadtrat Georg Heeg über die Ritter-Familie können Sie sich hier noch einmal anschauen:


In den vergangenen Jahren berichtete stern TV mehrmals über das Leben der Familie Ritter aus Köthen und den Kreislauf aus Fremdenhass und Verwahrlosung, der sich über Generationen zu wiederholen scheint. Hier finden Sie noch einmal die Berichte der letzten Jahre:





Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.