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Familie Ritter aus Köthen: Von klein auf kriminell

Was wurde aus Familie Ritter? Seit vielen Jahren berichtet stern TV über die kriminellen Karrieren der Kinder aus Köthen. Und jedes Mal bot sich den Reportern vor Ort ein erschreckendes Bild.

Zwei der Ritter-Jungen 1994.

Zwei der Ritter-Jungen 1994.

Es ist eine Kindheit im Dreck. Eine Kindheit, die von Gewalt und Alkohol geprägt ist: Bei Familie Ritter aus ist an ein normales Familienleben nicht zu denken. Die Kinder wachsen in erbärmlichen Zuständen in einer Obdachlosenunterkunft auf. Von klein auf lernen sie rechtsradikales Gedankengut kennen. Und: ihre kriminellen Karrieren beginnen oft schon im Kindesalter.

Kinder verwüsten Wohnung

Bei der ersten Begegnung mit stern TV 1994 etwa, hatten die Jungen der Familie - allesamt noch Grundschüler - gerade die Wohnung einer Nachbarin verwüstet: mit Axt und Baseballschläger. Und die Schule hatte die Ritter- vom Unterricht ausgeschlossen, weil sie ihre Mitschüler mit Schlagstöcken traktiert haben sollen.

Es mache ihnen Spaß, Menschen grundlos zusammenzuschlagen, erzählten die Kinder damals dem TV-Team. Und auch die rechtsradikale Gesinnung ihrer Eltern hatte vor allem die Jungen des Familie bereits übernommen: Der neunjährige Norman Ritter begrüßte das stern TV-Team damals mit dem Hitlergruß - und beteuerte: "Ich will Skinhead werden." Und Bruder René, damals zwölf, erklärte: "Die Ausländer nehmen uns die Arbeit weg. Die schlage ich blau."

Ob Nachbarn, Mitschüler oder Lehrer - schon damals hatten alle Angst vor Familie Ritter. Denn: Man habe nie gewusst, wie weit die Kinder gehen, sagt eine Schuldirektorin von damals. Auch das Jugendamt war lange machtlos: Zwar steckte es die Kinder immer mal wieder ins Heim. Doch auch Karin Ritter wollte das Aufenthaltsbestimmungsrecht zurück. Sie holte alle Kinder immer wieder vorübergehend nach Hause. Deren Kindheit war eine beispiellose Odyssee durch staatliche Einrichtungen. Die Behörden waren überfordert.

Bessere Perspektive für die dritte Generation?

Aus den Kindern von damals sind inzwischen kriminelle Erwachsene geworden: Fast alle saßen bereits länger im Gefängnis. Zuletzt musste sich eine der Töchter - inzwischen Mutter von acht Kindern und bis dahin noch ein unbeschriebenes Blatt - vor Gericht verantworten: Weil ihr Verlobter ihre Mutter beleidigt haben soll, setzte die 34-Jährige angeblich vier Schläger auf ihn an. Dafür bekam sie im April 2011 zwölf Monate auf Bewährung.

Ihre acht Kinder, die bis 2009 ebenfalls unter den katastrophalen Bedingungen in der Unterkunft in Köthen gelebt hatten, sind inzwischen im Heim: "Ende 2009 haben wir die Kinder mit Gerichtsbeschluss von der Mutter getrennt und in Jugendhilfeeinrichtungen unterbringen müssen", sagt Jugendamtsleiter Peter Grimm. Und dort bleiben sie auch bis auf weiteres. Ob die Hilfen des Jugendamtes bei der dritten Generation der Ritter-Kinder tatsächlich greifen, bleibt abzuwarten.

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