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Hypnotiseur Wolfgang Künzel: Dieser Mann kann Menschen machen lassen, was er will

Wolfgang Künzel ist einer der renommiertesten Hypnotiseure Deutschlands. Zusammen mit stern TV hat er Freiwillige in Trance versetzt - und verblüfft: Sie vergaßen ihren Namen, verschenkten jede Menge Geld oder verzehrten die seltsamsten Dinge als Delikatesse.


Wolfgang Künzel ist bekannt für seine Hypnosetechniken. Als einer der renommiertesten Hypnotiseure Deutschlands lässt er Menschen Dinge vergessen und in Trance die verrücktesten Dinge tun. Künzel genügt ein intensiver Blickkontakt, um Freiwillige binnen weniger Minuten in Hypnose zu versetzen – zu Show-Zwecken natürlich nur mit dem Einverständnis der Probanden. "Bei der Hypnose habe ich Zugang zum Unterbewusstsein. Wenn ich das geschafft habe, kann ich programmieren", so Wolfgang Künzel. "Ich kann dann jemanden denken lassen, er sei die Queen von England. Und derjenige glaubt das." 

Unter Hypnose eine komplett neue Identität

stern TV hat den Hypnotiseur zu einigen Experimenten begleitet: Auf der Kölner Domplatte beispielsweise traf er auf den mutigen Probanden Christian, der nach eineinhalb Minuten zunächst einfach in dahin sank – in eine tiefe Entspannung. Kurz darauf war sein Unterbewusstsein für Wolfgang Künzel erreichbar. Christian wirkte wach, leistete aber jeder von Künzels Anweisungen Folge: Der Hypnotiseur führte den jungen Mann an einen Platz vor dem Kölner Dom, wo der sich kritiklos hinsetzte und seine neue Rolle als Bettler annahm. Selbst auf Nachfragen vertrat Christian seine neue Identität. Nach zwanzig Minuten als Bettler holte Künzel ihn aus der Trance zurück. Christian war verblüfft: "Ich hätte vor wenigen Minuten noch jeden für verrückt erklärt, der mir gesagt hätte, ich würde freiwillig auf der Domplatte betteln."

In einem zweiten Versuch mit einem Medizinstudenten namens Lorenz zeigte sich: Nach kurzer Zeit in Trance hatte Lorenz seinen eigenen Namen vergessen. Und auch, was Obst und was Gemüse ist. Wolfgang Künzel ließ den jungen Mann genüsslich eine Salatgurke verzehren, weil er ihn glauben ließ, es sei eine leckere Banane. "Man hat ja von Hypnose schon gehört. Aber ich habe mir gedacht: Man muss das mal erfahren, um es wirklich zu glauben!", so der Medizinstudent, nachdem Künzel sein Bewusstsein zurück in die Realität geholt hatte.

Wolfgang Künzel arbeitet seit 20 Jahren als Hypnotiseur und Hypnoselehrer und entwickelt seine Technik stetig weiter. Seine "Blitzhypnosen", die er mit einem strengen, tiefen und langen Blick in die Augen der freiwilligen Probanden erreicht, nennt er  "Morphogenetischen Somnambulismus". Seine Theorie: Durch bestimmte Felder um den Körper und die absolute Bereitschaft des Probanden lässt sich hypnotisieren, ohne dass ein Wort gesprochen wird. Anschließend folgen sprachliche Muster und Wiederholungen, durch die Menschen sich für Suggestionen, also Vorstellungen und Anweisungen, öffnen. "Das Unterbewusstsein nimmt alles als wahr und gegeben an", erklärt Wolfgang Künzel. "Sobald das im Unterbewusstsein angekommen ist, wird das Programm aktiviert. Und dementsprechend kann es bis zu kompletten Persönlichkeitsveränderungen kommen."  Nur etwa 10 bis 15 Prozent der Menschen seien schlecht bis gar nicht hypnotisierbar. Ebenso viele aber sehr gut. 

Hypnose bleibt wissenschaftliches Mysterium

Prof. Wolfgang Miltner ist Psychologe und erforscht an der Universität Jena das Phänomen der Hypnose aus wissenschaftlicher Sicht. Sein Fazit: "Wir müssen nach all den Studien feststellen, dass man eigentlich gar nicht so recht weiß, was bei Hypnose tatsächlich im Gehirn passiert. Wir wissen noch nicht einmal so richtig genau, was das Unterbewusstsein darstellt."

Wissenschaftlich erwiesen ist jedoch, dass Menschen unter Hypnose für psychotherapeutische Behandlungen empfänglicher sind.  In Trance löst sich die Muskelspannung, Herzfrequenz und Blutdruck sinken. Die Atmung wird langsamer und regelmäßiger, der Stresshormonspiegel nimmt ab. Auch das ist messbar – und der Grund, weshalb die Hypnose seit vielen Jahren erfolgreich in Therapien angewendet wird. Beispielsweise bei Ängsten (Flugangst, Zahnarztangst), Schmerzen oder Abhängigkeiten. Das menschliche Bewusstsein ist unter Hypnose eben für Suggestionen durch den Therapeuten und "Neuverknüpfungen" empfänglicher.

Allerdings ist der Eingriff ins Unterbewusstsein vielen Menschen suspekt. Die meisten fürchten, dass ein Hypnotiseur sie "umprogrammieren" könnte und sie dann in Trance wie ferngesteuert die absurdesten Dinge tun. Nun ja, Wolfgang Künzel hat demonstriert, dass dies durchaus möglich wäre. Etwa bei Luca, dem er – in Trance versetzt – glaubhaft machte, er solle einer "Wunschfee" 100 Euro schenken. Der junge Mann nahm daraufhin tatsächlich den Weg zum Geldautomaten und hob den Betrag ab. Gelassen nahm er jede Anweisung Künzels entgegen, obwohl er vollkommen wach wirkte. Als Luca sein Portemonnaie herausholte, um Wolfgang Künzel, der "Wunschfee", die 100 Euro zu geben, löste der Hypnotiseur das Experiment auf. Künzel warnt: "Es ist definitiv möglich jemanden so zu beeinflussen, dass er eine Straftat begeht", sagt aber auch: "Es ist jedoch kaum möglich, jemanden gegen seinen Willen zu hypnotisieren."
Nach der Ansicht von Wissenschaftler und Psychologe Wolfgang Miltner ist das nicht ganz richtig: "Es ist kaum möglich, jemanden zu etwas zu bewegen, was nicht seinen normativen und ethischen Überzeugungen entspricht. Es ist also die weitgehende Überzeugung da, dass man jemanden nicht unter Hypnose zum Mörder werden lassen kann, wenn er die Eigenschaften zum Mörder nicht schon in sich trägt." Das ist zwar in gewisser Weise beruhigend. Dennoch sollte sich jeder Mensch genau überlegen, ob er hypnotisiert werden möchte – und von wem. In diesem Punkt sind sich Wolfgang Künzel und Wolfgang Miltner einig.

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