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Fertiggerichte im Test: So gut sind fertige Linseneintöpfe wirklich

Der Deutschen liebster Eintopf ist die Linsensuppe mit Würstchen - eines von unzähligen Schnellgerichten, die wir im Supermarkt fertig kaufen können. Aber sind sie auch ausgewogen, lecker und empfehlenswert? stern TV hat eine Auswahl analysiert.

Ob hausgemacht, Fixprodukt, für die Mikrowelle oder tiefgekühlt: stern TV testete 14 verschiedene Linseneintöpfe - das Lieblings-Schnellgericht der Deutschen.

Ob hausgemacht, Fixprodukt, für die Mikrowelle oder tiefgekühlt: stern TV testete 14 verschiedene Linseneintöpfe - das Lieblings-Schnellgericht der Deutschen.

Wenn die Zeit knapp und der Hunger groß ist, greifen wir gerne auch mal auf Fertigprodukte zurück. Vor allem in deutschen Büros haben die schnellen Tellergerichte Hochkonjunktur und werden am liebsten ruck-zuck in der Mikrowelle zubereitet. Entsprechend groß ist die Auswahl in den Supermarktregalen, in denen sich auch Altbewährtes, wie der klassische Linseneintopf findet. Björn Hegutzky hält in seinem Büroschrank eine regelrechte Privatkantine bereit. Der 27-jährige Informatiker hat den ganzen Tag Stress im Job und kaum Zeit für eine Mittagspause. Er sagt: "Das geht schön schnell, kann man einfach machen und schmeckt auch gut." Bei Lilja Skiba hingegen kommen Fertiggerichte niemals auf den Teller. Die Hausfrau und vierfache Mutter macht alles selbst: "Ich liebe es zu kochen. Und ich möchte, dass sich die Kinder so gut wie möglich gesund ernähren. Deshalb versuche ich immer frisch zu kochen." Beispielsweise den Linseneintopf mit Würstchen, Kartoffeln, Sellerie, Karotten und reichlich Speck. "Ich nehme dafür gerne die roten Linsen, weil die nicht so lange kochen müssen – nach einer halben Stunde steht das Mittagessen dann auf dem Tisch." Linseneintopf ist also ein vergleichsweise schnelles und nahrhaftes wie leckeres Gericht, das immer gelingt. Noch einfacher und schneller geht es als Fertiggericht, von denen es etliche Varianten zu kaufen gibt: für die Mikrowelle, zum Aufgießen oder einfach zum Erwärmen auf dem Herd. Aber wie steht es um die Qualität der Produkte? Ernährungswissenschaftler und Lebensmitteltechniker Prof.  Guido Ritter hat für stern TV mit seinem Labor-Team der Fachhochschule Münster 14 verschiedene Linseneintöpfe unter die Lupe genommen. Da die  Mengen in den Packungen unterschiedlich sind, haben die Wissenschaftler den Preis auf einen normalen Suppenteller umgerechnet. 

Das stern TV-Testergebnis: So haben die Linseneintöpfe im Vergleich abgeschnitten
Die Produkte im stern TV-Test

Konservendose, Marke "Pottkieker" (Aldi) – Preis: 0,43 Euro / Teller

Konservendose, Marke "Erasco" – Preis: 1,33 Euro / Teller

Aromapack, Marke "Knorr" – Preis: 1,49 Euro / Teller

Die Gerichte zum einfachen Erwärmen auf dem Herd - oder wahlweise umgefüllt auch in der Mikrowelle - überzeugten in mehrererlei Hinsicht: Sie sind schnell zubereitet (2 - 5 Minuten), enthalten Aromen und Zusatzstoffe in einer überschaubaren und damit akzeptablen Menge. Fleisch wie Speck und/oder Würstchen enthielten alle. Und auch der Geschmack war okay bis gut. 


"Unsere Bewertungskriterien waren erstens die Zeit: Wie schnell geht es, kann man sich das tatsächlich schnell zubereiten? Das zweite Kriterium ist der Preis: Wie ist das Preis-Leistungs-Verhältnis? Als drittes zählt die Rezeptur, also ob viele Zusatzstoffe enthalten sind oder unnötige, künstliche Aromen. Und das Allerwichtigste, was wir doppelt gewichtet haben: der Geschmack!", erklärt Testleiter Guido Ritter. 

Drei Punkte für eine Zubereitung unter 10 Minuten

Bei der Zubereitungszeit punkten in unserem Test die vorgekochten Mikrowellengerichte, die schon nach etwa zwei Minuten fertig waren. Auch die 5-Minuten-Terrine hielt in puncto Timing, was sie verspricht. Kaum länger dauerten die fertigen Eintöpfe aus der Dose, obwohl sie im Kochtopf auf dem Herd erwärmt werden müssen. Von den trockenen Fixprodukten benötigte das pulverförmige von Knorr mit 23 Minuten am längsten. Es wird in kochendes Wasser eingerührt und muss noch ziehen. Für den Zeitfaktor gab es nur einen Punkt, wie auch für den selbstgekochten Linseneintopf nach Hausfrauenart, für den man mindestens eine halbe Stunde Zubereitungszeit rechnen muss. 

Punktabzug für Zusatzstoffe und geringen Fleischanteil

Um die Zutaten zu analysieren, werteten die Wissenschaftler die Anteile der Rohwaren und die Angaben zu Zusatzstoffen auf den Verpackungen aus. Alle Linsengerichte wurden nach Packungsangabe zubereitet und im Labor in ihre Bestandteile zerlegt, um die einzelnen Zutaten auszuwiegen: Wie viel Gemüse und Linsen sind enthalten, und wie groß ist der wesentlich teurere Fleisch- und Wurstanteil? Schnell stellte sich heraus: Es gibt enorme Unterschiede! Beim hausgemachten Eintopf sind natürlich keine Zusatzstoffe enthalten, dafür aber großzügige 60 Gramm Wurst und Speck pro Teller. Dafür gab es die volle Punktzahl. "Das ist der Vorteil eines hausgemachten Rezepts", so Guido Ritter. "Man kann die guten Rohstoffe nach Belieben dazugeben."

Tiefkühlprodukte benötigen wenige Zusatzstoffe

Der TK-Eintopf von Apetito enthielt mit einer ganzen Wurst und dazu Speck die größte Fleischmenge von insgesamt 76 Gramm des Tellers. Auch der tiefgefrorene Eintopf von Bofrost erhielt drei Punkte für die Zutaten. Beide kamen zudem mit wenigen Zusatzstoffen aus. Lebensmitteltechniker Ritter erklärt: "Mit dem Tieffrieren von Produkten lässt sich der Frischezustand sofort konservieren. Wenn man sie dann auftaut, kommen sie in derselben Form wieder auf den Teller. das hat technologisch einen großen Vorteil gegenüber beispielsweise Produkten, die zunächst getrocknet werden müssen, um sie bei der Zubereitung erst wieder mit Wasser in den Zustand der Frische gebracht werden sollen. Das ist in hoher Qualität kaum möglich." 

Das Outdoorgericht von Survivor konnte ebenfalls ausreichend viel Rindfleisch aufweisen, wie auch die Linseneintöpfe aus der Konserve, die Wiener Würstchen und Speck enthielten. Die chemischen Zusatzstoffe der Dosengerichte waren akzeptabel für die Ernährungswissenschaftler.

Enttäuschend in puncto Zutaten schnitt der Linseneintopf-Schlauch von Fleischerei Gutmann ab: Aufgemacht wie Feinkost vom Metzger, entpuppte er sich als Industrieprodukt mit reichlich Zusatzstoffen, wie Geschmacksverstärker Natriumglutamat, Dextrose, Glucosesirup, Milcheiweiß oder Stabilisatoren. Die 5-Minuten-Terrine von Maggi erhielt von den Wissenschaftlern ebenfalls nur einen Punkt, weil sie zum Einen viele chemische Zusatzstoffe enthält und die Verpackung Speck verheißen lässt, der im fertigen Produkt aber gar nicht zu finden war.

Überraschungssieger: Mikrowellengericht von Meica

Für den Geschmackstest gingen die Forscher an der Fachhochschule Münster ebenfalls differenziert vor: In einer so genannten Blindverkostung wertete jeder der Testesser, Wissenschaftler und Köche jedes fertig zubereitete Produkt einzeln nach Farbe, Geruch, Konsistenz und Geschmack aus – allerdings ohne zu wissen, welches er jeweils auf dem Teller hatte. Ergebnis: Das Outdoorgericht aus der Tüte von Survivor und der Linseneintopf à la 5-Minuten-Terrine fielen beim Geschmackstest komplett durch.

Deutlich besser schnitten die Dosengerichte ab, weil sie – trotz einiger Zusatzstoffe und Verdickungsmittel – fast wie hausgemacht schmecken. Das Rezept der Hausfrau befanden die Testesser als etwas zu matschig und fade, deshalb gab es dafür ebenfalls nur zwei Punkte. "Er war so, wie zu Hause eben häufig gekocht wird. Das ist nicht immer gleich Sterne-Küche. Leider etwas zerkocht und es hat die Würze gefehlt." 

Das Gesamtergebnis des Linseneintopf-Tests setzte sich zusammen aus den Bewertungen von Geschmack, Zutaten, Zubereitungszeit und Preis: Die Tiefkühlprodukte (Bofrost, Apetito) waren im Resümee die deutlichen Gewinner, sowie das Linsenglück von Meica. "Das hat mich überrascht, weil es von der äußeren Anmutung doch wie ein Fertigprodukt aussieht", sagt Guido Ritter. "Aber die Produktentwickler haben sich anscheinend viele Gedanken gemacht, wie sie die Rezeptur mit der Technologie so austüfteln, dass am Ende ein richtig gutes Produkt auf den Teller kommt."

Wenig Zusätze und gute Rohstoffe machen das Preis-Leistungs-Verhältnis aus

Das Mittelfeld ist mit 10 Linsengerichten groß, darunter der hausgemachte Eintopf, die Konserven, Mikrowellengerichte und Trockenprodukte (s. Abbildungen oben). Das absolute Schlusslicht bildete das teure Trockenprodukt für Outdoorsportler mit fast sieben Euro pro Teller.

Oft würden die Technologie der Konservierung oder die Verpackung ein Produkt unnötig teuer machen, so Prof. Ritter bei stern TV. Entscheidend seien aber die Zutaten. Wer auf ein Fertigprodukt zurückgreift, solle zwischen zwei und drei Euro pro Teller rechnen, um gute Rohstoffe erwarten zu dürfen, sagte der Ernährungswissenschaftler.

Fazit: Das Zusammenspiel aus guter Technologie, die mit wenigen Zusatzstoffen auskommt – zum Beispiel Einfrieren – und guten Rohstoffen macht demnach ein gutes Fertigprodukt aus. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten … 

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