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Fragen und Antworten: Was Sie über die Delfinjagd in Taiji wissen sollten

Trotz aller Proteste werden in Taiji Hunderte Delfine getötet. Ein Fangverbot gibt es bislang nicht. Aber warum wird das noch gemacht? Und was kann man dagegen tun? Antworten auf brennende Fragen.

Noch immer ist die Delfinjagd für die Menschen in Taiji ein einträgliches Geschäft, das von der japanischen Regierung geduldet wird. Die Weltöffentlichkeit schreit auf. Umweltorganisationen protestieren vor Ort - und werden dabei sogar massiv behindert. Doch warum gibt es die Delfinjagd überhaupt noch? Und was können wir dagegen tun? Hier finden Sie die Antworten auf diese und weitere Fragen:

Warum gibt es Delfinjagd?

Ein Grund ist, dass Delfinarien, Vergnügungsparks oder die Filmwirtschaft immer neue lebende Tiere haben möchten, um sie zu dressieren und vorzuführen. Der Verkauf kräftiger lebender Tiere ist lukrativ. Ein lebender Delfin kann mehr als 30.000 Euro einbringen. Insbesondere nach Russland und in die wohlhabenden, arabischen Länder werden wilde Delfine geliefert. In vielen anderen Ländern sind in Vergnügungsparks nur noch Nachzucht-Delfine erlaubt. Auch das Fleisch lässt sich verkaufen: in Japan und anderen asiatischen Ländern noch immer Delfinfleisch verzehrt. Mittlerweile geht die Nachfrage jedoch stark zurück, zumal es häufig Gifte wie Quecksilber enthält.

Wie werden die Delfine gejagt und getötet?

Die Tiere werden in Treibjagden von mehreren Fischerbooten in die Enge getrieben. Dabei schlagen die Fischer unter anderem gegen Metallrohre, die ins Wasser ragen, um die Delfine zu verängstigen. Die Tiere fliehen vor dem Lärm, die Treibjagd in die Buchten beginnt. Dort werden sie eingekesselt und mit Netzen vom offenen Meer abgeschirmt. Händler können sich unter den Delfinen die schönsten und kräftigsten aussuchen, die dann zum Verkauf an Delfinarien abtransportiert werden. Die übrigen Delfine sind für die Fischer leichte Beute. In einer Nebenbucht schlachten sie die Tiere mit Harpunen, Speeren und Messern ab. Um das viele Blut zu vermeiden, das Aufmerksamkeit erregt, wird nach Angaben der Augenzeugen mittlerweile eine noch perfidere Tötungsmethode angewandt: Die Henker schießen oder stoßen den Delfinen eine Metallstange oder eine Art Korken in ihre Luftlöcher, so dass die Tiere qualvoll ersticken oder ertrinken. (Weitere Informationen bei Sea Shepherd)

Was passiert mit den gefangenen Delfinen?

Diejenigen Delfine, die die Händler zum Weiterverkauf auswählen, werden von ihrer sozialen Einheit getrennt und in den Hafen von Taiji zu den Gehegen gebracht. Von dort werden sie mit Lastwagen oder Flugzeugen zu ihrem Bestimmungsort in aller Welt transportiert. Die wenigsten dürfen wieder im Meer schwimmen. Die Sterberate unter den gefangenen Delfinen ist hoch, weil sie mit den veränderten Lebensbedingungen nicht klar kommen. (Weitere Informationen bei Sea Shepherd)

Wie viele Delfine werden gefangen und getötet?

Beobachtungen von Sea Shepherd Mitarbeitern zufolge wurden an einem Tag etwa 250 Delfine in die Todesbucht getrieben. Mehr als 50 Tiere, darunter ein weißes, sehr seltenes Albino-Jungtier, wurden für den Weiterverkauf lebend ausgesondert. Die übrigen wurden in einer schwer einsehbaren, abgeschirmten nachbarbucht abgeschlachtet.

Angeblich haben die Japaner insgesamt eine Fangquote von etwa 2000 Tieren. Offiziellen Zahlen zufolge wurden in den letzten Jahren jeweils mehr als 3000 Delfine erjagt. Vor fünf bis zehn Jahren waren es noch bis zu 20.000 Delfine, die in einer Jagdsaison ihr Leben lassen mussten. Als die "Internationale Walfangkommission" (IWC) 1986 ein kommerzielles Walfangverbot ausgesprochen hatte, baute Japan die Delfinjagd aus. Obwohl Delfine Zahnwale sind, hat das Verbot der IWC für sie keine Gültigkeit. Doch das könnte sich durch internationale Bemühungen ändern.

Die Zahlen sind insgesamt rückläufig. Zum einen wird Delfinfleisch weniger nachgefragt, unter anderem aufgrund der Quecksilberbelastung. In Walfangorten wird es noch gegessen. Zum anderen soll auch die Tsunami-Katastrophe Einfluss auf die Zahl der gefangenen Delfine, vor allem aber auf den Walfang, genommen haben.

Werden nur in Taiji Delfine gejagt?

Nein. Auch in einigen anderen Orten Japans werden Delfine gefangen und getötet. In Taiji sind es aber die meisten, da hier der Hauptumschlagplatz für den internationalen Weiterverkauf der lebenden Delfine an Vergnügungsparks ist.

Warum erlaubt die japanische Regierung die Delfinjagd noch?

Die japanische Regierung billigt die Delfinjagden. Sie vertritt den Standpunkt, dass das Töten von Delfinen nicht verboten ist und die Tierart auch nicht in ihrem Bestand gefährdet sei. Gleichwohl nimmt sie aber auch die weltweiten Proteste und die Kritik wahr, die dem Image Japans schaden könnte.

Die Jagderlaubnis für Taiji wird nach Angaben von Sea Shepherd vom Gouverneur des Wakayama Verwaltungsbezirks ausgestellt, der auch eine Fangquote setzt. In der Jagdsaison 2011/2012 soll diese bei 2.165 Delfinen und anderen Kleinwalen gelegen haben. Die wenigsten Japaner begrüßen diesen Akt und die negative Aufmerksamkeit, die die Delfinjagd auf das Land und die Region lenkt, allerdings.

Was wird gegen die Jagd auf Delfine und das Abschlachten bisher unternommen?

Verschiedene Umwelt- und Tierschutzorganisationen setzen sich dafür ein, dass dem Wal- und Delfinfang ein Ende gesetzt wird. Unter anderem werden Protestaktionen initiiert und die schockierenden Bilder an die Öffentlichkeit gebracht, um den Druck auf die Politik zu erhöhen.

Politiker verschiedener Länder, unter anderem Deutschland und die Vereinigten Staaten, wollen die Delfinschlachtungen verstärkt bei der Internationalen Walfangkommission IWC diskutiert sehen. Delfine als Zahnwale sollten demnach ebenfalls unter das 1986 in Kraft getretene Walfanmoratorium fallen und das Töten der Tiere verboten werden.

Darüber hinaus gibt es Bemühungen, Delfinarien zu kontrollieren und das Ausstellen von wilden Delfinen zu verbieten. (Beispiel vom Wal- und Delfinschutz-Forum oder Pro Wildlife

Was kann ich tun?

Mehrere Umwelt- und Tierschutzorganisationen haben Protestaktionen und Kampagnen gegen den Delfinfang und das grausame Abschlachten der Tiere ins Leben gerufen. Die Organisation Sea Shepherd war beispielsweise vor Ort, um friedlich zu protestieren, aber auch die Bilder des Massakers zu dokumentieren und an die Öffentlichkeit und in die sozialen Netzwerke zu bringen.

Kampagnen und Proteste unterstützen


Die Kampagnen der Organisationen können Sie unterstützen (zum Beispiel mit Spenden) oder selbst aktiv werden, indem Sie sich an den Protesten beteiligen. Etwa, indem Sie einen Brief oder eine E-Mail an die zuständigen Behörden in Japan oder die japanische Botschaft schicken und so gegen die Fangpolitik der japanischen Regierung protestieren.

Delfin-Unterhaltungsindustrie boykottieren


Außerdem hilft man, indem man Delfinshows und Delfinarien meidet. Denn solange das Geschäft mit den Delfinen lukrativ bleibt, werden auch noch wilde Tiere für Vergnügungsparks gefangen. Nach Angaben von Sea Shepherd könne sich die Fischereigewerkschaft in Taiji das Jagen der Delfine ohne den Lebed-Handel kaum leisten, da die Unternehmung sehr teuer ist.

Informationen weitertragen/b>
Eine Liste mit Links und Hinweisen, wo und wie Sie selbst etwas dagegen unternehmen können, finden Sie hier.

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