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Gefälschte Nacktbilder: Warum immer mehr Frauen pornografische Fotos von sich im Netz fürchten müssen

Immer wieder tauchen Fotomontagen von Prominenten im Netz auf: Emma Watson, Sylvie Meis oder Helene Fischer waren betroffen. Doch mittlerweile scheinen sich Leute den Spaß zu machen, selbst Nachbarinnen oder Kolleginnen mit gefälschten Nacktfotos zu diffamieren – ohne dass die Betroffenen etwas davon ahnen.

Sichtlich schockiert: Julie C. sieht zum ersten Mal das montierte Nacktbild von sich, das im Internet kursierte.

Sichtlich schockiert: Julie C. sieht zum ersten Mal das montierte Nacktbild von sich, das im Internet kursierte.

Julie C. würde nie auf die Idee kommen, aufreizende Fotos von sich ins Internet zu stellen. Doch genau das ist passiert – ohne das Wissen der 19-Jährigen. Das Bild als solches gibt es nicht einmal. Es wurde durch Fotomontage erstellt und dann auf einer Pornoseite hochgeladen. "Es ist beschämend. Auch wenn ich das auf dem Foto gar nicht wirklich bin, es ist nur mein Kopf darauf. Aber ich schäme mich trotzdem dafür, dass so ein Bild von mir existiert und im Internet rumkursiert", sagt Julie C., als IT-Experte Tobias Schrödel sie mit dem Foto konfrontiert.

Wie Julie C. erfahren betroffene Frauen oft nur per Zufall überhaupt von der Existenz solcher Bilder, etwa wenn sie von Bekannten und Freunden darauf aufmerksam gemacht werden. Die Reaktionen: Verzweifelt, hilflos. "Auch wenn der Körper nicht ihr eigener ist, so sieht es durch die Montage doch auf den ersten Blick so aus. Und so empfinden es auch die Frauen", sagt Traumatherapeutin Etta Hallenga von der Frauenberatungsstelle Düsseldorf. "Sie haben das Gefühl, missbraucht zu werden – als ganze Person, als gesamte Frau. Das ist in diesen Fällen extrem."

Einfachste Software und ein perfider "Service" ermöglichen den Missbrauch

stern TV hat recherchiert und tatsächlich einige betroffene Frauen gefunden, von denen es gefälschte Nacktfotos im Netz gibt. Unter anderem Fotos von Mitarbeiterinnen einer Arztpraxis, deren Profilbilder von der Praxisseite genommen wurden. Die Fälle häufen sich: Fotos ganz normaler Frauen werden aus dem Internet und aus sozialen Netzwerken geklaut und bearbeitet, um sie dann auf Porno-Webseiten einzustellen. Dabei werden die Köpfe der Frauen mit einfachster Software auf Abbildungen nackter Frauenkörper oder in pornografische Bilder montiert. "Es können inzwischen sogar Clips und Filme nur anhand von Fotos auf diese Weise montiert und erstellt werden", weiß Tobias Schrödel. Das Ergebnis: gefälschte Nacktfotos und pornografische Videoclips von Menschen, die keinen Schimmer davon haben.

Opfer haben Schadenersatzansprüche – theoretisch

Im April dieses Jahres erstatten rund 100 Frauen aus Remscheid genau deswegen Strafanzeige: Tagelang waren im Netz nämlich Nacktfotos aufgetaucht, auf die ein Unbekannter die Gesichter der Betroffenen montiert hatte. Das jüngste Opfer soll erst 14 Jahre alt gewesen sein. Die Polizei ermittelt wegen Verstößen gegen das Urheberrecht, aber auch wegen Verbreitung von pornografischen Bildern. "Das was hier passiert, das sind schwere Straftaten", sagt auch Anwalt Christian Solmecke. "Sowohl diejenigen, die die fremde Bilder hochgeladen oder zur Verfügung gestellt haben, als auch die, die die Bilder bearbeitet haben, begehen Urheberrechtsverletzungen und Persönlichkeitsrechtsverletzungen. Und daraus resultierenden Schadenersatzansprüche für die betroffene Person. Es gibt ein Urteil vom Oberlandesgericht in Oldenburg aus 2015, in dem genau in so einem Fall einer betroffenen Frau 15.000 Euro für ein manipuliertes Nacktfoto zugesprochen wurden." Auch im Fall der Remscheider Frauen konnte die Polizei den Urheber der Bilder ermitteln. Doch das ist verglichen mit der Zahl solcher Bilder, die derzeit in Umlauf sind, nur sehr selten der Fall.

Fotoaustausch erfolgt meist über amerikanische Seiten

Es gibt zahlreiche Webseiten, auf denen gefälschte Bilder von Frauen verbreitet werden. Die Täter tauschen sich vor allem in einschlägigen meist amerikanischen Porno-Foren aus, indem jemand dort ein Bild hochlädt und zur Bearbeitung anbietet. Allein dort fand Tobias Schrödel 100 Seiteneinträge. "Das heißt: Hier gibt es Fotos von tausenden Frauen, die man hier finden kann." Andere User laden sich die Bilder dann zur Bearbeitung herunter und bieten die fertigen Nacktfotos in der Community wieder an. Was folgt: anstößige Kommentare und Beleidigungen. Ein User warb mit seinem Service wie folgt: Wer möchte, dass ich irgendwelche Pissnelken, sei es die Ehefotze, die Schwester, die Freundin, die Nachbarin oder wen auch immer, in meinen Galerien zur Schau stelle, der darf sich gerne melden. Ich verarbeite aber nur Fotos von hoher Qualität.

Der User, der die Facebook-Fotos von Julie C. hochgeladen hat, nennt sich Germanstar123.  In ihrem Fall wurde aber nicht nur ein Nacktfoto erstellt und verbreitet, sondern auch der Link zu ihrem Facebookprofil gepostet. Julie ist geschockt: "Wer macht sowas?" Die 19-Jährige hat nun Anzeige erstattet und mithilfe eines Rechtsanwalts den amerikanischen Seitenbetreiber aufgefordert, das gefälschte Foto von ihr entfernen. Doch auch nach einer Woche ist nichts passiert. Der oder besser gesagt die Täter sind nicht zu ermitteln. Für Julie C. bedeutet das: Das Bild kursiert weiter im Netz.

Das rät IT-Sicherheitsexperte Tobias Schrödel:

Wie kann ich rausfinden, ob es gefälschte Bilder von mir gibt?

"Leider funktioniert das nicht einfach über eine Googlesuche", sagt Tobias Schrödel. "Da solche Bilder fast ausschließlich in entsprechenden Foren kursieren, erfahren die betroffenen Frauen eher durch Zufall davon." Etwa indem sie von Bekannten darauf aufmerksam gemacht werden.

Was sollte ich tun, wenn es ein gefälschtes, pornografisches Bild von mir gibt?

Umgehend den Seitenbetreiber anschreiben und um Löschung bitten, Screenshots als Beweis anfertigen und Anzeige erstatten. Übrigens stammen die Täter nicht selten aus dem privaten Umfeld.

Eine entsprechende Website mit hilfreichen Informationen zu digitaler Gewalt ist:
www-aktiv-gegen-gewalt.de

Die Fotos selbst verbreiten sich leider schnell weiter und lassen sich dann kaum noch vollständig aus dem Netz entfernen. Es gibt jedoch Beratungsstellen, die Ihnen dabei helfen, mit der Tatsache einer solchen Diffamierung umzugehen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Hier finden Sie entsprechende Anlaufstellen:
www.frauen-gegen-gewalt.de

Wie kann ich vermeiden, dass jemand Fotos von mir missbraucht?

Achten Sie darauf, welche Fotos Sie in sozialen Netzwerken posten. Sind Gesichter beispielsweise nicht freigestellt oder angeschnitten, lässt sich damit wenig anfangen. Ebenso, wenn die Auflösung sehr niedrig ist. Das erschwert eine Verwendung für Fake-Nacktbilder in Bildbearbeitungsprogrammen.

Achten Sie auch darauf, ob und wo andere Fotos von Ihnen im Netz hochladen, etwa bei der Teamvorstellung auf der Website ihres Arbeitgebers oder Freunde und Bekannte auf ihren Seiten und Blogs. Um einen groben Eindruck davon zu bekommen, welche offiziellen Bilder von Ihnen überhaupt online sind und eine mögliche Gefahr darstellen, hilft möglicherweise doch eine Google-Bildersuche.

Woran erkennt man überhaupt, dass ein solches Bild gefälscht ist?

Das ist stark abhängig davon wie gut oder schlecht die Fälschung gemacht ist. "Oft sieht man einfach Ränder, einen falschen Lichteinfall oder der Farbton der Haut von Gesicht und Körper passen nicht richtig zusammen", sagt IT-Spezialist Schrödel. Fachleute könnten teilweise auch an der Pixelstruktur oder anderen Merkmalen eine Bearbeitung nachweisen – was ein normaler User nicht erkennen könnte.

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?