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Aufgreger vor Fußball-WM: "Kalkül von Erdogan, Heuchelei bei den Spielern" - Das sagt Box-Profi Ünsal Arik zum Erdogan-Eklat

Ein in ihren Augen harmloses Treffen, das hohe Wellen geschlagen hat: Mesut Özil und Ilkay Gündogan haben sich in London mit Recep Tayyip Erdogan getroffen. stern TV hat den deutsch-türkischen Box-Profi und Erdogan-Kritiker Ünsal Arik gefragt.

Das Treffen sorgte in den vergangenen Tagen für einige Diskussionen: Die beiden türkischstämmigen, deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan trafen am Samstag in London den umstrittenen türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Gemeinsam posierten sie dort im "Four Seasons"-Hotel für Fotos. Sie überreichten ihm Trikots ihrer derzeitigen Vereine FC Arsenal und Manchester City. Gündogan hielt ein hellblaues Trikot mit der Nummer acht hoch, auf dem stand: "Mit großem Respekt für meinen Präsidenten." Die AKP-Partei von Erdogan zeigte Bilder des Treffens auf dem offiziellen Twitter-Account.

Dürfen Özil und Gündogan jetzt für Deutschland antreten?

Beide Spieler wurden in Gelsenkirchen geboren, haben die deutsche Staatsbürgerschaft: Da Deutschland bis Ende 2014 keine doppelte Staatsbürgerschaft erlaubte, legte Özil mit seiner Volljährigkeit seine türkische ab, um eingebürgert zu werden. Seit 2009 spielt er in der deutschen National-Elf. Ilkay Gündogan hingegen hat die doppelte Staatsbürgerschaft inne – daher der Spruch "für meinen Präsidenten". Gündogan spielt seit 2011 in der deutschen Nationalmannschaft. Auch der in Wetzlar geborene Deutsch-Türke Cenk Tosun war bei dem Treffen dabei. Er spielt derzeit beim FC Everton und im Gegensatz zu Gündogan und Özil für die türkische Nationalmannschaft. Die beiden letzteren haben sich mit ihrem öffentlichen Treffen mit Erdogan viel Ärger eingehandelt, der DFB-Präsident Reinhard Grindel meinte, die Nationalspieler hätten sich für Erdogans "Wahlkampfmanöver missbrauchen" lassen. "Der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden."

Bundestrainer Joachim Löw kritisierte das Treffen zwar, zeigte zugleich aber Verständnis für Spieler mit Migrationshintergrund. Den beiden sei mitgeteilt worden, "dass das jetzt keine glückliche Aktion war". Dennoch stellte er Mezut Özil und Ilkay Gündogan im vorläufigen Kader für Russland auf. Von zahlreichen Internetnutzern wird nach den Fotos hingegen weiter gefordert, Özil und Gündogan als Konsequenz nicht als Nationalspieler Deutschlands mit zur Weltmeisterschaft zu nehmen. Eine entsprechende Petition hat mittlerweile mehr als 50.000 Unterschriften gesammelt.

Wie ist das Treffen der beiden mit Recep Tayyip Erdogan in London einzuordnen – ein zu missbilligendes Statement oder nachvollziehbar? Immerhin wählten zwei von drei Türken in Deutschland den türkischen Präsidenten, empfinden Respekt und Bewunderung für Erdogan, der in Deutschland für die am 24. Juni anstehenden türkischen Präsidentschaftswahlen keinen Wahlkampf machen darf.

Box-Weltmeister Ünsal Arik: "Kalkül von Erdogan, Heuchelei bei den Spielern"

Einer hat dazu eine ganz klare Meinung: Ünsal Arik. Der der deutsch-türkische Profiboxer aus Parsberg sagt: "Die beiden sind Vorbilder für Jugendliche und diese sehen jetzt, dass die Stars wahrscheinlich wieder Erdogan wählen." Da Özil und Gündogan stark polarisieren würden, unterstützten sie Erdogan bei der Wahl und somit die Diktatur. Für den 37-Jährigen steckt eindeutig Kalkül hinter der Einladung des türkischen Staatspräsidenten, Erdogan habe sich seiner Meinung nach bewusst zwei Personen gesucht, mit denen er Millionen in Deutschland erreiche.

Im Studiogespräch mit Steffen Hallaschka kritisierte Ünsal Arik die beiden Fußballer mit scharfen Worten: "Man trifft sich nicht mit einem Menschen, der unschuldige Menschen tötet. Der klaut, der stiehlt oder auch Menschen unschuldig ins Gefängnis steckt. Damit unterstützt man einen Diktator, und das als deutscher Nationalspieler. Das ist falsch", so der deutsch-türkische Profi-Boxer live bei stern TV. "Diese beiden Fußballer haben sich ja bewusst für Deutschland entschieden, weil sie gewusst haben, sie können mehr Geld verdienen und für größere Vereine spielen. Beide machen es vor, sie spielen bei Topvereinen Europas. Das hätten sie mit der türkischen Nationalmannschaft vielleicht nicht geschafft. So eine Aktion zu bringen, ist für mich Heuchelei."