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Gutachten für Sammlungen: Echte Werte oder bloß alter Plunder?

Die Deutschen sind ein Volk der Sammler. Nicht selten kommen über die Jahre große Werte zusammen. stern TV hat Ankäufer von Sammlungen getestet: Machen sie faire Angebote oder wollen sie abzocken? Und: Was macht manche Sammlungen eigentlich wertvoll, was nicht?

Diese Sammlung echter alter Steiff-Teddys ist mehrere Tausend Euro wert. Werden das die vermeintlichen Sammlungsexperten erkennen?

Diese Sammlung echter alter Steiff-Teddys ist mehrere Tausend Euro wert. Werden das die vermeintlichen Sammlungsexperten erkennen?

Mehr als Dreiviertel aller Deutschen sammeln in ihrer Freizeit etwas, Männer wie Frauen. Oft hat der Zufall entschieden, was wir zu sammeln beginnen und viele bleiben ein Leben lang dabei. Manche Menschen trennen sich aber auch gern von ihrer Sammlung, vor allem, wenn es sich um große Werte handelt. Voraussetzung für den Verkauf sollte jedoch ein faires Ankaufsangebot sein. Doch wie seriös arbeiten Ankäufer von Sammlungen und vermeintliche Experten, die im Internet und in den gelben Seiten inserieren? Erkennen sie den wahren Wert der Sammlungen? Oder ziehen sie die ahnungslosen Sammler über den Tisch?

Test mit versteckter Kamera

stern TV hat es mit versteckter Kamera getestet: Zum Verkauf standen eine Sammlung echter Steiff-Teddys aus den 20er und 30er Jahren (Wert: mindestens 8.000 Euro), eine gut erhaltene Modell-Eisenbahn von Märklin mit seltenen Loks und einem Bahnhof aus den 50er Jahren (Wert: etwa 10.000 Euro), 700 Schallplatten von Elvis Presley und den Beatles (Wert: mindestens 2.000 Euro), außergewöhnliche Figuren aus Überraschungs-Eiern, sechs Designer-Barbies aus limitierten Auflagen und wertvolle Silbermünzen, die noch nie berührt wurden und deshalb noch den so genannten "Prägeglanz" haben. Allesamt kostbare Sammlungen, die Lockvogel Susanna mit der Legende, es seien Hinterlassenschaften ihres verstorbenen Großonkels, verkaufen wollte.

Die Expertin Dr. Heide Rezepa-Zabel hat die Sammlungen zuvor ausgiebig begutachtet und die Händlerankaufspreise festgelegt. Die Berlinerin ist Sachverständige für ein Auktionshaus, Autorin eines Sammlerjournals und Expertin für Kunstgeschichte. "In diesen Sammlungen sind einige Spitzenobjekte dabei, die bei Sammlern sehr begehrt sind. Insgesamt müssten mindestens 22.000 Euro geboten werden." Der Veräußerungswert für einen Händler könnte laut Rezepa-Zabel bei gut 70.000 Euro liegen.

Die meisten Händler sind ahnungslos

Im Internet war Lockvogel Susanna als erstes auf einen „Spezialisten für Sammlungen aller Epochen“ gestoßen, der faire Preise versprach. Der Ankäufer entpuppte sich jedoch schnell als Dilettant. Er wollte die wertvollen Silbermünzen aus den Plastikkartuschen nehmen und berühren. So hätte er ihren Wert drastisch gemindert, da die Münzen ihren Prägeglanz verlieren würden. Im zweiten Test, ein Händlerpaar, wussten die zwei ganz genau, wie wertvoll die Sammlungen sind, wie sich herausstellte, als sie sich alleine wähnten und den Wert der Sammlungen auf bis zu 100.000 Euro schätzten. Dennoch versuchten sie gegenüber Susanna die Sachen schlecht zu reden und den Preis zu drücken.

Auch in den weiteren Tests konnte Gutachterin Heide Rezepa-Zabel nur ungläubig den Kopf schütteln. Auf eine Anzeige, die Lockvogel Susanna selbst aufgegeben hatte, meldeten sich unter anderem eine Frau und ein Mann als Händler mit "jahrelanger Erfahrung" . Dann stellte sich heraus, dass es Trödel-Ramschankäufer waren, die kaum Ahnung von dem hatten, was ihnen angeboten wurde. Für alle Sammlungen zusammen boten sie gerade einmal 500 Euro. Und das entsprach in etwa dem Fazit des Ankäufer-Tests: Sechs von sieben Händlern fielen mit mangelndem Sachverstand durch, die meisten boten nur 300 bis 500 Euro für alle Sammlungen zusammen. Lediglich ein Händler machte ein angemessenes Angebot. "Es ist in der Branche bekannt, dass viele unkundige Händler unterwegs sind, die vor allem an einem hohen Gewinn interessiert sind und nicht an fairen Preisen für die Sammler", sagt Gutachterin Heide Rezepa-Zabel.

Sammler sollten selbst sachkundig sein

Um einen guten Preis für seine Sammlung aushandeln zu können, solle man sich unbedingt zuvor selbst informieren, rät die Expertin: "Je mehr man über die Sammlung und seinen Marktwert weiß, desto gezielter lassen sich Interessenten ausfindig machen. Die Internetrecherche ist der erste Schritt."

Für eine professionelle Einschätzung brauche es mehr als allein den kurzen Augenschein, weiß Heide Rezepa-Zabel: "Auch ein Sachkundiger Händler/Experte für Sammlungen kann selten Fakten aus dem Ärmel schütteln. Um den Wert einer Sammlung richtig einschätzen zu können, ist eine fundierte Recherche notwendig. Zudem ändert sich der Markt, sprich die Nachfrage, ständig." Auch sie verlässt sich bei ihren Wertgutachten deshalb nicht allein auf ihre Erfahrung, sondern nutzt auch Fachbücher oder Datenbanken (beispielsweise über Auktionspreisergebnisse).

Wer als Privatmensch eine Sammlung veräußern möchte, der solle sich auf die Suche nach Gleichgesinnten und Liebhabern machen, so die Empfehlung der Expertin. Gleichgesinnte sind im besten Fall auch Käufer, denn sie schätzen Stücke entsprechend und sind am ehesten gewillt - so kann man hoffen - den Wert zu bezahlen. Andere Sammler finden sich in Internet-Foren, in Vereinen oder auf Auktionen, Börsen und Märkten. Wer keinen Sammler als Käufer findet, kann an diesen Orten auch Händler oder ähnlich Interessierte fragen, ob sie entsprechende Sammler kennen. Allerdings solle man bedenken, dass jeder Vermittler "mitverdienen" möchte. Je professioneller ein solcher Vermittler agiert, desto höher natürlich auch seine Provision.

Was macht Sammlungen wertvoll?

stern TV hat die Sammlungen selbstverständlich nicht verkauft. Es waren Requisiten für den Test. Aber was machte die Sammlungen so wertvoll? Auch das hat die Wertgutachterin noch erklärt:

Modelleisenbahnen:

Qualität der Ausführung, Marke, Alter, Seltenheit und Zustand

Steiff-Teddys:

Seltenheit, Alter (die Teddys stammten aus den Vorkriegsjahren), preisbestimmend ist ein guter, originaler Erhaltungszustand, zum Beispiel "Fahne" und "Knopf im Ohr" als Indiz auf die Echtheit der Bären, allerdings gibt es auch Fäschungen

Schallplatten:

Seltenheit, besondere Pressungen, Sondereditionen, gefragte Seriennummern, Erscheinungsjahr, Musikrichtung (gefragt sind zurzeit Klassiker aus den 60er/70er-Jahren. Zum Beispiel: Led Zeppelin, Rolling Stones, Beatles), Erhaltungszustand sowohl der Platte, als auch der Plattenhülle

Ü-Eier-Figuren:

Seltenheit, Vollständigkeit des Satzes und zugehöriger Einzelteile, Authentizität

Barbie-Puppen:

Originalzustand, eine detailreiche, vollständige Ausstattung und Zubehör, Design, Unversehrtheit (auch die Verpackung), Auflagenhöhe, besser ist noch ein Unikat, besondere Editionen, auch Verfügbarkeit (manches ist nur in den USA erhältlich)

Silber-Münzen:

Seltenheit, Prägung ("polierte Platte" oder "Spiegelglanz"), Erhaltungsgrad. Als Mindestpreis wird entweder der Nennwert der Münze oder der Wert des Silbers gehandelt.