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Unruhen in Chemnitz: Debatte um "Hetzjagden": Das sagen Menschen, die selbst dabei waren

Sozialarbeiterin Rola Saleh beobachtete am 26. August in Chemnitz, wie Migranten während einer Demo beleidigt und attackiert wurden. Im Gespräch mit sterntv stellt sie fest: "Wenn Menschen vor Angst über die Straße rennen, dann kann man die Sache nur beim Namen nennen."

sternTV

Der tödliche Streit am Rande des Chemnitzer Stadtfestes vor zwei Wochen, bei dem zwei Ausländer einen 35-Jährigen niedergestochen haben sollen, hat und vor allem Sachsen aufgerüttelt. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger von Chemnitz haben sich rechtspopulistischen Kundgebungen und Märschen angeschlossen, um ihre Ängste auszudrücken, so sagten sie. Es gab offensichtliche Übergriffe und Hassparolen.

In der Nacht zum Sonntag kam es auch in Köthen in Sachsen-Anhalt zu einem folgenschweren Streit zwischen einem Deutschen und zwei Afghanen, an dessen Ende der 22-jährige Deutsche gestorben ist – an akutem Herzversagen, so die Aussage der Behörden. Die zwei Afghanen (18 und 20), die auf den jungen Mann eingeschlagen hatten, wurden wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge in Untersuchungshaft genommen. Und während in sozialen Netzwerken der empörte Teil der Bevölkerung von rechtsgesinnten, auch gewaltbereiten Gruppen und der AfD zu mehreren "Trauermärschen" am Sonntag und Montag mobilisiert wurde, ruft die Politik erneut zur Besonnenheit auf. Doch der aufgeheizten Stimmung der vielen Menschen in Sachsen und Sachsen-Anhalt ist mit Argumenten kaum beizukommen. Die Sozialarbeiterin Rola Saleh war am 26. August in unterwegs und hat hautnah mitbekommen, was sich auf der Straße abspielte. Auch sie hat eine Meinung zu der von Verfassungsschutz-Chef Maaßen angestoßenen Fake-Video-Debatte um Hetzjagden in Chemnitz. "Ich habe diese berühmte Szene aus dem Internet, wo die jungen Männer über die Straße gejagt werden, die habe ich mit eigenen Augen von der gegenüberliegenden Seite der Straße gesehen. Der Film ist kein Fake", so die gebürtige Libanesin. "Wenn Menschen über die Straße gescheucht werden und vor Angst über die Straße rennen, dann kann man die Sache nur beim Namen nennen." Sie habe sich bei den Hassparolen auch eingemischt, "Rassisten" habe sie geschipft, doch "dann  hat ein Polizist zu mir gesagt, dass wenn ich diese Menschen filme und beleidige, dass sie für meine Sicherheit nicht sorgen können."

stern TV hat mit weiteren Augenzeugen und Bürgern der Städte Chemnitz und gesprochen. Wie will Deutschland die Vorfälle aufarbeiten und der inneren Haltung von immer mehr Bürgern begegnen? Hat die Gesellschaft und Politik den auflebenden Radikalismus und Nationalismus zu lange ignoriert? Live in der Sendung wird Steffen Hallaschka am Mittwochabend mit Rola Saleh und mit Sachsens stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion Henning Homann sprechen, der selbst beim Sammeln von Augenzeugenberichten aus Chemnitz mitwirkt, um die Fake-Debatte zu entkräften.

Studiogespräch am 12.09.2018: "Herr Maaßen versucht mit seiner Aussage die Öffentlichkeit zu irritieren"

Das Video der Verfolgungsszene kursierte zunächst auf Twitter:

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