HOME

Riskante Rettungsaktion: Höhlentaucher: "Die Jungen werden vor enormen Herausforderungen stehen"

Höhlen-Drama in Thailand: Seit inzwischen fast zwei Wochen sitzen zwölf Jungen einer Fußballmannschaft und ihr Trainer in einer Höhle fest. Die Bergung der Kinder könnte allerdings zum Problem werden.

Es war der große Moment der Erleichterung: Nach neun langen Tagen wurden sie gefunden – zwölf Jungen einer thailändischen Fußballmannschaft und ihr Trainer, gefangen in einer Höhle. Die Spieler hatten am 23. Juni nach extremen Regenfällen in jener Region im Norden Thailands in der Höhle Schutz gesucht und wurden wohl durch eine Sturzflut von der Außenwelt abgeschnitten. Tagelang hatten unzählige Experten nach den Jugendfußballern gesucht. Am Montag entdeckten Taucher die Kinder und ihren Trainer in einem vom Wasser abgeschnittenen Teil der tiefen verwinkelten Höhle. Zwar sind alle den Umständen entsprechend wohlauf, doch auf ihre Rettung aus dem überfluteten Höhleninneren müssen sie noch warten. Eine Bergung ist derzeit nicht möglich: Der Wasserpegel sei noch zu hoch und die Jungen körperlich noch zu geschwächt, um zu schwimmen oder zu tauchen.  Zudem können die meisten der 11- bis 16-Jährigen wohl gar nicht schwimmen.

"Sie werden vor enormen Herausforderungen stehen"

Kompliziert könne es aber dennoch werden, weiß Dr. Martin Göksu, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und erfahrener Höhlentaucher: "Wenn das Wasser nicht ausreichend abgepumpt werden kann und die Kinder heraustauchen müssen, werden sie vor enormen Herausforderungen stehen, denn neben dem generellen Stress eines ungeübten Tauchers scheint die Sicht im Höhlenwasser schlecht zu sein", so der Arzt, der auch bei der Bergung des 2014 verunglückten Höhlenforschers Johann Westhauser beteiligt war. Das seien emotionale Ausnahmesituationen, die zu Todesängsten führen können und psychologisch nicht zu unterschätzen seien, sagt Göksu.

Der Bergungsexperte hatte schon 2014 bei stern TV über die spektakuläre Rettung Westhausers berichtet. Johann Westhauser war in der bekannten Riesendinghöhle verunglückt – eine labyrinthartige Schachthöhle in den Berchtesgadener Alpen. Martin Göksu war der erste Arzt, der zu dem schwerverletzten Johann Westhauser vorgedrungen war. Der Höhlenforscher, der nach einem Steinschlag mit einem Schädel-Hirn-Trauma in 1000 Metern Tiefe auf seine Rettung gewartet hatte, musste liegend Meter für Meter durch die tiefste und größte Höhle Deutschlands gebracht werden. Martin Göksu wich Westhauser damals sechseinhalb Tage nicht von Seite, bis er geborgen war.

Auch für die Rettung der Jugendlichen aus der Höhle in Thailand hat sich Martin Göksu bereit erklärt, über die europäische Höhlenrettungsmission dorthin zu reisen und zu helfen. Mit welchen Schwierigkeiten die Bergung der thailändischen Fußballmannschaft aus der Höhle verbunden sein könnte und wie er die Lage vor Ort einschätzt, erklärte Martin Göksu am Mittwochabend live bei stern TV.

Themen in diesem Artikel