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Fragen & Antworten

Hormone, Eisprung, Verhütung: Schwanger kurz nach einer Geburt: So reagiert der weibliche Körper

Viele Frauen werden kurz nach der Entbindung wieder schwanger – oftmals ungeplant. Kann das auf natürlichem Wege überhaupt gehen? Und welche Risiken können auftreten, wenn eine Frau kurz nach der Geburt schnell wieder schwanger wird? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Die Gebärmutter mit dem weiblichen Uterus.

Die Gebärmutter mit dem weiblichen Uterus.

Wann kann eine Frau nach einer Geburt wieder schwanger werden?

Nach jeder Entbindung, unabhängig ob natürliche Geburt oder Kaiserschnitt, hat die Frau einen mehrwöchigen Wochenfluss. Der rührt von der Ablösung der Plazenta in der Gebärmutter, die die eine offene Wunde entsteht. In dieser Zeit haben die wenigsten Frauen das Verlangen nach Geschlechtsverkehr. In der Zwischenzeit richtet sich der Körper wieder auf den normalen Monatszyklus ein. Wann dieser einsetzt, ist von Frau zu Frau verschieden. Es kann aber durchaus kurz nach der Geburt bereits wieder ein Ei heranreifen. Und somit kann die Frau auch mit dem ersten herangereiften Ei wieder schwanger werden, sofern es besamt wird.

Dieser Prozess kann jedoch durch Hormone unterdrückt werden.


Es heißt, wer stillt kann gar nicht schwanger werden – wie also doch?

Wenn eine Mutter ihr Baby regelmäßig – also alle paar Stunden – stillt, wird das Milchbildungshormon Prolaktin ausgeschüttet. Der Gegenspieler ist das Follikel stimulierende Hormon, kurz FSH, das für den Eisprung zuständig ist. Ist der Prolaktinspiegel im Verhältnis höher und hat somit die "Oberhand", wird der Eisprung unterdrückt. Doch schon bei Stillpausen ab vier Stunden kann der Prolaktinpegel so weit sinken, dass es zum Eisprung kommen kann. Wenn die Frau also nicht voll stillt, sondern teilweise oder vollständig zufüttert, reift schon bald nach der Geburt wieder ein Ei heran. Die Frau ist wieder fruchtbar. Da die Reifungsphase des Eis etwa zwei Wochen andauert, kann das unter Umständen sehr schnell der Fall sein. Deshalb wird Paaren auch während der Stillzeit Verhütung empfohlen.


Ist es für die Frau gesundheitlich riskant, so kurz hintereinander zwei Babys auszutragen?

Normalerweise nicht. Wenn eine erneute Schwangerschaft weniger als sechs Monate nach einer Geburt zustande kommt, steigt allerdings das statistische Risiko für eine Frühgeburt. Zudem ist eine Schwangerschaft für den Körper anstrengend – noch dazu mit einem Säugling, der versorgt werden will. Mit dem Stillen sollte man dann möglichst ganz aufhören, um die Hormone nicht durcheinander zu bringen und den Körper nicht zusätzlich auszuzehren.


Und wie soll man das als frisch gebackene Mutter händeln?

Manche Frauen sind mit schnell aufeinander kommenden Schwangerschaften physisch und psychisch überfordert. Das ist individuell sehr unterschiedlich. Der beste Rat ist dann: Hilfe und Pausen organisieren, sich viel ausruhen, gesund ernähren. Und nach vorne schauen: Die Belastung wird deutlich weniger, sobald die Geschwisterkinder miteinander spielen können und die Mutter – anders als bei einem Einzelkind – nicht der einzige Spiel- und Ansprechpartner ist.


Gibt es einen idealen Abstand zwischen zwei Geburten?

Bei physisch und psychisch gesunden Müttern und problemlos verlaufender Neugeborenenzeit spricht nichts gegen einen Abstand von einem Jahr zwischen zwei Geburten. Bei einem erhöhten Frühgeburts-Risiko, etwa bei einer Gebärmutterhalsschwäche oder nach einem Kaiserschnitt, sollte der Abstand mindestens 18 Monate betragen. Eine grundsätzliche Hebammenregel lautet: Mindestens ein halbes Jahr, besser neun Monate warten, bis man das zweite Kind zeugt. Erst dann sei die Hormonumstellung abgeschlossen, die Schwangerschaft und Geburt mit sich bringen. Auch das Gewebe hatte genug Regenerationszeit, um sich zu festigen. Laut einer amerikanischen Studie kommt es bei Schwangerschaften nach einer 18 bis 23 monatigen Pause am seltensten zu Komplikationen.

Was ist die beste Verhütungsmethode für frischgebackene Mütter?

Solange der Wochenfluss noch nicht abgeklungen ist, sollten Paare nur mit  Kondomen Verkehr haben, Infektionen in der Gebärmutter zu vermeiden.

Natürliche Verhütungsmethoden, Temperaturmethode oder Verhütungscomputer sind in den ersten drei Monaten nach der Geburt sehr unsicher, da sich der Zyklus erst wieder einpendeln muss.

Da die Östrogene aus der Pille in die Muttermilch übergehen, kommt während der Stillzeit nur die sogenannte Minipille, eine reine Gestagen-Pille, infrage. Gestagen beeinflusst den Milchfluss nicht. Das Hormon gibt es auch als Depotspritze für drei Monate. Implantierte Verhütungsstäbchen enthalten zwar ebenfalls nur Gestagene, jedoch in einer viel höheren Dosierung und sind deshalb während der Stillzeit nur sehr eingeschränkt zu empfehlen.

Eine Spirale kann frühestens sechs bis acht Wochen nach der Geburt eingesetzt werden. Erst dann hat sich die Gebärmutter auf ihre normale Größe zurückgebildet werden. Bei Spiralen kann es aber immer auch zu Abstoßungsreaktionen oder Komplikationen kommen – deshalb sollte der Einsatz mit dem Arzt abgewogen werden.