HOME

Mord-Urteil in Raser-Prozess: Opfer bei illegalem Autorennen: Warum gab es für den Tod dieser Mädchen vergleichsweise milde Urteile

Melanie Rüth und Ramona Daxlberger starben bei einem schweren Autounfall – völlig schuldlos. Sie wurden Opfer eines illegalen Straßenrennens. Die Urteile für die Raser, die ihren Tod zu verantworten haben, machen die Familien der Mädchen fassungslos.
 

stern TV berichtete bereits mehrfach über Urteile in Raser-Prozessen. Unrühmlicher Fall: Das tödliche Straßenrennen zweier junger Männer in Berlin, bei dem ein 69 Jahre alter Mann getötet wurde. Völlig unbeteiligt wurde er aus dem Leben gerissen. Im März 2017 erging das Urteil gegen die Täter: Erstmals wurde die tödliche Raserei mit "Mord" und Gefängnisstrafen abgeurteilt. Das machte Schlagzeilen - und entfachte eine deutschlandweite Debatte. Können illegale tödliche Autorennen juristisch künftig wie "Mord" behandelt werden? Die Verteidigung der Unfallverursacher ging in Revision. Heute das erneute Urteil vor dem Landgericht Berlin: Wegen "Vorsatz" und damit Mord sind die beiden Ku'damm-Raser zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Ein spontanes Beschleunigungsrennen mit immerwährenden Folgen

Mit fast 200 Km/h durch die Stadt rasen, einer spontanen Herausforderung folgen, Kräftemessen mit 300 PS - ungeachtet möglicher Verluste: Illegale Autorennen gibt es nach wie vor allerorts in Deutschland. Und immer wieder werden dabei unbeteiligte Menschen verletzt und sogar getötet. Werden nichtsahnend aus dem Leben gerissen. So wie Melanie Rüth (21) und die Schwestern  Ramona (15) und Magdalena Daxlberger (21) aus Samerberg bei Rosenheim. Die drei jungen Frauen kamen in ihrem Nissan Micra vom Pizza-Essen, als ihnen ein Golf GTI auf ihrer Spur entgegenkam. Wie aus dem Nichts. Sekunden später war von ihrem Nissan kaum etwas übrig. Melanie Rüth ist auf der Stelle tot, die 15-jährige Ramona Daxelberger starb während der Not-OP. Nur ihre Schwester Magdalena überlebte schwer verletzt.

Es war wohl ein spontan entstandenes Rennen, das zur Katastrophe führte:
Der Golf-Fahrer Simon H. wird in Rosenheim von zwei BMW  überholt. Hinter dem Ortsausgangsschild setzt Simon H. zum Überholen des ersten BMW an. Als er den hinteren BMW erreicht, beschleunigt dieser und schließt die Lücke zum vorausfahrenden BMW, sodass Simon H. nicht wieder einscheren kann. ER will also auch den vorderen BMW ünoch berholen, aber auch dieser beschleunigt plötzlich. Offenbar wollen die beiden den GTI-Fahrer zu einem Rennen anstacheln. Simon H. hätte bremsen können, aber er entscheidet falsch, bleibt auf der Gegenfahrbahn. Dann passiert es.

"Unsere Meinung ist, dass die beiden BMW-Fahrer sich ein Rennen geliefert haben, der Golffahrer dazugekommen ist und da eben dieses Rennen entstanden ist", sagt Mutter Kerstin Rüth.

"Unsere Mädchen kommen nie wieder nach Hause"

Die drei Raser, die den tödlichen Unfall zu verantworten haben, wurden verurteilt: Der Golf-Fahrer bekam eine Bewährungsstrafe, die zwei anderen am Rennen beteiligten Männer Haftstrafen von 20 bis 27 Monaten. Auch sie fechten ihre Urteile an.

Die jungen Frauen verloren ihr Leben, die Eltern ihre Töchter. Die beiden Familien werden lebenslang mit diesem Schicksalsschlag leben müssen. Wie geht es den Angehörigen mit derartigen Strafen für mutwillig provozierte tödliche Unfälle? "Die Schuldigen gehen ein bisschen ins Gefängnis, kommen dann aber wieder raus. Wir haben lebenslänglich. Unsere Mädchen kommen nie mehr nach Hause!", sagt Vater Ralf Rüth. Für die Familien der getöteten jungen Frauen sind Raserei und illegale Autorennen versuchter Mord, für die sie endlich entsprechende Strafen fordern. Das Urteil gegen die Berliner Raser habe für sie Signalwirkung - die tödliche Raserei auf Deutschlands Straßen müsse endlich bundesweit mehr geahndet werden. Am Mittwochabend wird Steffen Hallaschka mit den Eltern von Ramona Daxlberger und Melanie Rüth darüber sprechen.

Zuschauermeinungen