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Knochenjob Polizist: Profi-Boxerin im Einsatz: Regina Halmich geht eine Nacht mit der Dortmunder Polizei auf Streife

Gewalt, Respektlosigkeit, Kriminalität: Polizisten und Polizistinnen machen tagtäglich einen Knochenjob, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Regina Halmich hat das am eigenen Leib erfahren. Für stern TV ist die ehemalige Boxweltmeisterin mit den Beamten eine Nacht auf Streife gegangen.

Deutschlands erfolgreichste Boxerin Regina Halmich (41) im Einsatz mit der Polizei am Dortmunder Hauptbahnhof.

Deutschlands erfolgreichste Boxerin Regina Halmich (41) im Einsatz mit der Polizei am Dortmunder Hauptbahnhof.

Sie war zwölf Jahre lang ungeschlagene Weltmeisterin: Regina Halmich ist die erfolgreichste deutsche Boxerin aller Zeiten. Elf Jahre nach ihrem Karriereende will es die 41-Jährige noch einmal wissen – und zwar, wie sich ein anderer "Knochenjob" anfühlt. Für stern TV ist Regina Halmich mit der Bundespolizei am Dortmunder Hauptbahnhof auf Streife gegangen. Eine 12 Stunden-Schicht. Für sie eine unvergessliche Nacht. Eine Mischung aus Adrenalin und Kräfte zehrender Aufmerksamkeit. "Wenn man so eine ganze Nacht wach sein muss, das geht an die Substanz. Und man darf keine Fehler machen", so Halmichs Erfahrung. "Man muss schauen, was genau passiert, reagieren, agieren. Die Beamten tragen viel Verantwortung. Es gab viele gefährliche Situationen, die hätten eskalieren können. Die Polizisten stellen sich diesen Situationen, in denen unsereins normalerweise eine Hemmschwelle hat."

Aggressionen, Drogen und der stete Kampf für mehr Sicherheit, all das erlebte die Weltklasse-Boxerin in ihrer Nachtschicht mit den Beamten Lukas Rittlewski und  Nils Grießhammer, beide 34 Jahre alt. Sie freuen sich in jener Nacht über die "schlagkräftige" Unterstützung. Natürlich im Scherz. Denn die Polizisten wissen: Heutzutage müssen sie jederzeit damit rechnen, bepöbelt oder angegriffen zu werden, oft würden Messer gezückt. Die Beamten tragen im Einsatz deshalb eine neun Kilogramm schwere Schutzmontur, inklusive schusssicherer Weste und entsprechenden Handschuhen. "Gerade bei den Drogendelikten und Handgemengen besteht eine große Ansteckungsgefahr", so Rittlewski. Die Waffe sei in einem so genannten Holster mehrfach gesichert, damit sie niemand den Polizisten entreißen kann.

"Die Schicht zu überstehen ist schon eine Sache"

An einem Freitagabend ist der Dortmunder Bahnhof stark frequentiert. In jener Nacht haben es die Polzisten hauptsächlich mit Drogendelikten zu tun: Marihuana, Ecxtasy. Meist in geringen Mengen. "Die werden sich gleich wieder neu versorgen. Denn das, was für heute Abend eingeplant war, ist jetzt ja weg, aber wenn die in die Nordstadt gehen, können sie sich was Neues holen", weiß Niels Grießhammer. Für ihn sind das jedoch nicht die schlimmen Delikte. "Mich frustriert es eher in Bereichen wie Diebstahl, Raub, Körperverletzung, vor denen man die Allgemeinheit schützen müsste. Aber teilweise verbringt der Geschädigte einer Straftat länger in einer Wache, als der Beschuldigte, der danach sofort weitermacht. Das ist meiner Meinung nach ein Missverhältnis."

In einem Fall dieser Nacht jedoch können Rittlewski und Grießhammer direkt helfen: Einem Mann mit seinem Kind war der Rucksack gestohlen worden. Es kam zur Verfolgungsjagd, auch Regina Halmich rannte dem Täter hinterher. Die beiden Beamten konnten den Dieb schließlich stellen und dem Vater den Rucksack zurückgeben. Er und sein Sohn wollten mit dem Zug nach Paris. Ein guter Ausgang.

Am Ende der Schicht waren Regina Halmich und die beiden Polizisten 12 Stunden unentwegt auf den Beinen. "Ich muss sagen: Ich bin echt müde, obwohl ich gar nichts geleistet habe", bilanziert Regina Halmich. "Das mal zu überstehen, ist die schon eine Sache. Aber vor allem haben die Kollegen meinen Respekt verdient, die halten überall die Rübe für uns hin. Ich stelle auch fest: In meiner Kindheit und Jugend, da die Polizei der 'Freund und Helfer'. Heute ist es doch sehr feindselig ihnen gegenüber."

"Ich würde diesen Job nicht machen wollen"

Respektlosigkeit, Personalmangel, Überstunden und Schichtdienste – und das bei einem vergleichbar geringen Gehalt: Der Knochenjob Polizist hat den Respekt aller Bürger verdient, sagt auch Sebastian Fiedler vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Zusammen mit Regina Halmich sprach er bei stern TV mit Steffen Hallaschka über die aktuellen Probleme im Polizeiberuf und was seiner Meinung nach für mehr Sicherheit im Land getan werden müsste:

Studiogespräch vom 01.08.2018: Regina Halmich nach Nachtschicht mit der Polizei: "Ich würde diesen Job nicht machen wollen"