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Masern: Kompakte Infos zur Impfung und der Spätfolge SSPE

Lange galt Masern als harmlose Kinderkrankheit. Doch die Medizin weiß längst: Der Virus ist nicht ungefährlich und gehört ausgerottet. In einzelnen Fällen ist die Infektion gar tödlich. Ein Überblick.

Wie gefährlich sind Masern?

Masern sind eine schwere Allgemeininfektion. Bei der Krankheit können einige Komplikationen auftreten, zum Beispiel Mittelohrentzündungen oder Lungenentzündungen. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Entzündung des Gehirns kommen, der sogenannten Subakuten Sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE). Diese Spätfolge einer Maserninfektion verläuft immer tödlich. Die Angaben über die Häufigkeit von Todesfällen infolge von Masern schwanken stark, erklärt Martin Terhardt, Kinderarzt und Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO). Das liegt auch an einer unbekannten Dunkelziffer von Fällen, die den Behörden nicht gemeldet werden.

Wie hoch ist das Risiko, an der Spätfolge SSPE zu erkranken?

"Wir rechnen damit, dass das Risiko an dieser Spätkomplikation von Masern zu erkranken bei ungefähr eins zu 1000 Masernerkrankungen liegt", sagt Martin Terhardt. In den meisten Fällen tritt SSPE bei Kindern oder Jugendlichen auf, die vor ihrem zweiten Lebensjahr an den Masern erkrankten. Babys können jedoch nur vor einer Infektion geschützt werden, indem sie von anderen nicht angesteckt werden (Herdenimmunität).

Wie kommt es zu der Gehirnentzündung SSPE?

SSPE ist eine Folge der Masern-Erkrankung, die Symptome treten häufig erst Jahre danach auf. Bei SSPE setzen sich Masern-Viren im Hirn fest, vermehren sich dort in veränderter Form und lassen immer mehr Hirnzellen mit der Zeit absterben. Das Gehirn löst sich auf, der Erkrankte stirbt schließlich. Eine Behandlung dagegen gibt es nicht. Unbekannt ist, warum manche Menschen erkranken und andere nicht. Allgemein scheinen Jungen häufiger betroffen zu sein als Mädchen. In den meisten Fällen tritt SSPE bei Kindern oder Jugendlichen auf, die vor ihrem zweiten Lebensjahr an den Masern erkrankten.

Wie verbreitet sind Masern überhaupt noch?

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation starben 2011 weltweit 158.000 Menschen an Masern. Gerade in Entwicklungsländern kommt es immer wieder zu lokalen Epidemien. Doch auch in Europa erkranken jährlich viele Menschen. So gab es etwa in Großbritannien 2012 fast 2000 Erkrankungen. Daraufhin intensivierten die Behörden ihre Impfkampagne. Auch in Deutschland kommt es immer wieder zu größeren Masernausbrüchen, zuletzt im vergangenen Frühling. In München wurden von April bis Anfang Juni 220 Fälle registriert. In Berlin alleine gab es bis Anfang September 487 Erkrankungen. Insgesamt wurden in Deutschland bis zum 15. September 2013 1.592 Masernfälle allein in diesem Jahr an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet. Die Zahl der Erkrankungen schwankt aber von Jahr zu Jahr: 2012 gab es 165 Fälle, 2011 1608. Anders ist die Lage in Amerika: Bis 1994 haben nahezu alle Staaten in Nord- und Südamerika Impfprogramme eingeführt, die die Zahl der Neuerkrankungen rapide sinken ließen. Mittlerweile gelten die Masern dort als faktisch ausgerottet. Einzelne Krankheitsausbrüche werden auf importierte Masern zurückgeführt.

Warum sind Impfungen so wichtig?

Um die Masern endgültig und dauerhaft auszurotten, müssten mindestens 95 Prozent der Bevölkerung zweimal geimpft werden. Bei Kleinkindern erfolgt die erste Impfung in der Regel im Alter von elf bis 14 Monaten. Ein Baby erhält in der Schwangerschaft und später mit der Muttermilch Abwehrstoffe von seiner Mutter. Dieser sogenannte Nestschutz ist vor allem in den ersten Lebensmonaten eine entscheidende Stütze für das kindliche Immunsystem, umfassend ist es aber nicht, warnt das Robert-Koch-Institut. Da Antikörper schnell abgebaut werden, fehlt den Kindern jeder Schutz, wenn die Mutter mit dem Stillen aufhört. Daher ist es wichtig, dass alle Menschen in ihrer Umgebung geimpft sind und die Kinder durch den sogenannten Herdeneffekt geschützt sind.

Was sind Impflücken?

Bei vielen Erwachsenen gibt es Impflücken, wie Experte Martin Terhardt erklärt. Das heißt, sie sind nicht oder nicht ausreichend geimpft. Das trifft in Deutschland etwa auf die Hälfte aller 18- bis 39-Jährigen zu, so Terhardt. Und sie können als Träger des Virus zur Gefahr für andere werden. Daher setzt die Weltgesundheitsorganisation auf eine Impfquote von 95 Prozent - um den Masern endgültig den Gar auszumachen!

Warum lassen nicht alle Eltern ihre Kinder impfen?

Der Hauptgrund scheint schlicht Vergesslichkeit zu sein. Vor allem die zweite Impfung, mit der erst ein sicherer Schutz gegeben ist, wird häufig verpasst. Ein nicht unerheblicher Teil der Eltern lehnt aber auch Impfungen kategorisch ab, wie eine Umfrage des stern ergeben hat: Infektionen seien für den Körper gesund, glauben fast ein Drittel der Eltern, die keine Impfungen durchführen ließen - eine fatale Fehleinschätzung. Knapp 20 Prozent hatten auch Angst vor möglichen Nebenwirkungen.

Welche Impfungen sollen Kinder haben?

Die STIKO empfiehlt für Säuglinge und Kinder einige Impfungen, darunter gegen Masern, Mumps und Röteln und zwar im Alter von elf bis 14 Monaten. Welche Impfungen in welchem Alter sonst noch empfohlen werden, zeigt der Impfkalender.

Haben Impfungen Nebenwirkungen?

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder darüber gestritten, ob Autismus, Diabetes oder selbst Multiple Sklerose durch Impfungen ausgelöst werden können. Einen Nachweis gibt es dafür allerdings nicht, dafür zahlreiche Studien, die dagegen sprechen, wie das Robert-Koch-Institut auf seiner Internetseite schreibt. Allerdings kommt es tatsächlich bei Impfungen zu Nebenwirkungen, wie Hautausschlag und Fieber. Wie das RKI schreibt, wurden in Deutschland etwa 2005 44 Millionen Impfstoffdosen verkauft. Ärzte und Pharmahersteller meldeten knapp 1.400 vermutete Impfkomplikationen - das entspricht einer Rate von etwa drei Verdachtsfällen pro 100.000 verkaufter Dosen.