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Konzept Teddykrankenhaus: So sollen Krankenhäuser für Kuscheltiere Kindern die Angst vorm Arzt nehmen

Ein Arztbesuch ist für Kinder oftmals eine Tortur. Spielerisch lernen sie, wenn zuerst dem Teddybären der Arm geflickt wird, ist das gar nicht so schlimm. Die Zahl der Teddykrankenhäuser weltweit steigt.

Mädchen liegt in Krankenhaus-Bett, der Doktor untersucht auch den Teddybären

Die Behandlung der Teddybären soll Kindern die Angst vor Arztbesuchen nehmen

Auch haben mal Wehwehchen. Traurig schaut Anna auf ihren Teddybären, den sie fest im Arm hält. Schon seit Tagen tue ihm sein Arm weh. Er sei womöglich gebrochen. Ein Fall fürs Krankenhaus. Und das steht im baden-württembergischen Heidelberg.

Medizinstudenten nehmen dort die Probleme der und ihrer Liebsten ernst. Mit Erfolg. Die Behandlung soll Kindern die Angst vor Arztbesuchen nehmen. Bettina Kraft, Leitende Psychologin am Heidelberger Universitätsklinikum, sagte gegenüber der dpa: "Kinder lieben Rollenspiele. Die Teddy-Docs sind eine gute Möglichkeit, Kinder angstfrei an einen Arzt- oder Krankenhausbesuch heranzuführen.“ Die ehrenamtlichen Ärzte befragen zuerst die Kinder über die Krankheit ihrer Teddys und beginnen danach mit den entsprechenden Untersuchungsmaßnahmen. Dabei wird die Untersuchung möglichst realistisch und trotzdem kindgerecht durchgeführt. 

Die Angst können Eltern ihren Kindern nicht nehmen

Manche Kinder fühlen sich beim Arzt unwohl, ausgeliefert, bekommen Angstzustände - auch in Begleitung der Eltern. Die Angst kann bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben. Kinder verstehen oft noch nicht, was mit ihnen passiert und warum manche Untersuchungen beim Arzt unvermeidbar sind. Deshalb helfe es, zuzusehen, wie der Doktor zunächst das Kuscheltier verarzte. Auch ihre eigenen Krankheiten verarbeiten die drei- bis sechsjährigen Kinder im Spiel mit Kuscheltieren oder Puppen und identifizieren sich dann mit ihnen.

Die Zahl der Kuscheltier-Krankenhäuser weltweit nimmt zu

Die Teddybären-Klinik in Heidelberg gibt es seit 1999. Die Idee kommt ursprünglich aus Norwegen und hat sich inzwischen in vielen Städten etabliert. Laut Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (BVMD) sind es 34 Städte bzw. Universitäten deutschlandweit. Diese Krankenhäuser können zwar nicht täglich wegen Kuscheltierangelegenheiten besucht werden, aber die meisten Unikliniken bieten Aktionstage an oder haben Stände auf Straßenfesten, bei denen Kinder ihr Kuscheltier auf Herz und Nieren prüfen lassen können. 

Auf internationaler Ebene gibt es Teddykrankenhäuser in 25 Ländern, die Konzepte sind unterschiedlich. In Wisconsin, USA, legt der Chirurg höchstpersönlich Hand an und nimmt an den Plüschtieren stets den gleichen Eingriff vor wie an den Kindern, damit beide dasselbe "erleben". 

Im spanischsprachigen Raum scheint man sich mehr auf die tatsächliche Behandlung "verletzter" Kuscheltiere zu konzentrieren. In Paraguay beispielsweise ist ein Krankenhaus, in dem zwar keine Sirenen ertönen, der OP aber dennoch voll ist. Täglich bringen Kinder ihre lädierten Plüschtiere vorbei, die Ärzte reparieren sie ihnen. Auch Eltern können dort alte Spielsachen abgeben, die dann wiederum an Familien gespendet werden, die sich diese nicht leisten können und an kranke Kinder im Krankenhaus.  

Eine Kampagne aus Japan will die Organspendebereitschaft erhöhen und regt mit den geflickten Kuscheltieren Spenden an.

Übrigens: Das Teddybär-Krankenhaus in München schreibt gerade Stellen als Plüschtier-Doc aus - aber nur für Kandidaten, die wissen, wie viele Gummibärchen ein Teddy essen kann, bis er Bauchschmerzen bekommt.

 


dm