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Krankheitserreger: Kühlschrank: Diesem Keim-Dorado sollten wir ab sofort mehr Aufmerksamkeit schenken

Im Alltag leben wir mit tausenden Bakterien und vermeintlichen Krankheitserregern. Die größte Keimschleuder sind unsere Spülschwämme. Doch Salmonellen, Darmbakterien, Schimmel - diese Mikroben tummeln sich auch in Kühlschränken deutscher Haushalte.

Mikrobiologe Prof. Dr. Markus Egert nimmt für stern TV Proben aus einem Kühlschrank.

Mikrobiologe Prof. Dr. Markus Egert nimmt für stern TV Proben aus einem Kühlschrank.

Viele Magen- und Darminfekte haben ihren Ursprung in der eigenen Küche. Davon geht natürlich keiner aus. Und doch tummeln sich in Spülschwämmen, Geschirrspüler und auf Arbeitsplatten Darmbakterien, Schimmelsporen oder gar Salmonellen, die wie Bacillus cereus, Staphylococcus epidermis, Enterobacter kobei zu den problematischen Keimen zählen und Lebensmittelvergiftungen, Magen- oder Hauterkrankungen auslösen können. Auch im Kühlschrank ganz normaler, gepflegter deutscher Haushalte sind sie tausendfach zu finden, wie die stern TV-Stichprobe ergeben hat.

Und wie ist das bei Ihnen?

Wie oft reinigen Sie Ihren Kühlschrank?

Zu warme Temperatur vermehrt Keime

Gemeinsam mit dem Mikrobiologen und Forscher für Haushaltshygiene Prof. Dr. Markus Egert machen wir in Köln fünf unangemeldete Hausbesuche und nehmen Proben aus den Kühlschränken: vom Glasboden, aus dem Gemüsefach, dem Flaschenhalter in der Tür und der Ablaufrinne. Ein so genannter Lumitester liefert eine erste Einschätzung, wie viele Mikroben die Probe jeweils enthält. Zwei Kühlschränke erweisen sich dabei als "sehr sauber", wie Markus Egert sagt, mit Werten um die 3000 bis 5000 organischen Einheiten pro Abstrich. Zum Vergleich: Bei einem Messergebnis von 2000 ist die Oberfläche so sauber, wie ein Teller, der frisch aus der Spülmaschine kommt. Eine Kühlschrankprobe wies einen weitgehend üblichen Durchschnittswert von 15.000 auf, einer erreichte bereits 50.000 und ein weiterer sogar knapp 100.000 Einheiten im Messwert.

Konfrontiert mit den Ergebnissen, fielen die meisten Kühlschrankbesitzer aus allen Wolken. Viele wussten gar nicht, wie leicht sich Bakterien und Keime ausbreiten können. Dass sich in den Kühlschränken trotz regelmäßiger Pflege und Reinigung dennoch zahlreiche Bakterien und Erreger befanden, liegt unter anderem daran, dass frische, unverpackte Lebensmittel aus dem Supermarkt in den Kühlschrank wandern. Und die tragen an sich schon Schmutz und Keime in den Kühlschrank hinein. Vorsicht sei außerdem geboten, wenn man rohe tierische Lebensmittel im Kühlschrank lagert. Aufgetauter Fisch, geschlagene Eier, Hackfleisch oder Sushi etwa zählten zu dieser Gruppe, die für Krankheitserreger sehr sensibel sind. Wenn es dann noch zu warm ist, können sich Bakterien perfekt vermehren. "Je höher die Temperatur, desto schneller wachsen die Mikroben", erklärt der Professor. Ideal seien vier bis sieben Grad, nicht wärmer. "Dann sterben die Keime zwar nicht ab, sie sind aber auch nicht aktiv." Schätzungsweise acht von zehn Haushalten hätten eine zu warme Kühlschranktemperatur, so Egert. Gerade ältere Geräte würden oft die eingestellte Leistung gar nicht mehr bringen.

Kleckereien vermeiden, Frisches abdecken und alle vier Wochen auswischen

Womit und vor allem wie häufig soll man denn nun den Kühlschrank von innen reinigen? Laut Markus Egert reicht es, den Kühlschrank alle zwei bis vier Wochen mit Seifenwasser feucht auszuwischen. Alle paar Monate sollte eine gründliche Reinigung erfolgen, bei der spätestens auch die Dichtungen dran sein sollten, denn auf dem Gummi fühlen sich Keime besonders wohl. Wenn Lebensmittelreste auf den Zwischenböden landen oder dorthin schwappen, sollte man besser gleich zum Lappen greifen. Trotz aller Hygienetipps sagt aber auch Markus Egert: "Ein keimfreier Haushalt ist schlicht nicht möglich und auch nicht erstrebenswert oder gar gesund. Desinfektionsmittel braucht man in einem normalen Haushalt nicht, Allzweckreiniger, Seifen und Spüli reichen völlig aus."

Tipps zur Kühlschrankhygiene

  • geschnittene Gemüsesalate und geschnittenes Obst, insbesondere Melonenstücke, bis zum Verzehr im Kühlschrank aufbewahren 
  • Lebensmittel auch im Kühlschrank in geschlossenen Behältern oder vollständig abgedeckt lagern
  • Fleisch, Geflügel und Fisch im untersten Fach des Kühlschranks (oberhalb des Gemüsefachs) oder alternativ in einem extra dafür vorgesehenen Fach (0 °C-Fach) lagern, damit Fleischsaft nicht auf andere Lebensmittel tropfen kann und weil es dort am kältesten ist
  • Kühlempfehlungen auf den Packungen beachten (die Lebensmittel am Einkaufstag verbrauchen, wenn die Kühltemperaturen nicht eingehalten werden können, z.B. 2 °C bei Hackfleisch)
  • Kühlschranktemperatur auf maximal 7 °C einstellen (besser unter 5 °C), Temperatur regelmäßig an verschiedenen Stellen im Kühlschrank überprüfen
  • Kühlschranktür nicht öfter als nötig öffnen und nicht offen halten
  • Kühlschrank nicht zu voll packen, damit die kühle Luft zwischen den Lebensmitteln ausreichend zirkulieren kann
  • Kühlschrank ohne Abtauautomatik von Zeit zu Zeit entsprechend den Herstellerangaben abtauen
  • Speisen wenigstens einmal pro Woche auf die vom Hersteller angegebenen Haltbarkeitsfristen und auf Verderb überprüfen (Personen mit geschwächtem Immunsystem sollten Lebensmittel möglichst zügig nach Einkauf und weit vor Ablauf der angegebenen Mindesthaltbarkeit verbrauchen)
  • leicht verderbliche Lebensmittel nach Öffnen der Verpackungen zügig verbrauchen, ebenso Reste aus geöffneten Konserven und in Flüssigkeiten gelöste Trockenprodukte, wie Soßen- und Milchpulver
  • den Kühlschrank mehrmals im Jahr innen reinigen, idealerweise alle 2-4 Wochen

Weitere Informationen hat das Bundesinstitut für Risikobewertung hier zusammengestellt (PDF)