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Kunstfehler fordern 17.000 Tote: Ärzte wollen aus Fehlern lernen

Behandlungsfehler von Ärzten führen im Jahr zu geschätzten 17.000 Todesfällen. Viele von ihnen wären wohl vermeidbar, würden die Mediziner offen ihre Fehleinschätzungen eingestehen und diskutieren. 17 Kollegen haben nun den Anfang gemacht.

"Wenige Tage nach der Operation wird der Patient mit Verdacht auf Veränderungen im unteren Abschnitt der Lunge geröntgt. Zufällig zeigt die Aufnahme am Rand auch Teile einer Klemme im Bauch. Ich unterrichte den Patienten sofort über den Befund. Die Klemme wird unter erneuter Eröffnung der Bauchwunde entfernt. (...) Natürlich bin ich als Operateur der Verantwortliche und Schuldige. Immer wieder überlege ich, wie ich die Klemme habe 'vergessen' können."

So schildert ein Chirurg seinen eigenen Behandlungsfehler. 16 Mediziner und Pflegekräfte tun es ihm gleich und geben in der jüngsten Broschüre des Aktionsbündnisses Patientensicherheit freimütig zu, zum Teil folgenschwere Fehler begangen zu haben. Einige bekennen, dass sie Mitschuld am Tod eines Patienten tragen.

Bislang ein Tabuthema

Ob es nun eine kleine Nachlässigkeit, eine hastig getroffene Entscheidung oder ein simples Missverständnis ist: "Kunstfehler" führen im schlimmsten Fall zum Tod des Patienten - und das geschätzte 17.000 Mal pro Jahr. Bislang kam das Thema unter Medizinern dabei höchstens unter vier Augen zur Sprache. Zu viel schien für die angesehenen Ärzte auf dem Spiel zu stehen.

Das soll sich nun ändern: Enttabuisierung lautet die Devise des 2005 gegründeten Aktionsbündnisses, dem neben der AOK auch praktizierende Ärzte und Wissenschaftler angehören.

"Dieses tragische Ereignis wäre vermeidbar gewesen", gesteht nun eine ehemalige Krankenschwester, die sich über die Diagnose eines Patienten nicht vollends klar war. "Könnte er noch leben, wenn ich mir über den Satz 'Irgendwas stimmt nicht' früher Gedanken gemacht hätte?", treibt es einen Arzt um, der versäumt hatte, einen Patienten auf ein Karzinom hin zu untersuchen.

Falsche OP-Tafel, falscher Patient

Matthias Schrappe, Facharzt für Innere Medizin und Vorsitzender des Aktionsbündnisses, unterscheidet zwischen "unerwünschten Ereignissen", wie zum Beispiel einer Penicillin-Allergie beim Patienten, und "negativen Ereignissen, bei denen ein Patient durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommt.

Solche "Ereignisse", sagt Schrappe, seien häufig auf Kommunikationsdefizite, aber auch Organisationsfehler zurückzuführen: Unklare Zuständigkeiten, keine Anweisungen, falsch ausgestellte Dienstpläne. Dies seien Fehlerquellen im Alltag, die zu einer "Verkettung unglücklicher Umstände" führen können: Falsche OP-Tafel, falscher Patient operiert. Etwa 100 Mal im Jahr komme es hierzulande zu Patientenverwechslungen und Rechts-Links-Vertauschungen.

Ein großes Problem sei außerdem die Hygiene in deutschen Krankenhäusern. So soll mit der jüngst gestarteten Aktion "Saubere Hände" der Vielzahl an Infektionen in Kliniken entgegen gewirkt werden.

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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
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