HOME

Lohndumping in der Friseurausbildung: Warum manche Salonbesitzer ihre Lehrlinge fair bezahlen – und andere nicht

Vollzeit arbeiten für einen geringen Lohn: Im Friseurhandwerk scheint das vom ersten Ausbildungsjahr an bittere Realität. Von 1,33 Euro Stundenlohn kann auch ein junger Mensch kaum leben, wie stern TV vor vier Wochen berichtete. Nun haben sich dazu Salonbesitzer zu Wort gemeldet.

Auch als Friseur braucht man eine gute Ausbildung, doch das Friseurhandwerk wird schlecht bezahlt, insbesondere in den Lehrjahren.

Auch als Friseur braucht man eine gute Ausbildung, doch das Friseurhandwerk wird schlecht bezahlt, insbesondere in den Lehrjahren.

Lisa ist Auszubildende im Friseurhandwerk und bekommt unterm Strich 1,33 Euro pro Stunde ausbezahlt - in einem Vollzeitjob. Damit kommt die 18-Jährige nicht einmal auf ein Sechstel des gesetzlichen Mindestlohns. "Dafür, was ich schon alles mache, ist der Lohn nicht fair", sagt sie. Denn in ihrem dritten Lehrjahr dürfe sie vom Färben bis zur Hochsteckfrisur eigentlich schon alles machen, verdiene jedoch nur knapp über dem Tarif ihres Bundeslandes. Ihr Monatsgehalt: 230 Euro.

Bundesweite Unterschiede eine Frage der Wirtschaftlichkeit?

In Deutschland unterscheidet sich die tarifliche Vergütung  für Friseurazubis zum Teil enorm: Das höchste Gehalt im ersten Lehrjahr von 450 Euro pro Monat bekommen Auszubildende  in Hessen. In Ostdeutschland wird weitaus weniger gezahlt: In Sachsen 200 Euro, in Sachsen-Anhalt laut Tarif sogar nur 153 Euro. Doch wie erklären sich die bundesweiten Unterschiede? Und: Warum zahlen so viele Salonbesitzer keine höheren Gehälter – können oder wollen sie nicht? "Wir können nicht dasselbe Gehalt zahlen, das jemand zum Beispiel bei der Bank bekommt", sagt Thomas Rümpler aus Dresden. Der Inhaber von zwölf Salons in Sachsen entlohnt seine elf Lehrlinge weiterhin nach dem aufgekündigten Tarifvertrag aus dem Jahre 1997. Grund für die geringe Bezahlung sei, dass er als Unternehmer und für die gesamte Firma denken müsse – auch wenn es ihm menschlich leidtue. "Die Lohnkosten sind mit Abstand die höchsten Kosten, dort sind momentan keine großen Sprünge möglich", so Rümpler.

Ein Auszubildender kostet in drei Lehrjahren rund 17.000 Euro, sagt Thomas Rümpler. Das Geld könne er kaum wieder einnehmen. Ein Damenhaarschnitt kostet in seinem Salon 52 Euro, bei einem Azubi im ersten Lehrjahr nur 7,50 Euro – um Kunden anzulocken. Damit machen sie allerdings kaum Umsatz für ihren Chef.Hinzu komme die nötige Übung an einem künstlichen Übungskopf, bevor die Lehrlinge einen Kunden bedienen könnten. "Daran verdienen wir keinen einzigen Cent."

Lehrlinge als unternehmerische Investition in die Zukunft

130 Kilometer weiter in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) führt Jens Kögel einen Friseursalon in einem ähnlichen Preissegment. Er zahlt seinen Azubis jedoch freiwillig fast das Doppelte des alten Tarifs: 300 Euro im ersten Lehrjahr. Das veraltete Tarifgehalt sei für ihn "unwürdig", so Kögel. Die Auszubildenden seien eine unternehmerische Investition in die Zukunft. "Und mit 150 oder 160 Euro bekommt man glaube ich keinen Jugendlichen mehr in den Beruf."

Im Salon von Jens Kögel darf die 19-jährige Jasmin schon an ihrem zweiten Tag beim Färben assistieren. Shampoonieren, Kopfmassage, Handservice, Ansatzfarbe – sobald sie gezeigt habe, dass sie das könne, werde sie auch das wohl machen dürfen, ist sich Jasmin sicher. Das Ziel von Jens Kögler: Seine Lehrlinge sollen möglichst schnell eigenen Umsatz machen, dafür investiert der Chef pro Azubi zusätzliche 250 Euro monatlich in eine private Berufsschule, wo sie auf die Arbeit vorbereitet werden. "Wenn sich fremde Lehrlinge bei uns beworben haben, fiel auf, dass sie zu wenig können", so Kögel. "Da sind unsere Lehrlinge schon zwei Schritte weiter und können vieles selber erwirtschaften." Kögels 19-jähriger Lehrling Marius etwa kann im zweiten Lehrjahr bereits Kunden eigenständig bedienen. Er sagt: "Für Damenhaarschnitte kann ich schon Geld nehmen, nur nicht den vollen Preis und es dauert eben etwas länger als normal." Ende des Monats komme er inklusive Trinkgeld damit auf 600 bis 700 Euro netto. 

Müssen Salonbetreiber die Ausbildungswege überdenken?

Sind es also die unterschiedlichen Ausbildungsansätze, die es Salonbetreibern erlauben, mehr – oder eben nur wenig – zu bezahlen? Live in der Sendung diskutierte Steffen Hallaschka darüber mit Thomas Rümpler, dem Salonbesitzer aus Sachsen,  und mit Marvin Reschinsky von der Gewerkschaft Verdi. Rümpler räumte ein, dass Jens Kögel, der einen höheren Lohn zahle, ihm wirtschaftlich voraus sei. "Auch seine Azubis sind unseren von der Wirtschaftlichkeit einen Tick voraus", so der Salonbesitzer. Gewerkschafter Reschinsky kritisierte, dass in Sachsen keinen Tarifvertrag gebe, dieser sei arbeitgeberseitig gekündigt worden. Er sagte: "Aus unserer Sicht sind Auszubildende im Friseurhandwerk schnell wirtschaftlich." Selbst Azubis für nur 153 Euro würden doch ausgelernte Kräfte entlasten, die dann mehr Kunden bedienen könnten – selbst wenn sie nur Haare waschen, Farbe auftragen oder sogar nur Putzen. "Dieses Argument lassen wir im Moment nicht gelten", so Marvin Reschinsky.

Möglicherweise brauchen auch Salonbetreiber eine gute Beratung, wie sie ihre Auszubildenden schnell gut ausbilden – oder richtig einsetzen. Ein Punkt spielt jedoch eine wesentliche Rolle: "Bei einem Damenhaarschnitt halte ich 45 Euro für Waschen, Schneiden, Föhnen für einen fairen Preis", sagte Friseurmeister Thomas Rümpler. Wie viel sind die Kunden aber bereit zu zahlen? Nach einer stern TV-Umfrage unter mehr als 9000 Zuschauern sind Frauen derzeit bereit, für einen einfachen Haarschnitt durchschnittlich 32,20 Euro zu bezahlen, Männer würden dafür durchschnittlich 22,40 Euro ausgeben. Mehr als 30 Euro für einen Haarschnitt waren 36 Prozent der Frauen und nur 11 Prozent der Männer bereit zu bezahlen. Die Gewerkschaft Verdi möchte durch einen bundeseinheitlichen Tarifvertrag den Druck auf die Kunden erhöhen. "Dann müssen sich die Kunden an neue Preise gewöhnen und der Wettbewerb auf dem Rücken der Beschäftigten hört damit auf", glaubt Marvin Reschinsky. 

Letztlich geht es wohl in jeder Branche um einen fairen Lohn für echte Arbeit. In diesem Punkt dürften sich alle Arbeitnehmer - egal in welchem Beruf - einig sein. Und wir alle gehen auch zum Friseur.



Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.