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Regensburger Domspatzen: Was der Abschlussbericht zum Missbrauchsskandal für die Opfer bedeutet

Der Abschlussbericht des Missbrauchsskandals im weltberühmten Chor "Regensburger Domspatzen" lässt schaudern: Mindestens 547 junge Sänger sollen bis Anfang der 90er Jahre körperliche und sexuelle Gewalt erfahren haben. Bei stern TV spricht eines der Opfer über das, was nun vorliegt.

Alexander Probst, Vertreter der Missbrauchsopfer, vor dem Gymnasium der Domspatzen in Regensburg. 

Alexander Probst, Vertreter der Missbrauchsopfer, vor dem Gymnasium der Domspatzen in Regensburg. 

Viele Jahre hat es gedauert, bis dieser Bericht nun endlich vorliegt. Demnach sollen 547 Sänger der Regensburger Domspatzen im Laufe der Jahre Gewalt erfahren haben, 67 Kinder wurden Opfer sexueller Gewalt. 2010 war bekannt geworden, dass es in dem bekannten Knabenchor unter der Leitung der Katholischen Kirche Fälle von Misshandlungen gegeben hatte. Vor allem in der Vorschule, aber auch im Gymnasium sei es zu Gewalt gegen Schüler gekommen, heißt es nun im Abschlussbericht. Opfer, die dort zu Wort kommen schilderten die Jahre als "schlimmste Zeit ihres Lebens, geprägt von Angst, Gewalt und Hilflosigkeit".

Einer der Betroffenen ist Alexander Probst, der sich bereits 2010 und 2013 zu den Vorfällen bei stern TV äußerte und immer wieder hartnäckig für eine Anerkennung seines Leids und das der anderen Betroffenen kämpfte. Er hatte schon als Kind Demütigungen, Strafen und Misshandlungen im Bistum Regensburg erlebt. Mit elf Jahren wurde er im Internat der Chorknaben von einem Geistlichen missbraucht. Als prominente Stimme kämpfte er seit 2010 fortan um Aufklärung und Gerechtigkeit für die Opfer. Probst klagt über den Verlust von sechs Jahren Kindheit, war in der Folge sogar schwer depressiv geworden. Wie Hunderte andere hatte auch er einen Antrag auf Entschädigung bei der katholischen Kirche eingereicht.

Opfer wütend über Krisenmanagement

Der Bericht hatte sich auch deswegen so lange hingezogen, weil die Deutsche Bischofskonferenz den ursprünglichen Untersuchungsbericht durch das Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen 2013 gestoppt hatte, mehrere Bistümer wie München oder Dresden waren ausgestiegen. Die Leiter der Studie vermuteten Verschleierung und die gezielte Vernichtung von Akten. "Das ist ein Krisenmanagement, das so dermaßen desaströs ist, wie es nur sein kann", sagte Alexander Probst damals im Gespräch mit Steffen Hallaschka dazu. "Man hätte uns die Hand reichen können – wie leicht wäre das gewesen. Aber man hat es nicht getan."

Der Abschlussbericht im Auftrag des Bistums Regensburg ließ weitere vier Jahre auf sich warten – und erschüttert Deutschland auf ein Neues. Die Untersuchung umfasst Fälle zwischen 1945 und Anfang der 1990er Jahre. Laut Weber wurden 49 Beschuldigte identifiziert, die für die Taten verantwortlich gemacht werden könnten. Demnach waren fast alle Vorfälle zu jeder Zeit nach der jeweils gültigen Gesetzgebung strafbar. Es seien inzwischen aber alle Taten nach dem Strafrecht verjährt, so dass keine Strafverfolgung mehr möglich sei. Die Betroffenen sollen jeweils 5.000 bis zu 20.000 Euro für ihr erlittenes Leid anerkannt werden.

Alexander Probst froh, dass er am Ziel ist und viele sogar einen finanziellen Ausgleich bekommen: "Es wird Zeit, dass wir auch Frieden machen."