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Mutmaßlicher Mörder verhaftet: Ist das mysteriöse Verschwinden von Peggy endlich gelöst?

Es liegt mehr als 17 Jahre zurück, dass die neunjährige Peggy auf dem Rückweg von der Schule spurlos verschwand. Ihr Schicksal blieb ewig ein Rätsel – bis ein Pilzsammler vor gut zwei Jahren Knochen des Mädchens entdeckte. Jetzt erfolgte eine Festnahme. Ist der Fall damit endlich gelöst?

Grabstein von Peggy K. Führen Knochenfunde nun zu ihrem Mörder

Für Peggy Knobloch wurde inzwischen eine Gedenkstätte eingerichtet - ohne dass die Familie bis heute wusste, was dem Mädchen zugestoßen ist.

Kaum ein Verschwinden gab der Polizei so viele Rätsel auf, wie das der neunjährigen Peggy Knobloch aus Lichtenberg. Denn bisher gab es weder eine Leiche noch einen Täter – dafür aber mehrere Verdächtige. Unter anderem wurde der geistig behinderte Ulvi Kulac nach einem vermeintlichen Geständnis zu lebenslanger Haft verurteilt und in einer geschlossenen Anstalt inhaftiert – zu Unrecht, wie sich 2014 herausstellte.

Chronik eines rätselhaften Verschwindens
7. Mai 2001

Die neunjährige Peggy Knobloch aus dem oberfränkischen Lichtenberg verschwindet auf dem Heimweg von der Schule. Da wurde sie noch einmal gesehen. Zeugen beobachten sie in der Nähe ihres Elternhauses.
Als ihre Mutter am Abend von der Arbeit nach Hause kommt, ist Peggy verschwunden. Wochenlange Suchaktionen bleiben ohne Erfolg.

August 2001

Die Polizei nimmt den geistig behinderten Ulvi Kulac fest. Er gibt an, sich an Peggy und drei weiteren Kindern sexuell vergangen zu haben. Das vermeintliche Geständnis widerruft er kurz darauf wieder.

22. Oktober 2002

Die Ermittler präsentieren den 24-Jährigen als mutmaßlichen Mörder der Schülerin. Der Prozess beginnt jedoch erst knapp ein Jahr später vor dem Landgericht Hof und zieht sich viele Monate hin, bis ein Urteil fällt.

30. April 2004

Ulvi Kulac wird wegen Mordes an Peggy Knobloch zu lebenslanger Haft verurteilt, die er aufgrund seiner Behinderung in einer geschlossenen Anstalt verbüßen soll. Kulac beteuert weiterhin seine Unschuld.

4. April 2013

Es kommt wieder Bewegung in den Fall: Der Frankfurter Anwalt Michael Euler beantragt die Wiederaufnahme des Falls, um Ulvi Kulac doch noch zu entlasten. Die Polizei hat einen neuen Verdächtigen: Holger E., der  schon 2001 kurzzeitig im Visier der Ermittler war, weil er im Sommer 2000 als Nachbarsbesuch Kontakt zu Peggy gehabt haben soll – und seit Februar 2013 wegen Missbrauchs an seiner eigenen Tochter in Haft ist.

22. April 2013

Die Polizei verfolgt noch eine neue Spur. Die Beamten suchen an verschiedenen Stellen in Lichtenberg nach Spuren von Peggy, darunter der Hinterhof eines Wohnhauses, in dem ein Medienberichten zufolge als Kinderschänder einschlägig vorbestrafter Rentner lebt. Tatsächliche Knochenfunde auf dem Grundstück bestätigen den Verdacht aber nicht. Keine Hinweise auf Peggy.

8. Januar 2014

Auf dem Friedhof Lichtenberg lassen die Ermittler ein Grab öffnen. Sie vermuten, dass bei einer Beerdigung 2001 Peggys Leiche dort abgelegt worden sein könnte. Es werden keine Hinweise gefunden.

10. April 2014

Fast 10 Jahre nach der Festnahme: Auf Anordnung des Landgerichts Bayreuth beginnt das Wiederaufnahmeverfahren für Ulvi Kulac im Fall Peggy und beendet es knapp einen Monat später aus Mangel an Beweisen: Ulvi Kulac wird kurz darauf freigesprochen.

18. Februar 2015

Ein trauriger Tag für die Mutter von Peggy Knobloch: Die Staatsanwaltschaft Bayreuth stellt ihre Ermittlungen offiziell ein. Ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wird aber aufrechterhalten, um vorerst noch mögliche zufällige Spuren weiterverfolgen zu können.

19. März 2015

Das Oberlandesgericht Bamberg entscheidet, dass Ulvi Kulac auch aus der Psychiatrie entlassen werden soll.

16. Juni 2015

Ein ehemaliger Verdächtiger im Fall Peggy wird in einem anderen Fall wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer Jugendstrafe von sieben Monaten ohne Bewährung verurteilt. Im Fall Peggy gilt er nicht mehr als tatverdächtig.

Mai 2016

Der ehemals verdächtigte Rentner, dessen Grundstück in Lichtenberg 2013  auf der Suche nach dem verschwundenen Mädchen umgegraben wurde, fordert Schadenersatz von mehr als 20.000 Euro.

2. Juli 2016

Ein Pilzsammler findet in einem Waldstück im thüringischen Landkreis Saale-Orla Skelettreste, nur 15 Kilometer von Peggys Elternhaus in Lichtenberg entfernt.

5. Juli 2016

Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigen, dass die Knochen von Peggy Knobloch stammen. Auch die gefundenen Gegenstände deuten darauf hin, dass es sich bei dem Leichenfund um die seit 2001 verschwundene neunjährige Peggy handelt. Die Umgebung des Fundortes wird intensiv nach weiteren Hinweisen abgesucht.

September 2016

Die Polizei verhört den Bestatter Manuel S. Spuren am Fundort von Peggys Skelett sollen zu entsprechenden Erdproben auf dem Gehöft des Bestatters in Marktleuthen passen. Nach stundenlangem Verhör kommt Manuel S. wieder auf freien Fuß.  

10. Dezember 2018

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth erlässt Haftbefehl gegen den 41-jährigen Bestatter Manuel S. aus Marktleuthen - der Mann, der als 24-Jähriger in Lichtenberg lebte und schon 2001 einmal verhört wurde, weil sein Sandkastenfreund Ulvi Kulac ausgesagt hatte, dass Manuel S. bei der Tat des Mädchens dabei gewesen sei und sie anschließend weggeschafft habe. Das konnte damals aber nicht bewiesen werden. Nun soll Manuel S. als Täter oder Mittäter feststehen. Der Mann selbst lässt das durch seinen Anwalt bestreiten.

Die Polizei sicherte und verfolgte 4800 Spuren, vernahm 180 Zeugen. Peggys Verschwinden blieb ein Rätsel. Für die Mutter des Mädchens war das ein jahrelanger, zermürbender Kampf zwischen Trauer und Hoffnung. Mehrfach äußerte sich Susanne Knobloch auch bei stern TV zu neuen Spekulationen. Im Juli 2016 – 15 Jahre nachdem das Mädchen spurlos weg war – kam dann wieder Bewegung in den Fall: Ein Pilzsammler hatte in einem Waldstück unweit von Peggys Wohnort Knochen entdeckt. Kurz darauf stand fest: Es handelt sich um damals neunjährige Peggy Knobloch.

Peggy Knobloch verschwand vor mehr als 17 Jahren, seitdem fehlte jede Spur, was mit dem Mädchen geschehen sein könnte. Bis zum 2. Juli 2016, als ihre sterblichen Überreste gefunden wurden.

Peggy Knobloch verschwand vor mehr als 17 Jahren, seitdem fehlte jede Spur, was mit dem Mädchen geschehen sein könnte. Bis zum 2. Juli 2016, als ihre sterblichen Überreste gefunden wurden.

Der am Montag verhaftete 41-jährige Manuel S. wurde auch 2001 schon als Verdächtiger verhört. Eine Mittäterschaft konnte damals aber nicht bewiesen werden, zudem war Ulvi Kulac ja der Hauptverdächtige. Neue Spuren führten die Ermittler jetzt wieder zu dem Mann. Vor drei Monaten hatte Manuel S. in einer Vernehmung bereits zugegeben, dass er Peggy im Mai 2001 mit seinem Auto in den Wald gebracht und dort vergraben hatte – ihr Mörder sei er aber nicht. Inzwischen denken Polizei und Staatsanwaltschaft anders darüber: Der Mann, damals 24 Jahre alt, soll bei der Tötung von Peggy Knobloch Täter oder zumindest Mittäter gewesen sein und sie dann in dem Waldstück im benachbarten Thüringen abgelegt haben. Möglicherweise, so die Vermutung der Ermittler, sollte mit dem Mord eine zuvor begangene Straftat verdeckt werden.