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Nach 30 Jahren Abhängigkeit: Wie Thomas Rüß seine Alkoholsucht für die Liebe besiegte

Hinter Thomas Rüß liegt ein langer, schwieriger Weg. Und zum ersten Mal in seinem Leben ist er so richtig glücklich – glücklich verheiratet. Doch bis seine Karin "Ja" sagen konnte, musste der Alkoholiker seine jahrelange Sucht besiegen. Eine Geschichte über Hoffnung auf der einen und Willenskraft auf der anderen Seite.

Thomas und Karin Rüß kurz nach ihrer Trauung.

Thomas und Karin Rüß kurz nach ihrer Trauung.

Thomas und Karin Rüß sind verheiratet. Für dieses Paar ist das wie ein Wunder, denn ihre Beziehung wurde über Jahre viele Male auf eine harte Probe gestellt. Thomas Rüß ist schwerer Alkoholiker. Doch jetzt könnte er es geschafft haben, von der Sucht endlich loszukommen. Er ist seit anderthalb Jahren "trocken" – lang genug, um den Schritt in die Ehe zu wagen.

Der Hamburger hatte schon mehrere erfolglose Anläufe hinter sich, mit dem Trinken aufzuhören. Zwar gab es in der Vergangenheit Phasen, in denen er dem Alkohol längerer Zeit entsagte. Doch im Grunde hing Thomas Rüß mehr als 30 Jahre an der Flasche. Allein zum "Vorglühen" trank er dann bis zu zwei Flaschen Wodka.

Nach jedem Absturz ein neuer Anfang – und ein weiterer Rückfall

stern TV traf Thomas Rüß erstmals im September 2016 auf der Hamburger Reeperbahn. Obwohl er damals seit längerem klar war, erzählte er offen von seinen regelmäßigen Rückfällen. Dann, so Rüß, trinke er gleich mehrere Wochen quasi non stop. "Ich bin ein anderer Mensch unter Alkohol", war seine Erkenntnis. "Das Problem ist einfach: Ich habe mich nicht unter Kontrolle. Ich weiß nicht was ich mache, wo ich hingehe, was mir passiert, mit wem ich Streit habe oder auch nicht. Warum ich wieder irgendwo aufwache, wo ich nicht mal weiß, wie ich dahin gekommen bin." Oft sei er am Ende seiner 24-Stunden-Touren so betrunken, dass er weder sprechen noch gehen könne, weshalb er regelmäßig in der Ausnüchterungszelle der Polizei lande. Eine Woche nach jenem stern TV-Interview war es dann soweit: Thomas Rüß' nächste Trinkphase war gekommen.  

Nach nahezu jedem Absturz schwor sich Thomas Rüß, es sei der letzte gewesen – und doch kamen die Rückfälle immer wieder. Der bekannte Teufelskreis der Sucht. Rüß' ständiger Kontrollverlust war für seine Freundin Karin Sommer eine große psychische Belastung. Wenn er trank, blieb Thomas Rüß manchmal tagelang verschwunden. "Ich bin einsam", sagte Karin Sommer damals. "Ich habe einen Partner und doch keinen." Aus Selbstschutz lebte die damals 62-Jährige in einer eigenen Wohnung. Die beiden trennten sich mehrmals. Sie mochte ihrem Freund einfach nicht mehr glauben, wenn er abermals beteuere, die Sauferei von jetzt an zu lassen.

Die letzte Chance, sich selbst und die Beziehung zu retten

Wir haben Thomas Rüß und seinen Kampf gegen die Sucht über zwei Jahre dokumentiert – und war auch dabei, als sich der 51-Jährige schließlich im Januar letzten Jahres ernsthaft in den Entzug begab. Es war ein neuerlicher Tiefpunkt, der ihn zum radikalen Umdenken zwang. Und seine letzte Chance seine Beziehung zu retten, das wusste er selbst. Thomas Rüß nutzte sie. Die dreimonatige stationäre Suchttherapie half ihm, sein Leben und sich nach dem jahrelangen Alkoholmissbrauch noch einmal zu ändern. Das wollte er auch bei stern TV zeigen. "Wenn ich jetzt irgendwas Schlimmes erlebe, womit ich nicht klarkomme, dann zieht mich das zwar runter, wie jeden anderen auch. Aber ich werde damit fertig, ohne dass der Gedanke kommt, mich mit Alkohol betäuben zu müssen", so der 52-Jährige. Das war auch für Karin Sommer ein Grund, über den Antrag ernsthaft nachzudenken. Zum ersten Mal in sechs Jahren Beziehung. "Irgendwann muss man auch mal sagen: Gut, du glaubst ihm ja sonst auch alles, vertrau ihm mal", sagt sie. "Und jetzt habe ich überhaupt keine Angst mehr. Thomas ist ein toller Mann“.

Thomas Rüß hat es geschafft, das Vertrauen in seinem Umfeld zurückzugewinnen, indem er die Suchttherapie durchhielt und an sich glaubte – mit dem festen Willen, sein Leben und seine Liebe zurückzugewinnen. Nach 30 Jahren Alkoholsucht scheint ihm das gelungen zu sein. Wie viele Menschen das außer ihm schaffen und geschafft haben, darüber gibt es keine Zahlen. Aber es gibt sie, die positiven Geschichten aus der Abhängigkeit.

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