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Nach Privatinsolvenz: Ex-Schwimmweltmeisterin Sandra Völker startet endlich wieder durch

Als Schwimmerin gewann sie 1996 drei olympische Medaillen, holte mehrere Weltmeistertitel. Doch vor wenigen Jahren musste die deutsche Weltklasseschwimmerin private Insolvenz anmelden. Inzwischen kann Sandra Völker wieder aufatmen, auch wenn sie dafür Opfer bringen musste.

Sandra Völker (44) kann wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Sandra Völker (44) kann wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken.

stern TV

Diesen Namen kennen noch immer fast alle: Sandra Völker war vor Jahren eine der erfolgreichsten deutschen Schwimmerinnen. Ihre Karriere verlief steil: vom Teenie-Talent zum gefeierten Schwimm-Star. Sie holte mehrere Weltmeistertitel, 45 deutsche Meistertitel und insgesamt drei Medaillen bei den Olympischen Spielen. Auch eine Silbermedaille. Jahrelang war sie eine große Kontrahentin von Franziska van Almsick. Nach eigner Schätzung habe sie während der erfolgreichen Jahre über eine Million Euro verdient. Um Geld machte sie sich nie Sorgen, sagt Sandra Völker, es sei immer genug da gewesen. "Ich habe immer das gekauft, was ich haben wollte und bin nicht nach dem Preis gegangen", sagt Sandra Völker. Wie viele Profisportler hatte sie stets nur den nächsten Wettkampf im Kopf, trainierte sechs Stunden täglich: "Letztendlich habe ich mich für andere Sachen interessiert."

Doch dann war Sandra Völker außer dem einstigen Ruhm plötzlich nicht mehr viel geblieben: Wegen gesundheitlicher Probleme und weil sie sich nach dem Karriereende mit einigen Projekten übernommen hatte, verschuldete sie sich. Die Abwärtspirale begann mit dem Kauf einer 120 Quadratmeter großen Altbau-Wohnung in bester Lage in Hamburg. Preis: 400.000 Euro – finanziert mit einem Kredit.  Als sie einen großen Sponsor verlor und so schnell keinen neuen fand, musste sie die Wohnung mit Verlust verkaufen. Dazu kamen gesundheitliche Probleme: Asthma, ein Bandscheibenvorfall, sogar Depressionen. Außerdem fehlinvestierte sie in windige Fonds. Die Misere nahm ihren Lauf. 2008 beendete sie ihre Karrieren. Sandra Völker musste Hartz IV beantragen. Ihr Schuldenberg betrug 113.000 Euro, als sie im November 2013 Privatinsolvenz anmeldete. "Ich habe wirklich das Handtuch geschmissen und gesagt: 'So sieht es aus und jetzt helfen sie mir bitte.' Das war das schon das Schlimmste, was ich erlebt habe im Leben."

Medaillen und Erinnerungen gegen mögliche Schuldenfreiheit

Doch Sandra Völker hat tapfer gekämpft, um sich von den Schulden zu befreien. Die Symbole ihres Erfolges musste sie versteigern, darunter auch ihre Silbermedaille von den Olympischen Spielen 1996. Das war auch für Schwester Kirstin schwer

"Das fand ich an der ganzen Sache das Allerschlimmste, die Versteigerung von diesen ganzen Sachen, von den Medaillen und diesen tollen Erinnerungen an diese erfolgreiche Zeit. Die hergeben zu müssen, da hat mir schon das Herz geblutet." Für Sandra Völker hingegen war es ein Schritt, den sie selbst unbedingt gehen wollte, um einen vielleicht ausreichenden Teil der Schulden zurückzahlen zu können.

Jetzt liegen hinter Sandra Völker, alleinerziehende Mutter von drei Kindern, viereinhalb Jahre Privatinsolvenz – viereinhalb Jahre Leben auf Sparflamme, in denen sie weder in den Urlaub fahren noch Shoppen konnte, weiß auch ihre Insolvenzverwalterin Verena Vogt: "Nur wenige Schuldner sind wirklich so ehrgeizig wie Frau Völker, ihre Schulden zurück zu zahlen." Sandra Völker ist inzwischen wieder berufstätig, gibt regelmäßig Schwimmtraining.

Am vergangenen Donnerstag sollte sich für die ehemalige Profischwimmerin  klären, ob sie vorzeitig aus den Schulden herauskommt. Die 44-Jährige konnte ihren Gläubigern bis zu diesem Tag ein Drittel ihrer Schulden – 40.000 Euro – zurückbezahlen. Genug Geld für die Gläubiger? Für sie tatsächlich die wohl wichtigste Entscheidung ihres Lebens! Der Richter verkündete es: Sandra Völker ist offiziell wieder schuldenfrei."Ich bin einfach froh einfach, dass diese Sache jetzt fertig ist – und dass wieder Ruhe einkehren kann."