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Nach Zwangsumzug: Warum Familie Ritter in der neuen Nachbarschaft schon für Ärger sorgt

Unter Protest und großen Sicherheitsvorkehrungen sind Karin Ritter und ihre gewaltbereiten Söhne vor einigen Tagen in eine Übergangsunterkunft in Köthen gebracht worden. So geht es mit den Ritters dort weiter.

Erst vergangene Woche war stern TV dabei, als Karin Ritter, ihre Enkelin Jasmin, die berüchtigten Ritter-Brüder und andere Bewohner der Obdachlosenunterkunft in der Köthener Augustenstraße Nummer 63 unter Begleitung von zahlreichen Polizeibeamten und Ordnungsamt in eine vorübergehende Bleibe in der Adolf-Kolping-Straße in Köthen gebracht wurden. Die Stadt Köthen hatte zudem auf eigene Kosten Umzugsunternehmen beauftragt. Ein enormer Aufwand für eine Familie, die seit Jahrzehnten immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Es ist ein Kreislauf aus Verwahrlosung, Rechtsextremismus, Drogen, Alkohol, Gewalt und auch Systemversagen. Denn: Die Entwicklung dieser Familie war bereits 1994 offenkundig abzusehen. stern TV berichtet seit mittlerweile 24 Jahren  über Karin Ritter und ihre gewaltbereiten Kinder - erst als Grundschüler, dann als straffällige Jugendliche. Inzwischen sind Norman, Christopher und Andy erwachsen. Alle drei haben bereits mehrere Gefängnisstrafen verbüßt. In ihrer Obdachlosenunterkunft in der Köthener Augustenstraße kam es im Laufe der Zeit zu Hunderten Polizeieinsätzen. Selbst überfällige Sanierungsarbeiten mussten abgebrochen werden, weil Norman und Christopher die Mitarbeiter der Baufirma bedroht hatten. Widerstand gegen die Staatsgewalt in besonders schwerem Fall, Körperverletzung, Diebstahl und Beleidigung: Mitte September wurden die Brüder erneut zu Haftstrafen verurteilt.

Nachbarn: "Wir haben Angst um unsere Kinder"

Damit die Sanierung der Sanitäranlagen in der Augustenstraße ohne Zwischenfälle beendet kann, mussten die Ritters ausziehen. Laut CDU-Stadtrat Georg Heeg gab es für ihre Zwischenunterbringung keine andere Option. "Dieses Gebäude gehört der stadteigenen Wohnungsgesellschaft, die es im kommenden Jahr grundsanieren will. Deswegen sind alle bisherigen Bewohner ausgezogen und die Stadt hat es beschlagnahmt für die Unterkunft der Obdachlosen. Es ist das einzige Gebäude in der Stadt, das leer und zur Verfügung steht für eine temporäre Zeit." Wenige Tage vor dem Einzug hatte das Haus in der Adolf-Kolping-Straße gebrannt, allerdings blieb dabei die Hausnummer 19, in der die Ritters wohnen sollen, unbeschädigt. Dennoch: Die Polizei schließt Brandstiftung nicht aus. 

In der neuen Nachbarschaft ist jedenfalls niemand erfreut über die gewaltbereite, berüchtigte Familie in der Nähe. Die Menschen haben Angst. Direkt gegenüber der neuen Ritter-Unterkunft befindet sich die Köthener Regenbogenschule – eine Grundschule. Viele Eltern machen sich deswegen Sorgen. "Angst habe ich wegen der Kinder, das muss man schon verstehen", erklärt uns einer der Väter. Eine Mutter weist darauf hin, dass ein großer Teil der Schüler ausländisch sei. "Die Kinder können nichts dafür. Und viele gehen auch alleine nach Hause." Aus ihren rechtsradikalen Ansichten haben die Ritters nie ein Geheimnis gemacht. Den meisten Nachbarn wäre es lieber, die Familie würde gar nicht mehr in Köthen leben. "Am besten sollen sie die irgendwo anders hinstecken, außerhalb von Köthen. Da können sie sich auch austoben."

Karin Ritter streitet Verantwortung ab

Nach drei Tagen in der neuen Unterkunft hat stern TV Karin Ritter und ihre Söhne dort aufgesucht. Verglichen mit der verwahrlosten Obdachlosenunterkunft in der Augustenstraße hat sich die Wohnsituation für alle enorm verbessert. Die Wohnung von Familienoberhaupt Karin Ritter hat eine kleine Küche mit Schränken, eine Loggia, ein Wohnzimmer, ein extra Zimmer für Enkeltochter Jasmin – und endlich auch ein richtiges Badezimmer mit Wanne. "Das Bad ist schön, aber kein Fenster drinne", so die 64-Jährige, der verschiedene Dinge nicht passen. Für sie am Schlimmsten: Auf der gleichen Etage haben Andy, Christopher und Norman die Wohnung direkt gegenüber bezogen. Laut Stadtrat Heeg soll schon einen Tag nach dem Einzug eine Tür eingetreten gewesen sein. Am Umzugstag habe Norman ebenfalls für Ärger gesorgt. "Der renitente Ritter-Sohn, der die Polizei und die Mitarbeiter vom Ordnungsamt angepöbelt hat, hat mich besonders entsetzt", so Heeg. "Norman hat sich ja nach Entleerung seiner Schnapsflasche einfach auf dem Parkplatz hingelegt und ist eingeschlafen."

Karin Ritter ist die Nähe zu ihren Söhnen nicht recht, sie fühlte sich selbst schon von ihnen bedroht. Immer wieder gab es auch unter den Familienmitgliedern Streit, Drohungen und Gewalt. "Wie sie klein waren, haben sie eine anständige Erziehung gehabt. Und was sie jetzt aus ihrem Leben gemacht haben, dafür kann ich doch nichts", meint die 64-Jährige.

Kommt der Rechts- und Sozialstaat in Fällen wie Familie Ritter an seine Grenzen? Und wie begründet die Stadt Köthen den Einsatz für die aggressive und verwahrloste Familie? Live bei stern TV sprach Steffen Hallaschka darüber mit Köthens CDU-Stadtrat Georg Heeg.

stern TV-Studiogespräch über Familie Ritter aus Köthen: Köthens Stadtrat Georg Heeg mit Steffen Hallaschka: "Wo sind