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Organspende: Seltene Transplantation schenkt "Ogi" ein neues Leben

Oguzhan "Ogi" Yavuztürk, ist einer von Hunderten Kindern und Jugendlichen, die auf neue Organe angewiesen sind. Ohne die Transplantation wäre der 17-Jährige nach Monaten des Wartens bald gestorben. Jetzt darf Ogi sein Leben neu beginnen.

Oguzhan Yavuztürk lebte zehn Monate im Herzzentrum Berlin und wartete darauf, passende Spenderorgane zu erhalten.

Oguzhan Yavuztürk lebte zehn Monate im Herzzentrum Berlin und wartete darauf, passende Spenderorgane zu erhalten.

Oguzhan Yavuztürk ist inzwischen 17 Jahre alt. Als er 2014 von seiner schweren Erkrankung erfuhr, waren seine Ausbildungspläne dahin. "Ich wollte mich mit 15 ausbilden lassen, deshalb war ich beim Körpercheck bei der Bundesagentur", erzählt Oguzhan. "Und da haben die Auffälligkeiten beim Herzrhythmus gehört und gesagt, ich soll mal zum Kinderkardiologen gehen."

Beim Kardiologen erfuhr der Teenager, dass er an einem angeborenen Herzfehler leidet und langfristig ein neues Herz und auch eine neue Lunge brauchen würde, um zu überleben. Von da an lebte er mit dem Gedanken, vielleicht nicht mehr erwachsen zu werden. Als Oguzhan vor gut einem Jahr in das Herzzentrum in Berlin eingeliefert wurde, galt es Geduld zu haben. Eine gleichzeitige Herz- und Lungen-Transplantation ist in Deutschland extrem selten. Im Vorjahr 2015 waren es gerade einmal zwei Patienten, bei denen diese Organe erfolgreich transplantiert wurden.
Oguzhan lebte wie viele andere Kinder und Jugendliche über Monate im Herzzentrum. Alle nennen ihn dort "Ogi"; er hat Freundschaften geschlossen - aber auch Freunde verloren. 

"Wie neugeboren"

Den Augenblick, als er erfuhr, dass für ihn tatsächlich ein Spenderherz und eine Spenderlunge bereitstehen, wird Ogi wohl nie vergessen. "Ich war wahrscheinlich der glücklichste Mensch der Welt", sagt der 17-Jährige jetzt. Ogi hatte fast 10 Monate im Deutschen Herzzentrum auf die lebensnotwendige Organspende gewartet. Geholfen hat ihm in dieser Zeit vor allem sein früherer Zimmernachbar Tobias, der gleichzeitig auf ein Herz und eine Lunge wartete. Die beiden entflohen dem tristen Klinikalltag so oft wie möglich gemeinsam und mittlerweile verbindet die sie eine innige Freundschaft. Dennoch erinnert sich auch der 34-jährige Tobias noch an die zermürbende Zeit in der Klinik: "Jeden Tag hat man gehofft: Vielleicht kommt heute ein Organspendeangebot", erzählt er. "Ich hatte so oft das Gefühl: Ich halte das nicht mehr aus im Krankenhaus, ich will nach Hause."

Eines Tages kam für Tobias die positive Nachricht. Die Operation dauerte 10 Stunden. Als er zwei Monate vor seinem Freund im vergangenen Oktober transplantiert wurde, schrieb Oguzahan stern TV eine SMS: Mein Freund Tobias wird gerade transplantiert. "Ich habe mich natürlich für ihn gefreut", sagte Ogi neidlos zu stern TV.

Tobias Schulze wurde vor drei Monaten aus dem Krankenhaus entlassen. Und auch Ogi hatte sechs Wochen nach seinem Freund Glück: Seit der Transplantation fühle er sich "wie neugeboren": "Die schnelle Müdigkeit, wenn ich mich angestrengt habe, ist weg. Und dass mein Herz schnell nachgibt oder ich umkippe, das habe ich heute nicht mehr", erzählt er.
Anfangs sei es ihm schwergefallen, die Leistungsfähigkeit seiner neuen Organe einzuschätzen: "Der Kopf ist noch nicht so weit, aber die Lunge schon. Wenn ich mal laufe, sag ich mir selber: 'Ich kann nicht mehr'. Dabei habe ich es mal getestet und bin einfach weiter gelaufen. Und ich konnte das Doppelte, hätte vielleicht sogar das Dreifache geschafft!"

Mittlerweile macht er durch die Reha große Fortschritte, kann regelmäßig mehrere Kilometer weit gehen – vorher undenkbar. Wie lange Ogi noch im Herzzentrum bleiben muss, weiß er noch nicht. Doch seit der Transplantation hat er nur einen Wunsch: Er will so schnell wie möglich nach Hause und sein neues Leben genießen. Tobias und Ogi haben durch ihre Herz-Lungentransplantation eine neue Chance bekommen. Tobias läuft teilweise schon Strecken von bis zu 5 Kilometern zu Fuß. Und Ogi arbeitet täglich in der Reha dafür, dass sein neues Leben beginnen kann. Als erstes wolle er den Führerschein machen, erzählt der 17-Jährige. "Und irgendwie unbedingt eine Deutschlandtour – mit Tobias. Ich war davor ein Jahr lang im Krankenhaus gefangen. Und eine solche Freiheit, wie jetzt, die hatte ich noch nie!"

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