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Fragen & Antworten

Soll ich Organspender werden?: Das sollten Sie über Organspende und Transplantationen vorher wissen

Organspenden können Leben retten. Viele Menschen sind aber unsicher: Werden mich Ärzte im Notfall trotzdem retten? Welche Organe werden entnommen? Wie werde ich Spender? Hier sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wird für Menschen mit Organspendeausweis im Notfall trotzdem alles getan, um ihr Leben zu retten?

Diese Frage bewegt jeden (potenziellen) Organspender. Ein Organspendeausweis hat aber nichts mit der intensivmedizinischen Versorgung eines Patienten im Notfall zu tun, erklärt die Deutsche Stiftung Organtransplantation, die die Organspende deutschlandweit koordiniert. Ziel aller medizinischen Maßnahmen sei immer, das Leben des von Unfall oder Erkrankung aktuell betroffenen Patienten zu retten. Nur wenn die ärztliche Hilfe zu spät komme und der Hirntod nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt worden sei, käme eine Organspende in Frage. Dafür muss eine ausdrückliche, schriftliche Einverständniserklärung des Verstorbenen vorliegen (Organspendeausweis) oder die Angehörigen müssen einer Entnahme zustimmen.

Was bedeutet Hirntod? Lebt man dann nicht doch noch?

Als Hirntod wird der Zustand der irreversibel erloschenen Funktionen des gesamten Gehirns bezeichnet. Großhirn, Kleinhirn und der Hirnstamm arbeiten nicht mehr. Die Körperfunktionen funktionieren nicht mehr selbständig und werden nur noch maschinell aufrechterhalten: Die Atmung wird über eine Beatmungsmaschine sichergestellt, die Herz- und Kreislauffunktion über Medikamente stabilisiert. Das Gehirn ist das übergeordnete Steuerorgan aller elementaren Lebensvorgänge im menschlichen Körper. Mit seinem Tod stirbt auch der Mensch in seiner Ganzheit.

Welche und wie viele Spenderorgane werden in Deutschland benötigt?

Rund 12.000 Menschen hoffen auf ein Spenderorgan, die meisten von ihnen auf eine Niere. Aber auch Leber, Herz und Lunge sowie die Bauchspeicheldrüse und der Dünndarm werden häufig transplantiert. Statistisch gesehen sterben täglich drei der auf ein Organ Wartenden, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten: Die Zahl der zur Verfügung stehenden Organe ist bis zu dreimal geringer als der Bedarf.

Was spricht gegen eine Organspende?

Gegen eine Organspende spricht objektiv eigentlich nichts - sie hat ausschließlich positive Aspekte: Sie rettet Leben! Man sollte sich aber vor dieser Entscheidung mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt haben und sicher sein, seine Organe nach dem eigenen Tod spenden zu wollen. Zweifelt man an seiner Entscheidung, kann man sich von seinem Hausarzt oder anderen öffentlichen Einrichtungen beraten lassen.

Wie groß ist der Bedarf an Organspendern in Deutschland insgesamt?

In Deutschland gibt es nach wie vor alarmierend wenig Spenderorgane für Todkranke. Seit Oktober 2012 sinkt die Zahl der gespendeten Organe zudem weiter. Grund seien die aufgedeckten Manipulationen in deutschen Transplantationszentren, so die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Organspende sei dadurch erheblich geschwächt. 2016 gab es deutschlandweit nur 857 Spender; 2012 waren es noch 1.046 Menschen, deren Organe kranken Patienten das Leben gerettet haben. Gemessen an der Anzahl der auf ein Organ Wartenden (ca. 12.000) ist Deutschland damit das absolute Schlusslicht im europäischen Ländervergleich.

Die Zahl der Organtransplantationen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit 2008 gesunken. Obwohl Kinder teilweise bevorzugt mit geeigneten Spenderorganen versorgt werden, fehlen Transplantate.

Warum gibt es so wenig Organspender?

In Deutschland gibt es zwar viele Menschen, die grundsätzlich zur Organspende bereit wären. Das Problem ist jedoch: Die meisten halten ihre Bereitschaft nicht schriftlich fest. Zu Lebzeiten möchte man sich nicht gerne mit den Tod auseinandersetzen. In vielen Fällen müssen schließlich die Angehörigen über eine Organentnahme entscheiden. Da sie die Einstellung des Verstorbenen oft nicht kennen, entscheiden sich die meisten aus Angst dagegen. Die Spendebereitschaft ist durch einen Organspendeskandal in Deutschland leider noch weiter zurückgegangen. Das ist vor allem für die Todkranken bitter, die auf ein Organ warten. Hinzu kommt: Als potenzielle Organspender kommen nur 1 Prozent der Verstorbenen in Frage - die, bei denen der Hirntod vor dem Herzstillstand eintritt.

Wie kann ich Organspender werden?

Wer seine Organe nach seinem Tod einem Lebenden spenden möchte, sollte seine Entscheidung Freunden und der Familie mitteilen. Noch besser ist es, das schriftlich festzuhalten. Tragen Sie einen Organspendeausweis bei sich. Bei Patienten mit Organspendeausweis werden die Angehörigen nicht mit einer Entscheidung darüber unnötig belastet. Der Wille des Verstorbenen hat Vorrang. Existiert keine schriftliche Einverständniserklärung, werden die behandelnden Ärzte auf die direkten Angehörigen zugehen und eine Entscheidung erbeten. Natürlich erst, wenn das Leben des Betroffenen nicht mehr gerettet werden konnte. Das hat absoluten Vorrang.

Welche Voraussetzungen muss ein Organspender mitbringen?

Wer Organspender werden möchte, muss sich nicht ärztlich untersuchen lassen. Ob die Organe für eine Transplantation geeignet sind, prüfen die behandelnden Ärzte erst, wenn zwei Ärzte unabhängig voneinander ausdrücklich den Hirntod festgestellt haben. Auch eine Altershöchstgrenze gibt es für die Organspende nicht. Ob ein Organ transplantiert werden kann, entscheiden medizinische Tests nach dem Tode des möglichen Spenders. Man muss aber mindestens 16 Jahre alt sein. Bereits mit 14 Jahren darf man einer Organentnahme aber ausdrücklich widersprechen. Eine Organentnahme wird nur dann grundsätzlich ausgeschlossen, wenn beim Verstorbenen eine akute Krebserkrankung oder ein positiver HIV-Befund vorliegen.

Was bedeutet die "Zustimmungsregel"?

In Deutschland gilt bei einer Organspende die Zustimmungsregel: Organe können nur dann entnommen werden, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten einer Orgenspende zugestimmt hat oder seine Angehörigen das im Todesfall für ihn tun. In vielen anderen europäischen Ländern gilt diese Regel nicht. Dort ist es umgekehrt: Gemäß der "Widerspruchregel" müssen die Bürger einer Organentnahme offiziell widersprechen. Tun sie das nicht, werden ihre Organe nach ihrem Tod automatisch zur Spende in Betracht gezogen. Derzeit wird auch in Deutschland überlegt, die "Widerspruchsregel" einzuführen, um mehr Menschen retten zu können.

Wie komme ich an einen Organspendeausweis?

Ein Organspendeausweis ist die schriftliche Einverständniserklärung, nach dem Tod seine Organe spenden zu wollen. Sie können diesen Wunsch entweder formlos auf einem Blatt Papier festhalten oder ein spezielles Ausweisformular nutzen, das Sie auch kostenlos in vielen Arztpraxen und Apotheken erhalten.

Kostenloser Download
Den offiziellen Organspendepass können Sie hier auf der offiziellen Seite zum Deutschen Organspendeausweis oder bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bestellen. Das Ausfüllen der Erklärung ist einfach. Eine Registrierung der Daten findet nicht statt. Wer einen Organspendeausweis besitzt, sollte diesen am besten im Portemonnaie aufbewahren – so kann er im Notfall sofort gefunden werden.

Wo finde ich weitere Informationen und Antworten, wenn ich mir bei dem Thema unsicher bin?

Ausführliche Informationen und viele weitere häufig gestellte Fragen zum Thema gibt es bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), die die Organspende deutschlandweit koordiniert: www.dso.de

Außerdem informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ausführlich über das Thema Organspende: www.organspende-info.de

Für individuelle Fragen zur Organspende hat die DSO außerdem ein kostenloses Infotelefon eingerichtet - es ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr unter der 0800 / 90 40 400 zu erreichen.