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Heirat nach Organtransplantation: Wie sich zwei Spenderherzen ineinander verliebten

Obwohl Daniel und Johanna Rosenkranz auf den ersten Blick ein ganz normales Paar sind, ist ihre Liebe doch ungewöhnlich: In ihrer Brust schlagen nämlich fremde Herzen. Sie haben nur dank Spenderherzen überlebt.

Johanna und Daniel Rosenkranz sind seit knapp einem Jahr verheiratet.

Johanna und Daniel Rosenkranz sind seit knapp einem Jahr verheiratet.

Johanna war schon als Kind schwer herzkrank, konnte nur drei Tage in der Woche zur Schule gehen. Als sie 17 Jahre alt war, setzten die Ärzte sie auf die Transplantationsliste. "Die Wahrscheinlichkeit, dass ich sterbe, war schon hoch. Es war wohl eher Fünf nach 12 als Fünf vor 12." Daniel war 14, als sich sein Herzmuskel wegen einer verschleppten Grippe entzündet hatte – und schließlich zum Herzstillstand führte. Der Teenager bekam ein künstliches Herz in Form einer Maschine, die er in einem Rollator vor sich herschieben musste. "Das waren vier Schläuche, die in meinem Körper waren und die Herzleistung ersetzt haben, bis ein Spenderorgan gefunden war", erzählt der heute 28-Jährige. Beiden konnte damals schließlich nur noch mit einer Herztransplantation geholfen werden.

"Wir sind wie 60-jährige Schwangere"

Als sich Daniel und Johanna vor fünf Jahren in Freiburg bei einem Treffen für junge Herztransplantierte kennenlernten, haben sich  ihre Spenderherzen quasi ineinander verliebt. Das klingt zu märchenhaft? Nicht, wenn man sich die Geschichte der beiden anhört. Johanna und Daniel ergänzen sich perfekt. Ihre Spenderherzen haben sie zusammengeführt. Herztransplantiert zu sein, bedeutet kein normales Leben mehr führen zu können. Das verbindet sie. Medikamente einnehmen gegen die Immunabwehr, große Anstrengungen vermeiden, Risiken abwägen – in dieser Beziehung gelten Einschränkungen für beide. Das junge Paar kann am Wochenende nicht einfach feiern gehen, sonst sind beide eine Woche krank. "Wir sind körperlich so alt wie 60-Jährige. Und wir müssen so vorsichtig sein wie Schwangere", sagt Daniel. Auch ihren Kater Paul dürften sie wegen Infektionsrisiko eigentlich gar nicht haben. "Man muss es halt abwägen", findet Johanna. "Länger leben und dafür keinen Spaß haben – oder halt ein bisschen kürzer leben und dafür eine höhere Lebensqualität!" Wenn beide fit sind,  geht das Paar sogar zum Tanzen. Allerdings sind Daniels Hüften und Gelenke wegen der Kortisoneinnahmen nicht mehr so gelenkig; bei Johanna ist das rechte Bein wegen einer Lähmung leicht versteift. Trotzdem reisen die beiden gerne, machen Städtetrips nach London oder Paris, fliegen in die Karibik. Ihre Hochzeitsreise ging nach Island. Die Ärzte geben ihnen dafür trotz der gewissen Besorgnis grünes Licht. "Wir wollen nicht auf alles verzichten, dann würden wir depressiv. Wir wollen auch als Transplantierte ein lebenswertes Leben."

Herzballons für Spender

Vor knapp einem Jahr haben Johanna und Daniel geheiratet. Als er vor dem Altar stand, habe sein Herz doppelt so schnell geschlagen, erinnert sich Daniel Rosenkranz. "Es war so 'Wow!'. Johanna sah so mega schön aus in ihrem Hochzeitskleid." Unter den Gästen waren auch die Ärzte, die ihnen die Herzen transplantiert hatten, sowie zahlreiche Schicksalsgenossen, die ebenfalls ein Spenderorgan haben. Als die Hochzeitsgesellschaft nach der Trauung Herz-Ballons in die Luft aufsteigen ließ, hingen daran Organspende-Ausweise. Daniels Gedanken sind oft bei den Angehörigen seines Herz-Spenders. Er wisse, wie viel er ihnen zu verdanken hat. Deshalb versuche er ein gutes und glückliches Leben zu leben: "Ich frage mich manchmal, ob sie auch manchmal daran denken, was aus den Leuten geworden ist, die das Organ von ihrem Angehörigen gekriegt haben. Und dass ich vielleicht ein Stück weit ihre Hoffnung erfülle, die sie damals hatten, als sie die Organe freigegeben haben."

Ein hält nicht ewig. Die Mediziner gehen von durchschnittlich 10 bis 20 Jahren aus. Bei Daniel schlägt das transplantierte Herz bereits seit 11 Jahren in seiner Brust. Für ihn sei es eine Herausforderung, vielleicht einen neuen Rekord aufzustellen und möglichst 40 Jahre damit zu leben. Der aktuelle Zustand macht  die Ärzte zufrieden – und prophezeit Johanna und Daniel Rosenkanz noch eine gute und lange gemeinsame Zeit, glaubt . "Man kann noch nicht einmal sehen und feststellen, dass das ein neues Herz ist. Es ist da, es schlägt  - genau so,  wie es schlagen soll."