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Ortung per Snap Map: Neue Funktion von "Snapchat" gibt Grund zur Sorge

Seit Kurzem hat der Messenger Snapchat eine neue Funktion. Mit Snap Map können Nutzer ihren Freunden mitteilen, wo sie eine Aufnahme gemacht haben. Doch das Tool hat einen Haken, der Eltern Sorge bereiten sollte.

Die Kids und Teenager nutzen den Messenger nahezu rund um die Uhr, mit rund neun Millionen Nutzern allein in Deutschland gehört Snapchat zu den beliebtesten Apps auf dem Smartphone. Und der Anbieter ist bemüht, seine User mit immer neuen Funktionen bei der Stange zu halten. Doch nach der Einführung der neuen Snapchat-Funktion zur Standortbestimmung – der sogenannten Snap Map - schlugen Datenschützer Alarm. Die App öffne Stalkern Tür und Tor, hieß es. Denn: Mit der Snap Map können die Nutzer nicht nur den Standort ihrer neuesten Aufnahme mitteilen, der eigene Standort wird immer angezeigt, sobald die App genutzt wird. "Meine Position wird permanent aktualisiert, solange die App aktiv ist", erklärt IT-Sicherheitsexperte Tobias Schrödel. "Damit ist quasi eine Dauerüberwachung möglich." Wo man auch ist und die App gerade nutzt, erscheint der eigene Bitmoji-Avatar mit einem Pin auf der Karte. Andere Nutzer können durch Heranzoomen so auf wenige Meter genau sehen, wo man gerade ist. Das birgt gerade für die jüngeren Nutzer Gefahren, meint Tobias Schrödel: "Die Funktion sieht so hübsch aus und ist wirklich toll gezeichnet, dass man Freude daran hat. Aber man dabei auch viel leichter, dass das Ganze auch Gefahren birgt. Denn nicht nur meine Freunde wissen somit, mit wem ich mich treffe, wann und wo. Das sind Sachen, die man eigentlich nicht jedem erzählen muss."

Snap Map zeigt das Ausmaß der Überwachungsmöglichkeiten von Apps

Seit wenigen Tagen verfügbar, haben die meisten Snapchatter die Funktion bereits genutzt. Die 16-jährige Emily gehört dazu. Sie schickt schon seit vier Jahren täglich Fotos und Videos aus ihrem Leben über die App an ihre immerhin über 200 Freunde. "Ich finde das ziemlich cool: Man kann immer sehen, wo seine Freunde sind, ob sie zu Hause sind oder was die gerade machen. Ich habe das auch aktiviert, dass meine Freunde mich sehen können."

Genau das sei aber auch das Problem, so Schrödel. Diese neue Funktion führe klar vor Augen, was die sozialen Netzwerke und Apps alles über uns wissen und aufzeichnen. So könnten einige Apps wie Snapchat beispielsweise auch darstellen, ob man gerade Musik höre, im Auto unterwegs sei oder Sport treibe – je nachdem, was man mit seinem Smartphone gerade sonst noch macht. Das sei doch bedenklich, sagt der IT-Sicherheitsexperte. Auch viele Eltern sehen die neue Funktion kritisch: "Ich glaube, dass die meisten Kids die Tragweite dieser Funktion gar nicht erkennen. Meistens realisieren sie es erst, wenn es dann zu spät ist. Ich finde es gar nicht gut. Man muss nicht gleich an Kidnapping denken, aber es kann viel passieren", sagt etwa die Mutter der 16-jährigen Cathi.

Tobias Schrödel erklärt, wie man Einschränkungen vornehmen kann: "Bei Snap Map gibt es drei Einstellungsmöglichkeiten: Ich kann einmal sichtbar für alle meine Freunde sein. Die wissen dann immer, wo ich bin. Oder ich schalte es nur für eine gezielte Auswahl frei. Etwa den engsten Freundeskreis. Die Liste muss ich dann aber regelmäßig pflegen. Die dritte Möglichkeit ist der sogenannte Ghost Modus. Dann bin ich unsichtbar, quasi ein Geist. Und trotzdem kann ich alle meine Freunde auf der Karte sehen, die diese Funktion nutzen."

Deaktivieren und Einschränken von Snap Map

Wer die Snap Map herunterlädt und aktiviert, wird durch einen Einrichtungsassistenten geführt. Der ist recht unterhaltsam, so dass kaum jemand Einstellungen vornimmt. Achten Sie darauf, schon jetzt festzulegen, wer Ihre Aufnahme- und Aufenthaltsorte sehen darf. Es gibt drei Möglichkeiten:

1)    alle Freunde

2)    ausgewählte Freunde

3)    Ghost Mode (nur ich)

Alle, denen es erlaubt ist, können dann aber nicht nur sehen, wo ein Snap gemacht und gepostet wurde, sondern eben auch, wann und wo Sie sich aufhalten, sobald die App aktiv ist. Etwa, wenn Sie sich gerade nur etwas ansehen wollen. In Echtzeit. Im “Ghost Mode” kann das niemand sehen: die sicherste Option. Er lässt Ihren Avatar aus allen Karten raus.

Natürlich kennt Snapchat auch weiterhin Ihren Standort, das ist der App immanent. Sie können das aber ebenfalls abschalten, indem Sie Ihre Standortdaten ganz ausschalten. Dazu in den Einstellungen des Handys die App auswählen, auf "Standort" klicken und "Nie" wählen.
Falls Sie Ihre Einstellung im Nachhinein ändern möchten: Öffnen Sie die Snap Map und klicken Sie oben rechts auf "Einstellungen". Dort können Sie erneut auswählen, wer sie künftig verfolgen darf.