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Knochenjob Krankenschwester: So erlebte Sängerin Patricia Kelly ihre Arbeit auf der Kinderkrebsstation

Für stern TV hilft Sängerin Patricia Kelly zwei Tage als Kinderkrankenschwester im Essener Universitätsklinikum. Der vierte Knochenjob, den ein Promi für uns kennenlernt. Kelly geht dabei aber nicht nur die harte Arbeit an die Substanz.

Patricia Kelly findet schnell Zugang zu den kleinen Patienten.

Patricia Kelly findet schnell Zugang zu den kleinen Patienten.

Sängerin Patricia Kelly ist auf der ganzen Welt bekannt. Als eine der Töchter der berühmten "Kelly Family" verkaufte sie mit ihrer Familie rund 20 Millionen Tonträger. Inzwischen macht sie neben dem Kelly-Comeback und zahlreichen Konzerten mit ihren Geschwistern auch solo Karriere. Und sie engagiert sich in verschiedenen Charity-Projekten. Patricia Kelly war gerade 13 Jahre alt, als ihre Mutter an Brustkrebst starb. 2010 erkrankte die damals 40-Jährige selbst an Brustkrebs – und besiegte ihn, indem sie sich die rechte Brust abnehmen ließ.

Krankheit und Tod – jeder Mensch fürchtet sich davor. Trotzdem hat sich Patricia Kelly bereit erklärt, als Kinderkrankenschwester auf einer Kinderkrebsstation zu arbeiten: In der Essener Universitätsklinik begleitete die 49-Jährige zwei Tage lang die Kinderkrankenschwester Heidi Sprandel (40). Patricia Kelly lernte nicht nur den Knochenjob Krankenpflegerin kennen, sondern auch die jungen Patienten und ihre Schicksale, die sie sehr berührten: "Man ist keine Maschine, das geht mir sehr nah", so Kelly.

Blutdruck messen und ein bisschen singen

Frühschicht auf der Kinderstation der Universitätsklinik bedeutet: Dienstbeginn um 6:30 Uhr. An diesen Tagen auch für Patricia Kelly. Für lange Einführungsgespräche ist kaum Zeit. Blutdruck messen, Blut abnehmen, Chemotherapie verabreichen, Medikamente geben, Magensonden, OP-Vorbereitungen, Körperpflege – all das gehört zu den täglichen Aufgaben von Heidi Sprandel und den anderen Schwestern. Was sie trotz Hektik dennoch brauchen, ist Geduld für die kleinen Patienten. Sich für sie interessieren, ihnen Mut machen. Patricia Kelly macht das mit ihrer Gitarre.

Als erstes lernt die Sängerin Aliyah kennen, die Dauergast in der Kinderklinik ist und seit drei Tagen wieder akut wegen eines Infekts behandelt werden muss. Die Sechsjährige hat von Geburt an Mukoviszidose, eine unheilbare Lungenerkrankung. Aliyah wird wohl kaum älter als 40 Jahre. Particia Kelly trifft in den zwei Tagen auch auf Alisha, die wegen eines schweren Gendefekts stark zurückgeblieben ist.  Das kleine Mädchen muss immer wieder ins Krankenhaus, diesmal wegen eines Atemwegsinfekts. Alisha und ihre kleine Schwester fassen sofort Vertrauen zu der Sängerin, die sich für die Kinder Zeit nimmt. "Blutdruck messen und ein bisschen singen", beschreibt Patricia Kelly ihre Unterstützung der Kinderkrankenschwestern an diesem Tag.

Doch die Arbeit von Heidi Sprandel und Schwesternschülerin Kelly wird immer wieder durch die Notruf-Klingel unterbrochen. Stress und Hektik machen auch vor einer Kinderkrankenstation nicht Halt. "Wenn ich das so sehe, sind das alles große Helden hier. Das ist nicht leicht", so Kelly. "Krankenschwestern kommen alle in den Himmel." Als Lohn für ihren Einsatz wäre das allerdings zu wenig. Viel Arbeit, große Verantwortung, wenig Bezahlung – es ist in jedem Pflegeberuf dasselbe. Eine ausgelernte Kinderkrankenschwester bekommt maximal 2.700 Euro brutto. "Ein Beruf mit so viel Verantwortung sollte meiner Meinung nach besser vergütet werden", sagt Heidi Sprandel. "Die Bezahlung ist für mich aber nicht die Motivation, sondern die Patienten, mit denen man sich verbunden fühlt. Doch man kann nicht jedes Kind und jedes Schicksal mitnehmen, sonst macht einen das kaputt."

Zwischen Anfangs- und Endphase ist Hoffnung

Patricia Kelly haben die Schicksale der Kinder tief berührt, sagt sie. Und sie musste feststellen, wie sehr selbst erfahrene Krankenschwestern wie Heidi Sprandel unter der emotionalen Belastung leiden und trotzdem immer funktionieren müssen. Der elfjährige Emil ist an Leukämie erkrankt. Als Patricia Kelly ihn an jenem Tag kennenlernt, ist er schon zum zweiten Mal in der Klinik. Vor zwei Jahren hatte er die Krankheit eigentlich besiegt, doch der Krebs kam zurück. "Diese halbe Stunde war so schwer für mich, das ist mir sehr nahe gekommen." Heidi Sprandel arbeitet schon seit 21 Jahren in dem Beruf. Sie weiß, "das gehört zum Job, man blendet das ein bisschen aus. Am schwierigsten sind Anfangs- und Endphasen. In der Mitte sind sie voller Hoffnung, das strahlen sie dann auch aus." Am Wochenende sei wieder ein Kind gestorben, erzählt die Krankenschwester. Dafür sei das große Holzschiff auf der Station, dort würde jeder Name eines verstorbenen Kindes verewigt.

Die Schwestern müssen damit immer wieder fertig werden, insbesondere der auf der Kinderkrebsstation der Klinik sei das fast Alltag. Sie seien aber ein gutes Team, würden sich damit gegenseitig viel helfen, sagt Heidi Sprandel. Sie hätte gerne eine Krankenschwester mehr auf ihrer Station am Uniklinikum. Damit mehr Zeit für Gespräche bleibt. Und auch zum Spielen. Bei stern TV sprach sie darüber, wie problematisch der Pflegenotstand vor allem bei der Betreuung von kranken Kindern ist. Im Gespräch mit Steffen Hallaschka und Patricia Kelly dazu ebenfalls: Linken-Politiker Gregor Gysi – mit interessanten Vorschlägen für die Politik.

Studiogespräch vom 15.08.2018: Patricia Kelly über Klinikeinsatz: "Ich habe noch Tage später an die Patienten gedacht"