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Plexus Parese: Geburtsschäden - die unterschätzte Gefahr

Der kleine Leon ist eine extrem schwere Geburt. Das Baby steckt im Geburtskanal fest und droht zu ersticken, doch für einen Kaiserschnitt ist es zu spät: Leon wird mit einem gelähmten Arm geboren. stern TV über Geburtsschäden - und wie man sie rechtzeitig erkennt.

Plexus Parese heißt der Fachbegriff für das, was nicht nur dem kleinen Leon passierte: Das Kind bleibt im Geburtskanal stecken, die Geburtshelfer müssen es mit Gewalt heraus ziehen und dabei gerät ein Nervenknoten in Mitleidenschaft: Der Plexus brachialis, ein Nervenstrang, der unter dem Schlüsselbein sitzt, wird verletzt. Die Folge: Der ganze Arm kann nach der Geburt gelähmt sein.

Dramatische Fehldiagnose

Im Fall von Leon kam es jedoch zu einer beinahe folgenschweren Fehldiagnose: Die Ärzte glaubten, das Kind habe sich bei der Geburt das Schlüsselbein gebrochen und würde deswegen den Arm schonen. Nach ein paar Monaten würde sich schon Besserung einstellen. Doch der Arm blieb gelähmt.

Erst als sich Dagmar und Marc Koch, die Eltern des Kleinen, an den Aachener Chirurgen Dr. Michael Becker wandten, bekamen sie Klarheit: Becker entschied, dass sofort operiert werden müsse.

stern TV war dabei, als die Ärzte die komplizierte Nerventransplantation wagten: In einer über achtstündigen Operation wurden Leon zwei periphere Gefühlsnerven aus den Unterschenkeln entnommen. Diese sind in 12 etwa einen Zentimeter lange Fasern aufgeteilt. Danach wurden sie an die Stelle unter dem Schlüsselbein implantiert, wo vorher die Quetschung bei der Geburt die Nervenlähmung verursacht hatte.

Leon lernt zu greifen

Leon bekommt seit der OP dreimal in der Woche Krankengymnastik - eine wichtige Unterstützung für das Wachstum der Nervenbahnen. Mittlerweile kann er mit der rechten Hand schon kleine Murmeln greifen. Die Feinmotorik wird sich in den kommenden Jahren noch verbessern.

Grundsätzlich gilt: Je früher die Kinder operiert werden, desto größer sind die Chancen, dass die Schädigung komplett ausheilt.