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Nach dramatischem Poolunfall: So beherzt rettete dieser Neunjährige seinem Bruder das Leben

Rudi war erst zwei Jahre alt, als er unbemerkt in den Familienpool fiel und fast ertrank. Doch sein neunjähriger Bruder bewahrte die Ruhe. Mit der telefonischen Unterstützung eines Sanitäters holte er den kleinen Rudi zurück ins Leben. 

Lebensretter: Vor knapp zwei Jahren rettete der neunjährige Markus Rud seinem damals zweijährigen Bruder das Leben, indem er ihn wiederbelebte.

Lebensretter: Vor knapp zwei Jahren rettete der neunjährige Markus Rud seinem damals zweijährigen Bruder das Leben, indem er ihn wiederbelebte.

Dass der dreijährige Rudi  noch lebt und gesund ist, verdankt er seinem großen Bruder Markus. "Es ist ein schönes Gefühl. Ich bin froh, dass er noch hier ist", sagt Markus. "Und zum Glück ist er normal, wie er früher war." Denn das ist nicht selbstverständlich. Rudi wäre vor zwei Jahren im September beinahe ertrunken. Die beiden Kinder waren damals mit der Oma alleine zu Hause. Als die Rentnerin für einen kurzen Moment das Spielzimmer verließ, um für Rudi eine neue Windel zu holen, büxte der Kleine unbemerkt in den Garten aus, wo sich eine Tragödie ereignete, während Markus und seine Oma noch nach dem Jungen suchten. Rudi war mit seinem Kuscheltier in den 1,50 Meter tiefen Pool gefallen. Als sein Bruder und die Oma den Jungen fanden, trieb der Zweijährige bewusstlos im Wasser. "Ich habe ihn rausgezogen und ins Haus getragen. Aber er war schon wie tot", erzählt die Oma.

Mit Anleitung ins Leben zurückgeholt

Der damals neunjährige Markus wusste zum Glück sofort, was zu tun war:  Er griff zum Telefon und wählte die 112. Am anderen Ende der Leitung war Michael Seebold, der gleich merkte, dass es um Leben und Tod ging. "Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes wäre es zu lange gewesen", erinnert sich der Sanitäter. "Und so haben wir es mit der telefonischen Reanimation probiert." Schritt für Schritt leitete Seebold den Grundschüler an: Rudi auf die Seite drehen, ihn wieder auf den Rücken legen, den Zweijährigen beatmen – Markus befolgte genau, was Michael Seebold ihm am Telefon erklärte. Jede Sekunde zählte.

Als die Rettungskräfte schließlich eintrafen, hatte Markus seinen kleinen Bruder bereits ins Leben zurückgeholt, er atmete wieder. Doch welche Folgen würde die lange Leblosigkeit haben? Das war zu jenem Zeitpunkt noch völlig unklar. Ein Helikopter brachte den Jungen in die Marburger Universitätsklinik, wo er in der Intensivstation behandelt wurde. "Ich war in einem Schockzustand", erzählt die Mutter der Jungen Olga Rud. "Ich dachte nur: Es wird alles gut, es wird alles gut." Rudis Zustand aber war kritisch, es könnten schwere Hirnschädigungen aufgetreten sein. "Der Arzt hat uns gegenüber angedeutet, dass der Rudi zwar wach wird, aber uns nicht erkennen könnte." Doch es kam anders: Nach dem Erwachen streckte der Zweijährige gleich die Arme nach seiner Mutter aus. Rudi hat unglaubliches Glück gehabt!

Auszeichnung als "Lebensretter 2016"

Was Rudi zugestoßen ist, ist leider keine Seltenheit: Im gleichen Jahr 2016 sind allein in Deutschland 16 Kinder zwischen 0 und 5 Jahren ertrunken – noch einmal fünf mehr als 2015. Rudi hatte einen Schutzengel und einen Lebensretter – seinen großen Bruder. "Markus hat Großartiges geleistet", sagt Sanitäter Michael Seebold. "Ohne sein Dazutun wäre die Geschichte anders ausgegangen. Und die Schäden, die Rudi davongetragen hätte, wären immens gewesen." Seebold und Markus wurden sogar offiziell als "Lebensretter 2016" ausgezeichnet. "ich bin wahnsinnig stolz auf ihn", sagt Olga Rud. Und noch viel besser: Rudi hat keine Angst vor dem Wasser zurückbehalten. Inzwischen bekommt er sogar Schwimmunterricht und tobt mit seinem großen Bruder im Schwimmbad. Der Pool im Garten wurde indes zugeschüttet. Dafür haben die Jungen jetzt einen riesigen Sandkasten bekommen.

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