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Protest durch Kündigung: Warum diese Leiterin einer Berliner Grundschule endgültig das Handtuch wirft

Und wieder einmal steht eine Brennpunktschule, die eine klare Führung am nötigsten hätte, ohne Leitung da. Sie habe sich von der Politik im Stich gelassen gefühlt, sagt Doris Unzeitig und zeigt damit wieder das Ausmaß unserer Bildungsmisere an.

Doris Unzeitig war fünf Jahre lang Schulleiterin der Spreewald-Grundschule in Berlin Schöneberg.

Doris Unzeitig war fünf Jahre lang Schulleiterin der Spreewald-Grundschule in Berlin Schöneberg.

Wieder einmal steht eine Brennpunktschule, die eine klare Führung am nötigsten hätte, ohne Leitung da. An der Spreewald-Grundschule in Berlin Schöneberg wird die Bildungsmisere mehr als sichtbar. "Ich gehe schweren Herzens. Aber ich sehe auch keine andere Möglichkeit mehr", erklärt Doris Unzeitig. Schuljahr für Schuljahr habe sie darum gerungen, die offenen Stellen mit qualifizierten Lehrern zu besetzen – nahezu chancenlos. Räumlichkeiten für ein Mittagessen für die Grundschüler oder ein beantragter Schutzzaun um die Schule würden nicht genehmigt oder umgesetzt. Nun habe sich im Sommer auch noch die Drogenszene von einem anderen Berliner Park auf den Schulhof der Spreewaldschule verlagert, so die Schulleiterin. Das habe sie letztlich zu ihrem Entschluss geführt.

Marode Schulgebäude, Gewalt untereinander und Respektlosigkeiten der Schüler gegenüber den Lehrkräften, ein hoher Ausländeranteil, gravierende soziale Probleme und ein andauernder Lehrermangel – all das hatte an der Schöneberger Spreewald-Grundschule dazu geführt, dass kaum ein Schulleiter bisher länger blieb, als Doris Unzeitig. Die 48-Jährige hatte sich fünf Jahre lang um Verbesserungen an ihrer Schule bemüht, hatte zuletzt sogar eigens einen Wachschutz für die Schule beauftragt. Doch immer wieder habe sie sich als Schulleiterin von der Politik vollkommen im Stich gelassen gefühlt, sagt sie. "Die notwendigen Maßnahmen waren einfach nicht durchzuführen ohne Unterstützung von Seiten des Schulträgers und der Verwaltung. Andere Schulleiter mögen vielleicht die Augen verschließen oder sich wegducken. Aber ich sehe das als meine Aufgabe, denn ich bin Pädagogin und die Kinder liegen mir am Herzen", so Unzeitig im Gespräch mit stern TV. Also bliebe ihr nur die Kündigung – und damit ein klares Zeichen. 

Bereits im Mai hatte stern TV darüber berichtet, dass immer mehr Schulleiter ob der Zustände an den Schulen Alarm schlagen. Bundesweit fehlen tausende Lehrer, vor allem an Grundschulen. Der kurzfristige Weggang von Doris Unzeitig an eine österreichische Schule sorgte am Montag, dem ersten Schultag nach den Sommerferien, für einigen Wirbel unter Schülern und Eltern. Wie Doris Unzeitig ihren harten Entschluss erklärt und wie die Berliner Bildungspolitik nun darauf reagiert, darüber sprach die Schulleiterin live in der Sendung mit Steffen Hallaschka:

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