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Fragen & Antworten

Rassen, Gesetze, Auflagen, Wesenstest: Diese Regeln gelten bei der Haltung von "Kampfhunden" in Deutschland

Jedes Jahr kommt es in Deutschland zu drei bis vier tödlichen Zwischenfällen durch Hundeattacken. Einige Rassen, die unter dem Begriff "Kampfhunde" zusammengefasst werden, gelten als besonders aggressiv. Für diese und einige andere Hunderassen gelten besondere Vorschriften. Diese Dinge lohnen sich zu wissen.

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Was sind "Kampfhunde" überhaupt?

Hunderassen, die umgangssprachlich unter "Kampfhunde" zusammengefasst werden, sind Tiere bestimmter Rassen. Sie sind Weiterzüchtungen früherer Rassen, die tatsächlich in Hundekämpfen eingesetzt wurden. Im 18. und 19. Jahrhundert waren Tierkämpfe, insbesondere von Hunden, sehr verbreitet: Die kämpften in Arenen gegen andere Hunde, aber auch gegen Wölfe, Dachse, Wildschweine, Bären oder Bullen. Um die Kämpfe blutiger und damit interessanter für die Zuschauer zu gestalten, sollen dazu Bulldoggen mit Terriern gekreuzt worden sein. Das Ergebnis waren körperlich starke und bisskräftige Hunde, schmerzunempfindlich und widerstandsfähig. Allerdings sollen sie gegenüber ihren Besitzern auch sehr beherrscht gewesen sein.

Hundekämpfe sind seit Anfang des 20. Jahrhunderts in europäischen Ländern weitestgehend verboten. Die " "-Rassen wurden indes weiter gezüchtet.

Wie ist die Gesetzeslage zu diesen als "Kampfhunde" bezeichneten Rassen?

Bestimmte Hunderassen dürfen nicht nach eingeführt oder hier ungemeldet verkauft werden. Das regelt das Hundeverbringungs- und Hundeeinfuhrbeschränkungsgesetz (kurz HundVerbrEinfG). Das betrifft folgende Hunde: Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffoprdshire-Bullterrier, Bullterrier sowie deren Kreuzungen untereinander. Auf Landesebene gibt es zudem "Rasselisten" mit potenziell als gefährlich eingestuften Hunderassen. Diese Listen schränken die Haltung bestimmter Hunde ein. Ein "Listenhund" kann jedoch von bestimmten Haltungsvoraussetzungen befreit werden, sofern er einen Wesenstest besteht.

Die Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen (seit Februar 2018) verzichten auf eine solche Rasseliste. "Solche Listen gaukeln eine falsche Sicherheit vor", sagt Barbara Schöning, Fachtierärztin für Verhaltenskunde und Tierschutz in Hamburg. Schließlich können auch Hunde anderer Rassen aggressiv werden. "Die in den 2000er-Jahren eingeführten 'Rasselisten' haben sich als wenig sinnvoll erwiesen: Die Zahl der jährlichen tödlichen Zwischenfälle mit Hunden von den 1960ern bis heute ist zum Beispiel weitgehend konstant." Durchschnittlich kommt es zu drei bis vier Todesfällen durch pro Jahr.

Warum sind die o.g. Rassen in Deutschland verboten oder gelten als Listenhunde?

Im kriminellen Milieu sind Hunde dieser Rassen, deren aggressive Seite besonders gefördert wurde, weiterhin ein beliebtes Statussymbol – manchmal auch als Waffe. Als Anfang 2000 zwei Kampfhunde in Hamburg den sechsjährigen Volkan auf dem Schulhof zu Tode gebissen hatten, reagierten die Bundesländer mit strengen Gesetzen.

In Landeshundegesetzen und auf entsprechenden Listen wurde festgehalten, welche Regeln für die Haltung dieser Tiere jeweils gelten. Experten, die mit diesen Hunden zu tun haben, bemängeln, dass diese Einstufungen bestimmter Rassen damals vorschnell passiert seien. Einige Bundesländer haben die Rasselisten wieder abgeschafft und durch die Meldepflicht von "Aggressionshunden" ersetzt. Das heißt: Ein Hund, der durch Aggressionen aufgefallen ist, muss überprüft werden.

Sind diese so genannten "Kampfhunde" denn nachweislich aggressiver und gefährlicher als andere?

Aggressives Verhalten kann angezüchtet werden – im Sinne eines gesteigerten Angriffs- und Kampfverhaltens. Diese Erbanlagen können sich ungünstig auswirken, wenn weitere Faktoren wie eine falsche oder Haltung hinzukommen. Und natürlich können Hunde ab einer bestimmten Größe und mit einem kräftigen Biss Artgenossen und auch Menschen verletzen.

Was die Eigenschaften bestimmter Rassen angeht, gibt es verschiedene, sich auch gegenseitig widersprechende Studien zu dieser Fragestellung. Aggressivität ist bei Hunden allerdings nicht angeboren. Wie die meisten hündischen Verhaltensweisen ist beispielsweise "Bissigkeit" ein Ergebnis von genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen, also Erziehung und Haltung. Ein neuer Ansatz des amerikanischen Wissenschaftlers Evan MacLean (Arizona) geht der Frage nach, ob vielleicht auch Hormone – wie bei Menschen – Einfluss auf das Verhalten haben könnten.

Warum fallen Angriffe bestimmter Hunde meist tödlich aus?

Besonders bei großen und muskulösen Hunden sind die Kraft und das Beißwerkzeug deutlich gefährlicher, als bei kleineren Hunderassen. Unter Fachleuten ist unbestritten, dass insbesondere einige Terrier-Rassen über eine ausgeprägt Gebissstärke verfügen, da sie zur Jagd gezüchtet wurden. Zudem gibt es einen Unterschied zwischen Hunden, die bei einem Angriff oder Verteidigung einmal kräftig zubeißen und festhalten – und solchen, die den
Angriff mehrfach wiederholen, so dass es zu mehreren Bissverletzungen kommt (typisch für Schäferhund). Mehrfache Beißattacken führen bei Menschen zu schweren Verletzungen.
Die "Kampfhunderassen" packen in der Regel nur einmal zu, allerdings mit einer besonderen Kraft. Je nach Körperstelle (Hals, Gesicht, Kopf) kann ein solcher Biss ebenfalls verheerende Folgen haben.

Wie kommen die Hundebesitzer in Deutschland überhaupt an verbotene Hunde oder "Listenhunde"?

In der Regel stammen die Hunde der in Deutschland bzw. in einigen Bundesländern verbotenen Rassen aus dem Tierschutz, wo sie nach einer Beschlagnahmung gelandet sind. Von dort können sie unter bestimmten Voraussetzungen in sachkundige private Hände abgegeben werden. Wer einen solchen Hund besitzt, benötigt eine amtliche Erlaubnis. Allerdings werden Hunde der verbotenen Rassen immer wieder auch illegal gezüchtet oder aus dem Ausland geschmuggelt. Sofern ein Verbot besteht, muss der Besitzer seinen Hund dem örtlichen Veterinäramt oder Ordnungsamt melden. Wer sich nicht daran hält, kann mit bis zu 10.000 Euro bestraft werden.

Die so genannten "Listenhunde" hingegen dürfen in Deutschland gezüchtet, erworben und gehalten werden. Jedoch unter Auflagen für die Halter. Auch hierbei muss das örtliche Amt informiert werden.

Welche Haltungsvoraussetzungen braucht man?

In den meisten deutschen Bundesländern unterliegt die Haltung von Listenhunden strengen Auflagen: Der Halter braucht ein "sauberes" polizeiliches Führungszeugnis, einen Sachkundenachweis vom Veterinäramt (ob man geeignet ist, einen solchen Hund zu erziehen und zu halten). Hinzu kommen erhöhte Steuern und eine Haftpflichtversicherung, für die es einen Versicherer zu finden gilt.

Der Deutsche Tierschutzbund e.V. hat hier eine Übersicht über die jeweiligen Gefahrenhunde-Verordnungen der Bundesländer erstellt (Stand: August 2017).

Darin sind beispielsweise auch Leinenzwang, Maulkorbverordnung und andere Auflagen geregelt. Bei Nichteinhaltung drohen Bußgelder von bis zu 10.000 Euro.

Müssen Hundebesitzer einen Eignungstest oder "Hundeführerschein" für bestimmte Rassehunde machen?

Der Hundeführerschein ist ein Befähigungsnachweis für den Halter, der in einer Prüfung zeigen muss, dass er mit dem Hund in allen möglichen Alltagssituationen zurecht kommt (Gehorsamkeit). In einigen Bundesländern ist er für bestimmte Hunderassen Pflicht, ebenso wie ein Sachkundenachweis, der in einer Theorieprüfung besteht. Viele Hundeexperten fordern solche Nachweise grundsätzlich für Hundehalter, wie etwa die Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin und -therapie: "Der Halter muss entsprechend sachkundig sein, ganz gleich, ob es sich um einen Dackel oder einen Deutschen Schäferhund handelt", meint Barbara Schöning. "Das dient letztendlich nicht nur dem Schutz vor Zwischenfällen, sondern auch dem Schutz der Tiere."

Was ist ein Wesenstest?

Beim Wesenstest geht es um den jeweiligen Hund selbst. Dabei werden Wesen, Charakter und Verhalten des Hundes individuell überprüft. Je nach Bundesland sind Hunde verschiedener Rassen (Listenhunde / Hunde, die durch aggressives Verhalten aufgefallen sind) dazu verpflichtet, mancherorts muss der Test regelmäßig wiederholt werden. Es geht vor allem darum, ob ein Hund zu Angst- oder Territorialaggressionen neigt. Es wird beispielsweise geprüft, wie die Toleranz bei Begegnungen mit Artgenossen, anderen Menschen, Unbekanntem ist – oder wie der Hund mit Krach und Lärm umgeht.

Der Wesenstest muss von einem erfahrenen Hundetrainer bzw. -gutachter durchgeführt werden, der anschließend idealerweise eine Unbedenklichkeitserklärung (das sog. Negativgutachten) ausstellen kann. Besteht ein Tier diesen Wesenstest nicht, bestimmt der zuständige Amtsveterinär, ob der Hund trainiert bzw. "therapiert" werden kann oder ob er sogar beschlagnahmt werden muss.