HOME

Schneller lesen: Die Tricks und Methoden der Lese-Trainer

Es gibt Menschen, die einen 300 Seiten starken Roman in einer Stunde lesen können. Und die anschließend sogar besser wissen, was drin steht, als jeder "normale" Leser. stern TV über Schnellleser, ihre Tricks und Techniken.

Edeltraud Steinbrink-Wessling ist so jemand. In der "Unglaublich"-Show bei RTL demonstrierte sie live, dass es gar kein Problem sein muss, ein Buch im Schnelldurchlauf zu lesen. Und die Dame ist mit ihrer Fähigkeit nicht allein, denn Schnelllese-Techniken werden in Zeiten wachsender Informationsflut immer beliebter - und wichtiger.

Wer im Internet nach Lese-Trainern sucht, wird rasch fündig. Dabei klingen viele Angebote geradezu dubios: "100 Seiten pro Minute" soll man angeblich bewältigen können. Von "ultraschnellem Flächenlesen" ist die Rede, und vom "mentalen Abfotografieren" von Texten. Was ist dran an solchen Versprechungen? Und welche Anbieter sind seriös?

Das Gehirnpotential besser nutzen

Wolfgang Schmitz darf wohl zu jenen gezählt werden, die ihr Handwerk verstehen. Sein Lese-Training nennt sich "Improved Reading" und hat sich bewährt: In den letzten fünf Jahren konnten er und seine Mitarbeiter die Leseschnelligkeit ihrer Klientel - die von Studenten bis hin zu Managern reicht - im Schnitt um das 2,7-fache erhöhen. Auch Edeltraud Steinbrink-Wessling hat das "Improved Reading" gelernt. Bei stern TV erklärt Schmitz, worauf es dabei tatsächlich ankommt.

Zur besseren Orientierung einige Fakten: Der durchschnittliche Leser fasst etwa 200 bis 300 Wörter pro Minute auf. Doch das Gehirn besitzt das Potential, deutlich schneller Textinhalte zu verarbeiten. Das Wort-für-Wort-Lesen, das die meisten Menschen in der Grundschule erlernen, steht erwachsenen Lesern nämlich im Weg: Indem sie Wortgruppen oder ganze Sätze mit einem Blick erkennen und einordnen können, sparen sie wertvolle Zeit.

Textverständnis steigt auf bis zu 90 Prozent

Wer nun davon ausgeht, das schnelle Lesen gehe auf Kosten des Textverständnisses, liegt falsch. Tatsächlich haben Untersuchungen ergeben, dass Schnellleser bis zu 90 Prozent von dem behalten, was sie im Eiltempo lesen - während der Durchschnittsleser nur 55 Prozent der Informationen verinnerlicht. Durch eine Energie sparende Lesetechnik, bei der die Augen weniger angestrengt werden, bleibt der Schnellleser länger konzentriert.

Besonders sinnvoll sind Schnelllese-Techniken für Menschen, die beruflich viel lesen müssen. So werden Lese-Trainings immer öfter von Politikern, Journalisten und Führungskräften in Anspruch genommen. Doch auch für Studenten, Schüler und Bücherwürmer können sich solche Seminare durchaus lohnen.

Und wie schnell sind Sie? Machen Sie hier den sternTV-Lesetest.

Was ist das Prinzip von Schnelllese-Techniken?

Statt Wort für Wort zu lesen, erkennt der Schnellleser ganze Wortgruppen, deren Sinngehalt er aus der Erfahrung kennt. So kann er Zeilen wesentlich schneller abhaken, ohne dass ihm inhaltliche Informationen entgehen.
Der Schnellleser konzentriert sich auf die prägnantesten Wörter im Text: Substantive, Namen, Wörter in Anführungszeichen, aber auch Aufzählungen oder fett gedruckte Wörter sind seine Anhaltspunkte. Füllwörter, Bindewörter, Präpositionen und Artikel hingegen spart er sich. Er sammelt also die Informationen, die er braucht, um den Textinhalt zu verbildlichen.

Welche verschiedenen Techniken gibt es?

Eine unüberschaubare Anzahl kommerzieller Anbieter preisen die verschiedensten Lerntechniken an. Ob "Alphalesen", "Flächenlesen" oder "Improved Reading" - Interessenten sollten grundsätzlich die Seriösität, die Referenzen und das Preis-Leistungs-Verhältnis der Anbieter vergleichen.

Wie lässt sich das Schnelllesen im Alltag üben?

Sie sollten für optimale Rahmenbedingungen sorgen: Eine bequeme Sitzhaltung, gute Lichtverhältnisse und ein Überblick über den Text (etwa 50 Zentimeter Abstand zu den Augen) sind unbedingt ratsam. Mit einem Lineal sollten Sie dem Text gleichmäßig von oben nach unten folgen, um ungewollte Zeilensprünge zu vermeiden. Wählen Sie zunächst einfach verständliche Lektüre, damit sie nicht an unbekannten Wörtern hängen bleiben. Auch Schnellleser brauchen für einen komplizierten Fachtext länger. Konzentrieren Sie sich auf die prägnantesten Wörter im Text und versuchen Sie, sich die Inhalte bildlich vorzustellen. Die Konzentration kann auch durch Probleme mit den Augen beeinträchtigt werden: Sollten Ihre Augen beim Lesen schnell ermüden, sollten Sie sie überprüfen lassen.
Und: Voraussetzung für schnelles Lesen ist häufiges Lesen.

Warum verinnerlichen Schnellleser mehr Textinhalte als Normalleser?

Der Durchschnittsleser nimmt nur etwa 25 Prozent seiner Hirnleistung für das Lesen in Anspruch. Die im Grundschulalter erlernte Technik des Wort-für-Wort-Lesens unterfordert den erfahrenen Leser: Dadurch schweift er öfter ab, seine Konzentration lässt nach. So kommt es vor, dass er unbeabsichtigt in der Zeile springt, Zusammenhänge nicht verinnerlicht und ganze Abschnitte wiederholen muss. Außerdem werden durch die Grundschultechnik die Augen stärker beansprucht und ermüden schneller.

Wo finde ich weitere Infos?

Auf rosenbauer.de/sl-links.htm finden Sie eine umfangreiche Linksammlung, Tipps und Bücher zum Thema Schnelllesen. Das Forum auf www.frontreporter.de/phpbb bietet ebenfalls interessante Infos.

Einige Anbietern von Lesetechnik-Seminaren können Sie hier vergleichen:
www.improved-reading.de
www.schnell-lesen.de
www.alphareading.de
www.schneller-lesen.com

Themen in diesem Artikel