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Was taugt das Aldi-Produkt fürs Handy-Display?

In der "Höhle der Löwen" ist es bekannt geworden, seit Montag vertreibt Aldi den angeblichen Wunderschutz fürs Smartphone: Eine Flüssigkeit, die auf das Display aufgetragen wird, soll es vor Kratzern und sonstigen Zerstörungen schützen. stern TV hat den neuartigen Schutzfilm einem (ebenso neuartigen) Härtetest unterzogen. 

Protectpax

Praktische Erfindung oder rausgeschmissenes Geld? Protectpax soll das Smartphone-Display umfassend schützen.

Was haben wir uns nicht alles schon einfallen lassen, um unsere wertvollen Alltagsbegleiter vor Kratzern und Herunterfallen zu schützen? Am Beliebtesten sind noch immer die Rundum-Bumper und Schutzfolien fürs Touchscreen. Doch das Wahre scheint das alles nicht zu sein: Die Folien können sich ablösen, an den Kanten sammelt sich Dreck. Jetzt will die Flüssigkeit "ProtectPax" - übrigens nicht die erste dieser Art, jedoch bekannt aus der VOX-Sendung "Die Höhle der Löwen" - den Markt revolutionieren. Eine Flüssigkeit, die auf das Display gestrichen wird. Das Mittel aus Nanopartikeln soll nach dem Auftragen und Aushärten für eine verbesserte Oberflächenspannung des Touchscreens sorgen und ihn sechsmal härter als zuvor machen. Dieser  unsichtbare Schutz soll bis zu einem Jahr halten. Angeblich kann dann nicht einmal ein Hammer der Glasscheibe etwas anhaben - so zeigt es die Verpackung von "ProtectPax". Diese Woche hat Discounter Aldi den flüssigen Displayschutz sogar für 12,95 Euro im Angebot. Für unseren stern TV-IT-Experten Tobias Schrödel Anlass genug, sich den vermeintlichen Wunderschutz einmal genauer anzuschauen.

"DHDL"-Test: ProtectPax im Test: Was taugt der Smartphone-Schutz aus "Die Höhle der Löwen"?
Protectpax

Protectpax soll das Smartphone-Display bis zu zwölf Monate schützen. Bei besonders starker Nutzung reicht der Schutz rund acht Monate. Zwar werben die Gründer mit einem Hammer, sagen aber: Mutwillig zerstören sollte man sein Handy nicht. Der Schutzfilm soll Kratzer verhindern.

Unsere freiwilligen Probanden diesmal: Familie Sand aus Dortmund. Vater Volker, Mutter Isabell und die Söhne Alessandro und Alessio kennen das Problem mit den empfindlichen Smartphone-Displays nur allzu gut – im Laufe der Zeit haben sie es schon sechs Mal geschafft verschiedene Scheiben zu zerdeppern. Gegenüber der Schutz-Innovation sind die Sands aber noch skeptisch: "Im Prinzip denkt man immer, dass das irgendwie nicht richtig funktioniert – oder dass die Touchfunktion dann nicht richtig funktioniert", so Volker Sand. Letztlich haben alle Vier das Mittel auf ihren Smartphones angewendet. Laut Hersteller ist das "kinderleicht". In der Verpackung sind ein Reinigungs-, ein Trocken- und ein Poliertuch enthalten sowie die Nano-Flüssigkeit. Nach dem Aushärten sollen sie mit einem Mikrofasertuch nachpolieren. Dann muss das Display weitere 12 Stunden aushärten, bis der volle Schutz eintritt, so die Hersteller. Ob man da dann aber wie auf der Verpackung gezeigt mit einem Hammer draufschlagen kann? Live bei stern TV haben Isabell und Volker Sand ihre Smartphones einem speziellen Härtetest unterzogen...

Nanotechnologie tatsächlich widerstandsfähig

Auch wenn es ihr schwerfiel: Isabell Sand malträtierte ihr behandeltes Smartphone live in der Sendung mit einem Hammerschlag - und das Display überstand ihn unbeschadet. Volker Sand schlug schon beherzter zu. Das Display brach - und stern TV versprach umgehenden Ersatz. Doch ein solcher Schlag, muss man dazu sagen, wird vom Hersteller auch explizit nicht empfohlen. Dieser Hinweis ist allerdings nur im Kleingedruckten auf der Rückseite der ProtectPax-Verpackung zu finden, die vorderseitige Abbildung lässt anderes vermuten.

stern TV wollte es im Anschluss aber noch genauer wissen und ließ 240 Gramm schwere Eisenkugeln auf die Handydisplays fallen. Im Vergleichstest: Ein Smartphone ohne Schutz, eines mit Panzerfolie, eines mit einem preiswerten Flüssigschutz und ein mit ProtectPax gehärtetes Handydisplay. Den Kugelhagel aus 30 Zentimetern Höhe überstanden alle, außer das mit Panzerfolie geschützte. Derselben Tortur aus 50 Zentimetern konnte aber nur noch der neuartige Flüssighärter standhalten. Tobias Schrödel erklärt: "Die Nanotechnologie glättet die Glasoberfläche in besonderer Weise, dadurch ist das Display zumindest gegen alltägliche Kratzer gut geschützt." Allerdings käme es bei jedem Sturz - unabhängig davon, welcher Displayschutz angewendet wird - immer darauf an, wie das Handy fällt. Stürzt ein geschütztes Smartphone auf die Kante oder auf eine unebene Oberfläche oder aber aus großer Höhe, könne jeder Schutz nachgeben. "Trotzdem kann ich nur empfehlen, das Smartphonedisplay grundsätzlich durch einen Schutz zu verstärken. Denn ein neues Display kostet 300 oder mehr Euro und ist somit allemal teurer, als ein zusätzlicher Schutzfilm - sei es Folie oder Nanotechnologie."


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