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Schwerer Unfall auf A5: Gaffer verursachen weitere Unfälle: "Unsere Welt ist nicht mehr normal!"

Bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Autobahn A5 kamen am Montag mindestens vier Menschen ums Leben. Nach dem Unglück ereignete sich auf der Gegenfahrbahn ebenfalls ein schwerer Zusammenstoß. Der Grund: Das beste Foto der Opfer zu erhaschen...

Rettungskräfte sichern eine Unfallstelle auf der Autobahn A5, ein Feuerwehrmann winkt in Richtung Gegenfahrbahn, wo zahlreiche "Gaffer" den Verkehr behindern.

Rettungskräfte sichern eine Unfallstelle auf der Autobahn A5, ein Feuerwehrmann winkt in Richtung Gegenfahrbahn, wo zahlreiche "Gaffer" den Verkehr behindern.

In Zeiten von Smartphones, Social Media, Emojis und der Daumen-hoch-Kultur scheint die Sensationslust mancher Menschen grenzenlos. Sobald Blaulicht zu sehen ist oder es Opfer zu geben scheint, wollen sie genau mitkriegen, was passiert ist. Hauptsache, man hat die News zu allererst auf dem Handy. "Die Gaffer bremsen auf der Gegenfahrbahn so stark runter, dass sie wirklich die beste Aufnahme hinbekommen", sagt Werner Rüssel, der sich über die Gaffer während seines Einsatzes bei dem schweren Unfall auf der Autobahn A5 bei Heidelberg am Montag maßlos ärgert. Rüssel war einer der Rettungskräfte, die die Unfallstelle abzusichern und vor Gaffern zu schützen versuchten. Ein LKW-Fahrer hatte das Ende eines Staus übersehen und zwei PKW unter einen weiteren LKW geschoben. In einem Auto saß eine Familie. Der Familienvater, die Mutter und ein 13-jähriges Mädchen starben. Die zweite Tochter (15) konnte schwer verletzt geborgen werden. Auch der Fahrer des zweiten Autos starb bei dem schweren Zusammenstoß. "Von der einen Seite kommen sie die Böschung raufgeklettert, um zu schauen, ob es hier Tote gegeben hat. Und auf der anderen Seite – auf der Fahrspur, wo es laufen würde – da verlangsamen sie den Verkehr, um Bilder zu machen! Unsere Welt ist nicht mehr normal!", ärgert sich Feuerwehrmann Werner Rüssel. "Es interessiert überhaupt nicht mehr, was den Menschen passiert ist. Hauptsache, man hat rattenscharfe Bilder."

Und das mit Folgen: Nachdem bereits vier Menschen ums Leben gekommen waren, ereigneten sich auf der Gegenfahrbahn wieder Zusammenstöße. Sieben Fahrzeuge waren beteiligt, drei weitere Menschen wurden verletzt. Für Werner Rüssel und seine Kollegen sind solche Szenen beinahe schon Alltag geworden, sagt er: "Es reicht nicht, wenn wir schon abgesperrt haben. Nein, es wird dann noch weiter verlangsamt, damit man irgendwo einen Fetzen von diesem Unfall mitkriegt.“

Härtere Strafen zeigen keine Wirkung

Immer wieder verursachen Gaffer Staus und Behinderungen auf Autobahnen und bei Rettungsarbeiten. Und das, obwohl die Strafen dafür erst Ende des Jahres drastisch erhöht wurden. Laut Bußgeldkatalog wird Gaffen jetzt mit bis zu 1000 Euro und Führerscheinentzug bestraft.

Ein weiteres Problem: Kaum ein Deutscher scheint dazu bereit zu sein oder zu wissen, wie bei Verkehrsunfällen eine Rettungsgasse für die Einsatzfahrzeuge gebildet wird. Etwa am Sonntagabend auf der A10 bei Berlin. Als Feuerwehrmann Sebastian Klamt und seine Kollegen zu einem brennenden Auto gelangen wollten, seien sie nach wenigen Hundert Metern nicht mehr weiter gekommen. Die Rettungskräfte hatten nur etwa einen Kilometer bis zum Unfallort zu fahren. Doch statt normalerweise fünf Minuten brauchten sie eine gute halbe Stunde. Sebastian Klamt und seine Kollegen mussten sogar aussteigen, um die Autofahrer einzeln zur Seite zu dirigieren. "Wenn man dann stehen bleiben muss und weiß, dass da noch niemand vor Ort ist, der helfen kann, und man nicht weiß: Ist da vielleicht noch jemand im Fahrzeug drin? Das ist so schlimm und traurig!" Doch was die Feuerwehrkräfte dann erlebten, können sie selbst kaum glauben: Nachdem sie einen Transporter in eine Lücke dirigiert hatten und endlich vorbeifahren konnten, folgte ihnen der Transporter-Fahrer – auf der Rettungsgasse. Nach kurzer Zeit hatte sich die gesamte Gasse wieder geschlossen. Ein zweiter Löschzug musste die Fahrt zum Unfallort nach 40 vergeblichen Minuten abbrechen. Als sie an der Unfallstelle eintrafen, war der Wagen komplett ausgebrannt. Wäre noch ein Mensch in dem Fahrzeug gewesen, wäre jede Hilfe zu spät gekommen. "Man fühlt sich hilflos in diesem Moment. Obwohl man Hilfe leisten will, kann man nicht helfen, weil man nicht zum Einsatzort durchkommt", sagt Sebastian Klamt.

Das Behindern von Einsatzkräften wird seit Oktober 2017 wesentlich stärker geahndet und verfolgt: Wer für Polizei- oder Hilfsfahrzeuge keine Rettungsgasse bildet, muss bis zu 280 Euro bezahlen, bekommt 2 Punkte und die Fahrerlaubnis entzogen. Unglaublich, aber selbst das kommt vor: Bei Stau rückwärtsfahren, entgegen der Fahrtrichtung fahren oder wenden, ohne dass die Polizei dazu auffordert, kostet Autofahrer ein kleines Vermögen. Noch dazu gibt es 3 Punkte, den Führerscheinentzug und es droht eine Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren!

Wenn bloß nicht irgendwann einmal das eigene Leben am seidenen Faden hängt...

Blaulicht, Unfall, Rettungsgasse: Verhalten Sie sich als Autofahrer richtig?

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    Versteckte kamera (Teil 1): Gaffer-Test: Wer hilft, wer schaut nur zu?


    Versteckte Kamera (Teil 2): Gaffer-Test: Wer hilft, wer schaut nur zu?


    Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
    Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.