HOME

Stammzellen- und Knochenmarkspende: Was Spender über die Typisierung und lebensrettenden Maßnahmen wissen sollten

Bevor sich jemand zu einer Typisierung entschließt und auf diesem Weg Stammzellspender werden kann, gibt es natürlich viele offene Fragen. Die wichtigsten wollen wir Ihnen hier beantworten.

Für welche Erkrankungen werden Stammzellen von Spendern benötigt? ​​​

Stammzellspenden helfen vor allem bei Leukämie oder anderen Bluterkrankungen. Und zwar, wenn die herkömmlichen Behandlungsformen wie beispielsweise Chemotherapie und Bestrahlung keine dauerhafte Heilung erzielen.

Wie groß sind die Heilungschancen für Betroffene, wenn sie eine Spende erhalten?

Die Heilungschance liegt zwischen 40 und 80 Prozent und hängt von vielen Faktoren ab, etwa welche Erkrankung besteht, welche Maßnahmen bereits vor der Transplantation unternommen wurden, wie alt der Spender ist, ob andere Erkrankungen vorliegen oder auch wie lange die Spendersuche gedauert hat.

Manchmal kann es aber auch passieren, dass unter Millionen Menschen kein passender Spender gefunden wird. Deshalb ist es weiterhin notwendig, dass sich noch mehr Menschen typisieren lassen. In Deutschland sucht immer noch jeder fünfte Patient, der auf eine Spende angewiesen ist, vergeblich einem passenden Spender - und stirbt früher oder später an seiner Erkrankung.

Welche Kosten entstehen Spendern?

Keine. Die Kosten für eine Typisierung trägt die DKMS. Bei einer Knochenmark- oder Stammzellenspende übernimmt die Krankenkasse des betroffenen Patienten alle notwendigen Untersuchungs- und Behandlungskosten und bezahlt einen eventuellen Krankenhausaufenthalt des Spenders für den kleinen Eingriff. Ebenso übernimmt die DKMS die Kosten eines möglichen Verdienstausfalls, Reisekosten und andere nichtmedizinische Aufwendungen. Die DKMS regelt alle organisatorischen Belange für Sie.

Welche Umstände entstehen Spendern, wenn sie ausgewählt werden?

Kommt ein Spender in die engere Auswahl, muss er Blut abgeben, das dann noch genauer untersucht und mit den Gewebemerkmalen des Patienten verglichen wird. Steht sicher fest, dass der Spender passt, dann wird er ausführlich medizinisch untersucht. Damit werden mögliche Risiken für ihn, aber auch für den Patienten ausgeschlossen. Für die Spende wird seitens der DKMS alles organisiert, so dass der Spender nur noch an- und abreisen muss. Auch mit dem Arbeitgeber klärt die DKMS den Arbeitsausfall. Ob der Spender dann ambulant Stammzellen spendet oder ihm unter Vollnarkose der Beckenknochen punktiert wird, entscheidet der behandelnde Arzt des Patienten.

Ist der Eingriff für den Spender gefährlich?

Das Risiko ist minimal. Bevor ein Spender wirklich in Betracht kommt, wird er nochmals eingehend gesundheitlich untersucht, um Risiken für beide Seiten auszuschließen. In den allermeisten Fällen werden anschließend per Blutspende die Stammzellen aus dem Blut des Spenders gewonnen. Vorab muss man Medikamente einnehmen, die dem Körper eine Erkältung vorgaukeln und das Immunsystem ankurbeln. Während der Medikamenteneinnahme können grippeähnliche Symptome auftreten, die aber ungefährlich sind. Langzeitnebenwirkungen sind nach dem heutigen Forschungsstand nicht belegt.

Bei einer Knochenmarkspende beschränkt sich das Risiko im Wesentlichen auf das übliche Narkoserisiko, da die Zellen aus dem Hüftknochen unter Vollnarkose entnommen werden. Nach der Entnahme kann für einige Tage ein lokaler Wundschmerz auftreten – ähnlich dem einer Prellung. Die Knochenmarkszellen wachsen innerhalb von zwei Wochen nach.

Worin unterscheidet sich eine Stammzellspende von einer Knochenmarkspende?

Es gibt zwei Verfahren, wie Stammzellen gewonnen werden: Die periphere Stammzellentnahme, die in etwa 80 Prozent der Fälle angewendet wird, und die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm. Bei der peripheren Stammzellentnahme wird dem Spender über mehrere Tage ein hormonähnlicher Stoff, der Wachstumsfaktor G-CSF, verabreicht, der vom Körper selbst beispielsweise bei entzündlichen Infekten produziert wird. Dieses Medikament stimuliert die Produktion der Stammzellen, die dann über ein spezielles Verfahren (Apherese) aus dem Blut gesammelt werden.

Bei der Knochenmarkentnahme (die nichts mit dem Rückenmark zu tun hat) wird dem Spender unter Vollnarkose circa ein Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen entnommen und dem Patienten übertragen.

Wie schnell erholt man sich nach einer Spende?

Bei der Knochenmarkspende ist man nach drei Tagen wieder zu Hause. Es gibt einen lokalen Wundschmerz und Spender beschreiben es so: "Es fühlte sich so an, als hätte ich mich an der Tischkante gestoßen." Bei der ambulanten Spende können während der Medikamenteneinnahme grippeähnliche Symptome auftreten. Am Tag der Spende fühlen sich einige Spender ein wenig schlapp. Die Mehrheit geht aber bereits am folgenden Tag wieder arbeiten. Die entnommenen Stammzellen beziehungsweise das Knochenmark-Blutgemisch regeneriert sich nach wenigen Wochen vollständig. Verdienstausfall und alle anderen Kosten des Spenders werden von der Krankenkasse des Patienten übernommen. In beiden Fällen wird der Spender vor der Entnahme eingehend ärztlich untersucht.

Können Spender und Empfänger einander  kennen lernen?

Grundsätzlich dürfen sich Spender und Empfänger kennen lernen. Allerdings ist ein wenig Geduld gefragt: Die deutschen Richtlinien sehen vor, dass sich Spender und Patient erst zwei Jahre nach der Spende persönlich kennen lernen dürfen. In der Zeit zwischen Spende und Ablauf der Frist vermittelt die DKMS anonymisiert Briefe zwischen Spendern und Patienten.