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stern tv - RTL: Der Mordfall Melanie: "Meine Schwester könnte noch leben"

Melanies mutmaßlicher Mörder war bei der Polizei bis zu seiner Festnahme ein unbeschriebenes Blatt. Dennoch geht die Staatsanwaltschaft von einem Serientäter aus: Er soll viele weitere Frauen vergewaltigt haben.

Melanie ist 19 Jahre alt, als sie im September 2004 verschwindet. Ihre Familie sucht sie verzweifelt, hängt Plakate in ihrer Heimatstadt Lörrach aus. Die Polizei geht schnell von einem Verbrechen aus und startet eine große Suchaktion - tagelang erfolglos.

Erst als die Polizei Jörg W. überprüft, findet sie Melanies Leiche: verscharrt unter einer Laderampe im schweizerischen Kaiseraugust, am Arbeitsplatz des Verdächtigen. Er gibt die Tötung zu, die ihm vorgeworfenen Umstände indes bestreitet er. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Mordes und mehrfacher Vergewaltigung.

Viele Opfer

Denn obwohl Jörg W. bis dato bei der Polizei nicht aktenkundig ist, verstärken die Ermittlungen einen schrecklichen Verdacht: Der Mann aus Rheinfelden im Kreis Lörrach hat sich vermutlich seit Jahren regelmäßig an Frauen vergangen, sie gequält und vergewaltigt. Die Polizei stellte in der Wohnung des Angeklagten Fotos und Filmmaterial sicher.

Seit 1992 soll Jörg W. fünf ehemalige Frauen erniedrigt, nackt fotografiert und sexuell genötigt haben. Zum Teil soll es mit zwei Mittätern gemeinschaftliche Vergewaltigungen gegeben haben.

Nach dem Tod Melanies melden sich bei der Polizei außerdem weitere Frauen, die den Arbeiter ebenfalls belasten - angezeigt hatte ihn jedoch keine von ihnen, wahrscheinlich aus Angst vor dem Mann. Ermittler gehen von noch mehr Opfern aus.

"Meine Schwester könnte noch leben", sagt Aylin Bectas. Die Schwester des Mordopfers ist wütend, dass keine Frau sich früher bei Polizei gemeldet hatte.

Der Täter: "Ein Schwächling"

Elena, eine der von Jörg W. misshandelten Frauen, sagt heute: "Vielleicht hätte ich den Mord verhindern können, wenn ich damals zur Polizei gegangen wäre. Das belastet mich sehr." Doch damals war ihre Angst vor Jörg W. zu groß. Er schüchterte sie ein: "Pass auf, was dir dann blüht!"

Zwei Gutachter haben den mutmaßlichen Mörder als voll schuldfähig eingestuft. Jörg W. habe planvoll gehandelt und wisse mehr, als er zugegeben habe. Der 34-Jährige sei eine instabile Persönlichkeit und ein Schwächling, der seine Minderwertigkeitsgefühle gegenüber Frauen durch Gewalt ausgleichen wolle.

Im Prozess vor dem Landgericht Freiburg fordert die Staatsanwaltschaft die Höchstrafe: lebenslange Haft, anschließende Sicherheitsverwahrung, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, um eine Freilassung nach 15 Jahren Haft auszuschließen. Jörg W. soll für immer hinter Gitter. Das Urteil wird in Kürze erwartet.