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stern tv -RTL: Hilfe bei Hyperhidrose: Behandlungsmethoden

Feuchte Hände in Stress-Situationen, nass-geschwitzte T-Shirts - obwohl es gar nicht heiß ist? Rund fünf Millionen Bundesbürger leiden unter übermäßiger Schweißproduktion, der so genannten Hyperhidrose. Hier erfahren Sie alles über die häufigsten Behandlungsmethoden.

Trotz verschiedenster Behandlungsmöglichkeiten ist eine vollständige Heilung von Hyperhidrose oft nur durch eine Operation möglich.

Gegen übermäßige Schweißproduktion gibt es inzwischen eine Vielzahl von Behandlungen. Informieren Sie sich in der linken Spalte über die Vor- und Nachteile der Eingriffe und darüber, wie teuer sie jeweils sind bzw. welche Kosten die Krankenkasse übernimmt.

Im Chat hat Hautarzt Dr. Merkert die häufigsten Fragen zum Thema beantwortet.

Wie funktioniert die Schweißproduktion?

Über den Körper verteilt hat der Mensch zwei bis drei Millionen Schweißdrüsen. Eine besonders große Dichte herrscht auf der Stirn, unter den Achseln, an den Händen, an Rücken, Bauch und an den Füßen. Im Gehirn, im Hypothalamus, sitzt das Schweißkontrollzentrum, dort wird die aktuelle Körpertemperatur registriert. Steigt sie, sendet der Hypothalamus ein Signal an das vegetative Nervensystem. Dieses führt zu den Schweißdrüsen. Die Drüsen bekommen einen Impuls und fangen an, Schweiß zu produzieren und ihn durch Kontraktion an die Oberfläche zu pumpen. So wird der Körper gekühlt.

Wann ist Schwitzen krankhaft?

Schwitzen ist normal, wenn man sich anstrengt, krank ist oder es heiß ist. Auch hormonelle Veränderungen, Stress oder scharfes Essen können zu Schweißausbrüchen führen. Von der Menge her schwitzt man 300 bis 700 ml pro Tag.

Etwa drei bis fünf Millionen Deutsche schwitzen deutlich mehr und leiden an einer Form der Hyperhidrose. Die eigene Schwitzmenge lässt sich allerdings nur schwer messen. Ein Arzt kann in der Anamnese herausfinden, ob eine übermäßige Schweißproduktion vorliegt. Hyperhidrose ist nicht ausreichend durch Medikamente, Meditation oder Deos in den Griff zu bekommen.

Nicht-medizinische Maßnahmen bei leichten Fällen

Tritt das Schwitzen nur im Zusammenhang mit Stress oder Aufregung auf, können autogenes Training oder andere Entspannungstechniken hilfreich sein.

In vielen Fällen kann man mit weiteren einfachen Maßnahmen schon viel erreichen:
- Räume regelmäßig lüften
- lockere, luftige Kleidung mit niedrigem Kunstfaseranteil tragen
- regelmäßige kalt-warme Wechselduschen
- Alkohol, Kaffee und scharfe Gewürze meiden
- Übergewicht reduzieren

Absaugen von Schweißdrüsen

Diese Methode ist geeignet für Menschen, die besonders stark unter den Achseln schwitzen. Betäubt wird nur lokal. Zunächst wird Flüssigkeit in den betroffenen Bereich gepumpt. Mit einem Metallstab lockert der Arzt das Gewebe. Dann wird das entsprechende Gewebe abgesaugt, die Schweißdrüsen inklusive. Etwa 80 Prozent der Drüsen werden hierbei entfernt. Ein leichtes Schwitzen ist also noch möglich, das aber gut mit Deo behandelt werden kann.

Die ambulante Operation dauert etwa eine Stunde. Zurück bleiben nur drei kleine Punkte. Das Schwitzen hört sofort nach der Operation auf. Das bleibt auch so, denn Schweißdrüsen können sich nicht erneuern. Auch an anderen Stellen schwitzt man deshalb nicht stärker. Diese relativ neue Form der Schweißdrüsenentfernung wird erst an wenigen Kliniken praktiziert und erfordert eine gewisse Erfahrung. Die Krankenkasse bezahlt den Eingriff in der Regel nicht. Er kostet zwischen 1000 und 1500 Euro.

Operative Entfernung der Schweißdrüsen

Die operative Entfernung der Schweißdrüsen ist veraltete Methode, wurde aber meist von der Krankenkasse bezahlt. Hierbei wird das Schweißdrüsenareal unter den Achseln komplett entfernt. Zurück bleibt eine 10 bis 20 Zentimeter lange Narbe, die oft zu Hautspannen und Schmerzen im Schulterbereich führen kann. Hierbei werden zwar etwa 90 Prozent der Schweißdrüsen entfernt, der Eingriff ist aber größer und die Narbe hinterher oft eine Behinderung.

Behandlung mit Botox

Die Injektion des Nervengifts Botulinum-Toxin mit der Spritze unter die Haut lähmt die Muskeln und damit die Schweißdrüsen. Diese Technik ist auch für Hände und Füße geeignet. Botox-Spritzen bei Achselschwitzen zahlt mittlerweile die Krankenkasse bei ensprechender Indikation. An Handflächen und Füßen muss der Patient selbst zahlen. Durch die Muskellähmung wird aber auch die Beweglichkeit der Hand beeinträchtigt. Jede Behandlung kostet 500 bis 1000 Euro und muss alle sechs Monate wiederholt werden.

Medizinische Antitranspirantien

Die meisten Antitranspirantien enthalten Aluminiumsalze in unterschiedlicher Konzentration. Das Aluminiumsalz dringt in die Poren ein, verbindet sich mit Keratin und verschließt oder verengt so die Schweißdrüsen. Je höher die Aluminiumsalz-Konzentration ist, desto tiefer dringt es in die Haut. Die Lösung kann im Achselbereich, auf Hand- und Fußflächen angewendet werden.

Medizinische Antitranspirantien mit hoher Aluminiumsalz-Konzentration sind frei verkäuflich in Apotheken, können aber zu Hautreizungen und allergischen Reaktionen führen. Sie sind nur bei leichter Hyperhidrose geeignet. Herkömmliche Deodorants können bei übermäßigem Schwitzen gar nicht helfen, weil ein Deo im Gegensatz zu einem Antitranspirant nur den Geruch überdeckt.

Strom-Therapie / Iontophorese

Eine weitere Methode, vermutlich frei von Nebenwirkungen, ist die so genannte Iontophorese. Bei dieser Reizstrom-Therapie werden Hände oder Füße in ein Wasserbad gehalten oder eine Art Schwamm unter die Arme geklemmt. Durch das Wasser wird ein schwacher elektrischer Strom geleitet, dabei ist der Wirkungsmechanismus unbekannt. Vermutet wird, dass die Reizschwelle, bei der Schwitzen ausgelöst wird, sich durch die elektrische Stimulation erhöht.

Der Hautarzt kann dieses Gerät für die Selbstbehandlung zu Hause verschreiben. Die Therapie ist jedoch mühsam, da sie täglich durchgeführt werden muss. Die Therapie trocknet zudem die betroffenen Hautareale aus.

Sympathektomie

Bei der Sympathektomie wird über einen endoskopischen Eingriff rechts und links der Wirbelsäule ein Teil des Sympathikus-Nervs entfernt. Der Sympathikus ist Teil des vegetativen Nervensystems. Von ihm aus gehen kleine Nervenäste bis unter die Haut. Sie steuern die Schweißproduktion. Um das Schwitzen an der Hand auszuschalten, wird ein halber Zentimeter zwischen dritter und vierter Rippe entfernt. Die Nervenäste, die von hier zu den Händen führen, sind damit lahmgelegt. Um das Schwitzen an der Stirn zu beenden, wird der Nerv zwischen erster und zweiter Rippe durchtrennt.

Nebenwirkung dieser Operation ist das kompensatorische Schwitzen: Von der Hand oder Stirn verlagert sich die Schweißproduktion auf Rücken oder Bauch. In der Regel ist das für die Betroffenen aber viel weniger störend.

Auch schwitzende Füße könnte man so operieren. Dies wird aber so gut wie nie praktiziert, da auch die Nerven für die Sexualorgane beeinträchtigt werden könnten. Die Kosten für die Sympathektomie übernimmt von Fall zu Fall die Krankenkasse. Privat zahlt man zwischen 1000 und 2000 Euro.

Links, Buchtipps und weitere Informationen

Foren und Selbsthilfe-Seiten für Betroffene:
www.hh-formum.de
www.hyperhidrosehilfe.de
www.clan-metropole.de/hyperhidrose

In der Hautklinik Stuttgart wird das Absaugen von Schweißdrüsen angeboten:
www.hautklinik-stuttgart.de

Dietmar Stattkus: "Hilfe, ich schwitze! Ursachen - Phänomene - Therapien" (ISBN 3-89811-267-5)

Reinhard K. Achenbach: "Hyperhidrosis. Physiologisches und krankhaftes Schwitzen in Diagnose und Therapie" (ISBN 3-7985-1475-5)

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