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Ein Orden von stern TV: Behördenirrsinn und Absurditäten: Das ist der "Stern der Woche"

Behörden, Politiker, Staatsanwälte - sie alle müssen mit einem Besuch von Reporter Hinrich Lührssen rechnen. Denn: Wer durch völligen Unsinn auffällt, wird von stern TV mit dem "Stern der Woche" ausgezeichnet.

Der "Stern der Woche" ist seit 21 Jahren eine bedeutende Auszeichnung im Deutschen Fernsehen. Über 90 Mal hat Reporter Hinrich Lührssen diesen Orden bereits verliehen. Und zwar an diejenigen, die echten Bockmist gebaut haben und damit für Fassungslosigkeit und Kopfschütteln sorgten. Ob Politiker, Nachbar, Verwaltungsbeamter oder Unternehmer: Wer seine Mitmenschen mit einer absurden Idee, der sinnlosen Verschwendung von Steuergeldern, schlechtem Service oder völlig unnötigen Verordnungen nervt, darf den Stern der Woche entgegennehmen. Dazu gehört neben dem Orden auch eine Laudatio, in der die besonderen "Verdienste" des jeweiligen Preisträgers im Einzelnen gewürdigt werden.

Manche Preisträger tragen ihren Orden mit Fassung, andere Unfreiwillige wollen ihn gar nicht erst annehmen. Doch ob angenommen oder nicht – verdient haben den "Stern der Woche" alle bisherigen und auch zukünftigen Preisträger. Diese und andere Absurditäten waren bereits dabei:

Für diese Absurditäten gab es eine "Auszeichnung"
Gewisses Maß an Konfliktpotenzial

Auf den Straßen von Peine blitzt es ziemlich häufig. Das Straßenverkehrsamt versucht mit allen Tricks Bußgelder zu kassieren. Als Christina Vogler deswegen einen harmlosen Kommentar auf der Facebook-Seite "Blitzer Peine" hinterließ, drohte ihr Schlimmeres. Aus Ärger über eine Radarfalle schrieb sie: "Die spinnen doch. Würde die am liebsten mit Eiern beschmeißen. Fahre da jeden Tag lang."

Nur einen Tag später bekam Christina Vogler Post vom Straßenverkehrsamt. Der Behördenleiter hatte den Kommentar der 24-Jährigen gelesen und schrieb: "Ihren Äußerungen zufolge verfügen Sie über ein gewisses Maß an Konfliktpotential […]. Diese Zweifel veranlassen […] mich, von Ihnen das Beibringen eines medizinisch-psychologischen Gutachtens zu verlangen."

Wer meckert, ist seinen Führerschein los? Christina Vogler soll zum Idiotentest? Diese Absurdität würdigte Hinrich Lührssen mit dem "Stern der Woche". Dabei stieß er ebenfalls auf ein gewisses Maß an Konfliktpotential. Der Leiter des Straßenverkehrsamtes lehnte die Auszeichnung einfach ab.

Gefälschter Titel

Eva Ihnenfeldt aus Witten hat zu ihrem 54. Geburtstag von ihren Kindern eine Spaßurkunde geschenkt bekommen: einen im Internet für 39 Euro gekauften skurrilen Doktortitel "Dr. h.c. of Ministry". Vollkommen wert- und sinnlos. In ihrem Blog amüsierte sich die Wirtschaftsjournalistin über den Titel und schrieb: "Ich setze mir selbst die Krone auf".

Kurz darauf stürmten vier Polizisten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Lübeck morgens um acht Uhr Eva Ihnenfeldts Wohnung per Hausdurchsuchung. Es wurden Schränke, Schubladen und Taschen durchwühlt; die Urkunde wurde beschlagnahmt. Außerdem wurde über Eva Ihnenfeldt eine 46-seitige Akte angelegt, inklusive Luftaufnahme ihres Hauses. Der Vorwurf: Nutzung eines gefälschten Titels. Dafür erhielt der Lübecker Staatsanwalt den "Stern der Woche". Die Ermittlungen gegen Eva Ihnenfeldt wurden übrigens inzwischen eingestellt.

Rentner eingemauert

Vor ihrem Urlaub hatten Karin und Rolf Quedenbaum aus Schönkirchen an alles gedacht: Licht aus, Wohnungstür verriegelt – niemand sollte einbrechen können. Bei seiner Rückkehr nach drei Wochen musste das ältere Ehepaar jedoch eine böse Überraschung erleben. In ihrer Wohnung hatte sich die Aussicht massiv verschlechtert! Direkt vor ihrem Wohnzimmerfenster war eine dicke Mauer errichtet worden. Stein auf Stein, ganz massiv – einfach zugemauert. "Ich musste mich wirklich an den Kopf fassen und mich fragen 'Ist das Realität oder ein schlechter Traum?'", so Karin Quedenbaum.

Das konnte nur ihr Vermieter gewesen sein, bei dem die Quedenbaums seit 27 Jahren im vorderen Gebäudeteil einer Wurstfabrik leben. Der Wurstfabrikant lässt neu bauen – direkt neben dem Wohnzimmer der Quedenbaums. Für so einen Bockmist gab es auch hier einen "Stern der Woche": "Wer ein altes Ehepaar zumauert, dass seit 27 Jahren pünktlich seine Miete zahlt, der hat eigentlich gar keinen Preis verdient, höchstens den "Stern der Woche"", verkündete Reporter Hinrich Lührssen vor dem Gebäude.

Das verflixte B

In Untersteinach in Bayern donnern Tag für Tag 20.000 Fahrzeuge durch den Ort, darunter viele LKW. Die Anwohner fordern schon seit 40 Jahren eine Ortsumgehung. Dann endlich kümmerte sich jemand: Bundestagspolitiker Sebastian Körber von der FDP, zu dessen Wahlkreis auch Untersteinach gehört. Körber entdeckte als einziger, dass der Ort ganz oben im Investitionsplan des Verkehrsministeriums stand und mit 80 Millionen Euro bedacht wurde. Stolz schrieb der FDP-Politiker eine Pressemitteilung: "Die Gemeinde Untersteinach kann mit einem raschen Baubeginn für die dringend benötigte Ortsumgehung rechnen. Die Begehrlichkeiten waren naturgemäß groß, meine Anstrengungen für Bayern und die Region jedoch nicht vergebens."

Natürlich hat keiner damit gerechnet, dass der Abgeordnete nicht richtig lesen kann. Das Geld ging in Wirklichkeit nach Untersteinbach, mit einem "b" in der Mitte, das 200 Kilometer entfernt liegt. Ziemlich peinlich für einen Verkehrspolitiker aus der Region. Der lebensgefährliche Ortsverkehr in Untersteinach bleibt also weiterhin erhalten. Immerhin hat auch Sebastian Körber die verdiente Auszeichnung mit Fassung getragen.

Schöne Aussicht von 78 Zentimetern

Auf einem Hügel von Stommeln bei Köln-Pulheim hat die Stadtverwaltung eine neue Aussichtsplattform gebaut, daneben außerdem eine Sitzbank. Die Anlage mit "Mehr"-Blick in Richtung Köln hat satte 387.000 Euro gekostet. Und sie erhöht die Aussicht um sage und schreibe 78 Zentimeter! Links die Aussichten noch einmal im Vergleich.

Für den mehr als großzügigen Umgang mit Steuergeldern verlieh stern TV der Stadtverwaltung und somit dem Sprecher der Stadt Pulheim den "Stern der Woche", der ihn tatsächlich lächelnd entgegen nahm.