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stern TV-Test: Tiefkühlpizzen vom Discounter gegen Markenprodukte – welche ist die beste?

Sie ist der Deutschen liebstes Tiefkühlgericht: die Pizza! Sie geht schnell, kostet nicht viel und es gibt für jeden Geschmack den passenden Belag. Aber wie gut ist unser Lieblingsgericht? Und vor allem: Welche ist die beste Pizza? stern TV hat Discounter-Produkte mit Marken-Pizzen verglichen.

Verglichen werden Tiefkühl-Pizzen der Discounter mit den teureren Markenprodukten.

Verglichen werden Tiefkühl-Pizzen der Discounter mit den teureren Markenprodukten.

Rund 800.000.000 Tiefkühl-Pizzen haben wir in Deutschland letztes Jahr gegessen. Das macht 11 Stück pro Kopf. Schließlich sind sie lecker, schnell zubereitet und in der Küche eine saubere Sache. Kurzum: ein super Essen! Und das Angebot ist schier unerschöpflich. Fast jeder Supermarkt und jeder Discounter führt ein eigenes Pizza-Sortiment, dazu kommen die bekannten Markenhersteller. Die beliebtesten Zutaten der Pizza-Liebhaber sind: Salami, Kochschinken und Champignons – Pizza "Speciale".

stern TV hat neun Tiefkühl-Pizzen "Speciale" getestet – von günstig bis teuer, Pizzen vom Discounter und Markenprodukte. Welche Fertigpizzen schneiden beim Geschmack, Preis-Leistungsverhältnis und bei der Qualität der Zutaten besser ab? Und das Wichtigste: welche insgesamt am besten? Dr. Ulrich Nehring vom Lebensmittellabor in Braunschweig hat die Untersuchung durchgeführt und außerdem überprüft, ob auf den Pizzen auch wirklich drauf liegt, was auf der Packung versprochen wird.

Zum Vergleich haben wir außerdem eine Pizza "Speciale" aus einer italienischen Pizzeria zu den Testpizzen dazu genommen. Pizzabäcker Jean Pierre Polimeno hält nicht viel von Fertigpizzen. Bei ihm wird der Pizzaboden ganz natürlich nur aus Wasser, Mehl, Salz, Hefe und Olivenöl hergestellt – so hat er es in Italien gelernt. Bei vielen industriellen Herstellern ist die Zusammensetzung des Teiges ganz ähnlich aus Weizenmehl, Wasser, Salz, Hefe, das gegenüber Olivenöl billigere Raps-Öl – und Zucker. Anders als beim Italiener können in der Industrie je Produktionslinie bis zu 300.000 Pizzen pro Tag gebacken werden: Der Teig wird von Maschinen vollautomatisch zusammengerührt, geknetet, ausgerollt und ausgestanzt. Dann werden die Pizza-Platten – ebenfalls automatisch – belegt und bei 220 bis 380 Grad nur wenige Minuten vorgebacken. Anschließend wird die Pizza bei -18 bis -24 Grad schockgefrostet und eingeschweißt.

Weniger Belag, als deklariert

Im Test haben die Lebensmittelchemiker zunächst das Verhältnis von Teig und Belag unter die Lupe genommen, indem sie Pilze, Salami, Schinken und Käse von den Pizzen einzeln eingesammelt und ausgewogen haben. Bereits jetzt zeigte sich, dass es große Unterschiede gibt: eine Pizza war lediglich mit 2,4 Gramm Schinken belegt, eine andere dagegen weit über 20 Gramm. Die drei Discounter-Pizzen von Lidl (Trattoria Alfredo), Real (Tip) und Penny (San Fabio) lieferten in unseren Stichproben weniger Belag, als auf der Packung deklariert: Bei der Eigenmarke von Lidl fehlten 6 Prozent Käse, bei Real wurden 31 Prozent weniger Schinken eingesetzt und bei Penny 23 Prozent weniger, als versprochen. Insgesamt war dort von allem zu wenig auf der Pizza. Das führte im Test natürlich zu Punkt-Abzügen. "Es muss natürlich im Durchschnitt mindestens der Wert auf der Pizza sein, der drauf steht. Da muss nachgebessert werden: Die Pizza muss so belegt werden, wie es deklariert ist – oder die Deklaration muss angepasst werden", so das Urteil von Ulrich Nehring.

Fleischqualität hält das Versprechen

In einem weiteren Schritt wurde die Fleischqualität im Labor geprüft. Die chemische Analyse der Salami zeigte, dass alle Hersteller die Qualität liefern, die auf der Packung angegeben ist. Die Untersuchung des Schinkens unter dem Mikroskop konnte zeigen, ob Hersteller anstelle von echtem Schinken bloß zusammengepresstes, billiges Formfleisch verwenden. Doch: "Es handelt sich überall um Kochschinken. Wir haben in keinem Fall Formfleisch-Schinken gefunden", sagt Nehring.

Fleischgeschmack "leicht alt"

Der wichtigste Test ist die so genannte Sensorik: Wie riechen, knuspern und schmecken die Pizzen? Diese – allerwichtigsten – Aspekte werteten die Nahrungsmittelexperten in unserem Test doppelt, nachdem alle Pizzen genau nach Packungsanweisung zubereitet waren.
Die Produkte von Kaufland, Edeka, Lidl und Bofrost landeten beim Geschmackstest im Mittelfeld – vor allem, weil die Experten herausschmeckten, dass die Fleischauflagen "leicht alt" schmecken. Selbst bei der Pizza von Dr. Oetker bemängelten die Tester den Kochschinkengeschmack als "alt". Wagner und Netto  erhielten im Geschmackstest knapp die Bestnote, wurden jedoch von zwei Pizzen noch getoppt: "Die Pizza aus der Pizzeria war da sehr überzeugend. Kein Wunder, wenn man den Teig frisch zubereitet und direkt aufbackt", sagt Ulrich Nehring. "Aber unter den Tiefkühl-Pizzen  ist uns die Pizza von Penny besonders aufgefallen – mit einem hervorragenden Boden, der sehr krustig und knusprig war."

Die Testergebnisse: So sehen die Pizzen fertig gebacken aus – und so haben sie abgeschnitten
Steinofen Pizza Speciale der Marke "Tip" von Real   Preis pro Pizza: ca. 1,26 Euro (350 g)  Kalorien pro Pizza: ca. 774 kcal    Bei der Pizza von Real der Billigmarke "Tip" wichen die Werte des tatsächlichen Belags zu den auf der Packung versprochenen werten am meisten ab. Insbesondere am Schinken wurde gespart und etwa 30 Prozent weniger auf den getesteten Pizzen verteilt. Auch geschmacklich liegt die Pizza nur im Mittelfeld. Insgesamt ist damit die Real-Pizza das Schlusslicht.    Platz 8 (Schlusslicht mit 3,15 von 5 Punkten)

Steinofen Pizza Speciale der Marke "Tip" von Real 

Preis pro Pizza: ca. 1,26 Euro (350 g)

Kalorien pro Pizza: ca. 774 kcal

Bei der Pizza von Real der Billigmarke "Tip" wichen die Werte des tatsächlichen Belags zu den auf der Packung versprochenen werten am meisten ab. Insbesondere am Schinken wurde gespart und etwa 30 Prozent weniger auf den getesteten Pizzen verteilt. Auch geschmacklich liegt die Pizza nur im Mittelfeld. Insgesamt ist damit die Real-Pizza das Schlusslicht.

Platz 8 (Schlusslicht mit 3,15 von 5 Punkten)


Discounter-Pizza wird Testsieger

Bei der Berechnung des Gesamtergebnisses haben die Wissenschaftler die letztlich neben dem Geschmack auch die Menge an Belag, die Qualität der Zutaten und natürlich auch den Preis pro 100 Gramm zugrunde gelegt. Fazit: Keine der Tiefkühl-Pizzen ist durchgefallen. Mit nur drei von fünf möglichen Punkten lagen die Pizzen der Eigenmarken von Kaufland, Bofrost und Real im Mittelfeld. Bei dem Produkt von Real war der Anteil an Belag besonders gering.
Gute Noten mit vier von fünf Punkten gab es für die Eigenmarken von Edeka, Penny und Lidl, sowie für die deutlich teureren Markenprodukte von Wagner und Dr. Oetker. Die "Speciale" aus der Pizzeria bekam ebenfalls vier Punkte und landete nur wegen des höheren Preises nicht ganz vorn. "Was die Qualität und den Geschmack angeht, kommen zumindest manche Tiefkühl-Produkte sehr nahe an die Qualität einer Pizza aus der Pizzeria heran", so die Wertung von Lebensmittelchemiker Ulrich Nehring. Testsieger nach allen Maßstäben ist die Pizza "Mondo Italiano" von Netto: Sie ist günstig, schmeckt gut und ist reichlich belegt.

Trotz aller Pizza-Liebe heißt das aber leider nicht, dass wir von nun an jeden Tag sorglos Tiefkühl-Pizza essen können, mahnt der Lebensmittelexperte Nehring zum Schluss: "Die Pizzen sind ja auch deshalb so beliebt, weil man sie einfach wie ein Stück Kuchen nebenbei essen kann. Aber man muss sich immer im Klaren darüber sein, dass man sehr viel Energie aufnimmt. In der Regel sind die Fettgehalte einer solchen Pizza recht groß."