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Von Milben und anderen Mitbewohnern: Unterwegs in fremden Betten: Wie ungesund schlafen die Deutschen?

Bettenmachen ist ungesund, ungemachte Betten hingegen schützen vor Krankheiten, lautet eine aktuelle Empfehlung. Der Grund: Milben und andere Allergene mögen es unter den Decken feucht und dunkel. stern TV hat sich einige Matratzen mal genauer angesehen. Das lässt uns besser und gesünder schlafen.

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Dass in unseren Betten, vor allem in den Matratzen, Hausstaubmilben stecken sollen, hat fast jeder schon mal gehört. Das ist auch erst mal kein Grund zur Sorge – sondern vollkommen normal. Etwa 10 Millionen Haustaubmilben treiben im Durchschnitt ihr Unwesen in nur einem Bett. Und nicht nur dort: Sie leben auch in Polstermöbeln, Teppichen, Handtüchern oder Badematten. Die meisten Menschen haben damit keine Probleme. Trotzdem können die winzigen Spinnentierchen Allergien auslösen oder gar richtig krank machen. Manche Menschen wachen dann mitten in der Nacht auf, weil sie die Nase zu, Husten oder Atemnot haben. Die Ursache: eine Allergie auf Hausstaubmilben. Die  Hausstaubmilbenallergie  zählt laut Deutschem Allergie- und Asthmabund neben der Pollenallergie zu den häufigsten Allergien in Deutschland.

Trockenheit, Licht und kühle Räume sind der beste Schutz

Kann man sich dagegen wappnen? stern TV ist mit dem Mikrobiologen und Haushaltsexperten Prof. Dirk Bockmühl in verschiedene Haushalte gegangen und hat von freiwilligen Testteilnehmern Staubproben aus den fremden Betten entnommen. Wo waren die Tierchen oder entsprechende Allergene besonders verbreitet? Und warum mancherorts kaum? Mit 0,1 bis 0,5 Millimeter sind die Milben mikroskopisch klein, also mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Deshalb kam bei unserem Test ein Spezialsauger zum Einsatz. Die Proben wurden mit einer Flüssigkeit angereichert und von Prof. Bockmühl untersucht. Deutlich wurde: Wie viele Hausstaubmilben und andere Kleinstlebewesen sich ansiedeln, hat aber nicht nur mit Hygiene oder dem Waschmittel zu tun. Als Kardinalfehler erwies sie tatsächlich das "gemachte Bett" – eine Bettdecke, die die ganze Matratze abdeckte. Dazu noch eine Tagesdecke und die Brutstätte für Milben ist perfekt. Denn: Hausstaubmilben mögen es dunkel, feucht und warm.. Wer kurz nach dem Aufstehen sein Bett macht und noch dazu nur kurz oder gar nicht lüftet, leistet den Milben Vorschub. Umgekehrt heißt das aber auch: In Betten, die trocken und gut belüftet sind, sind Milben selten zu finden.

Was Sie sonst noch beachten sollten, lesen Sie hier:

Warum leben Milben vorwiegend in unseren Betten?

Hausstaubmilben sind – wie der Name schon sagt – eigentlich überall, wo Hausstaub ist. Also auch auf Büchern, Regalen, auf dem Teppich oder unter dem Bett. Allerdings: In der feuchtwarmen Umgebung des Bettes fühlen sie sich besonders wohl, denn dort finden die Milben Lebensbedingungen vor, die für sie optimal sind: 75 Prozent Luftfeuchtigkeit bei einer Temperatur von 25 Grad. Hinzu kommt, dass sich die winzigen Spinnentiere von Hautschuppen ernähren, von denen Menschen täglich etwa ein bis zwei Gramm verlieren.

Etwa 10 Millionen Haustaubmilben treiben im Durchschnitt ihr Unwesen in einem Bett. Im Mai, wenn die Temperaturen steigen, beginnen die Milben, sich massiv zu vermehren. Die Weibchen legen innerhalb von vier Wochen bis zu 300 Eier ab. Und die Tiere leben mehrere Monate. Im Herbst sterben die meisten während der trockenen Heizungsperiode. Doch mit der Trockenheit zerfällt auch der Kot der Milben und wirbelt im Hausstaub und Bett herum – und kann je nach vorherigem Milbenbefall zu einem echten Problem werden.

Wie kommt es zu einer Allergie? Und wie äußert sie sich?

Manche Menschen werden mitten in der Nacht von Husten, tränenden Augen oder einer verstopften Nase wach. Auch morgendliche Niesattacken und gerötete Augen sind Anzeichen für eine mögliche Allergie. Die Ursache ist häufig eine Reaktion auf Hausstaubmilben. Die Beschwerden bei einer Hausstaubmilbenallergie werden durch Substanzen im Kot der Tierchen ausgelöst. Die ausgeschiedenen Kotbällchen und die sich darin befindenden Eiweiße zerfallen nach dem Austrocknen in sehr kleine Teilchen, die sich dann mit dem Hausstaub verbinden. Diese atmen wir dann ein – und der Körper wehrt sich: Die Schleimhäute der Nase schwellen an, die Augen tränen.

Wie viele Menschen in Deutschland von Hausstaubmilben-Allergie betroffen sind, lässt sich nicht genau beziffern. Auf ihre Allergene – die Kot-Eiweiße – sind 10 bis 15 Prozent der Deutschen sensibilisiert.  Die  Hausstaubmilbenallergie  zählt laut Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB) neben der Pollenallergie zu den häufigsten Allergien in Deutschland.

Bleibt die Allergie unbehandelt, können sich die Symptome verstärken und auf die Bronchien ausdehnen. Es kommt zu Atemnot und im weiteren Verlauf – bei rund einem Drittel der Betroffenen – sogar zu allergischem Asthma.

Etwa ab Mai beginnen die Milben, sich zu vermehren: Dann ist die Luft feuchter und die Temperaturen steigen. Im Herbst gibt es allerdings die meisten Hausstaubmilben. Das führt dazu, dass gerade im Winter die Beschwerden, die durch den Milbenkot verursacht werden, besonders häufig sind. Und das, obwohl viele der Milben aufgrund der ungünstigeren Lebensbedingungen im Winter sterben. Doch ihr Kot bleibt und wird mit dem Staub durch die zirkulierende Heizungsluft in der Wohnung verteilt.

Hausstaubmilben: So lässt sich gegensteuern

Hausstaub vermeiden

Unnötige Staubfänger wie offene Bücherregale, viele Kissen oder Stofftiere, üppige Gardinen oder Polstermöbel sollten aus der Wohnung und besonders aus dem Schlafzimmer verbannt werden. Für Allergiker sind zudem glatte Böden (Fliesen, Linolium, Parkett) besser als Teppiche. Häufiges Staubwischen und Saugen versteht sich von selbst. Teppichböden sollten regelmäßig gesäubert, glatte Bodenbeläge zwei Mal wöchentlich feucht gewischt werden. Bei den Staubsaugern auf spezielle Feinstaubfilter (Hepa-Filter) achten.

Matratzen ein bis zwei Mal jährlich reinigen

Um die Hausstaubmilben weitgehend zu verbannen, sollte man die Matratze ein bis zwei Mal jährlich reinigen: Dazu, falls möglich, den abnehmbaren Bezug der Matratze mindestens eine Stunde bei 60 Grad waschen. Die Matratze selbst gründlich absaugen, idealerweise mit einem Hepa-Filter im Staubsauger. Allerdings halten sich die Tierchen mit ihren Saugfüßchen enorm stark an den Textilien fest, so dass viele einen Staubsaugerangriff schadlos überstehen. Zusätzlich können Sie die Matratze mit einem Anti-Milbenspray behandeln (in Apotheken, Anwendungshinweise beachten).

Betten nach dem Schlafen auslüften

Das Bett direkt nach dem Aufstehen wieder zuzudecken ist nicht ratsam. Lieber der Matratze und dem Bettzeug die Möglichkeit geben zu trocknen, bevor man das Bett wieder zudeckt. Ansonsten bietet man Milben ihren perfekten Lebensraum, denn sie mögen Dunkelheit, Wärme und Feuchtigkeit. Das heißt: ein umgehend gemachtes Bett ist für Hausstaubmilben ideal.

Decken, Kissen und Plüsch regelmäßig waschen

Decken und Kissen sollten regelmäßig bei mindestens 60 Grad gewaschen, nicht nur die Bettwäsche. Das Waschmittel sollte ein bleichehaltiges Vollwaschmittel sein. Die hohen Temperaturen und die Sauerstoffbleiche im Waschmittel töten Milben und sonstige Keime ab und sorgen zudem dafür, dass die Milbenallergene unschädlich gemacht werden.

Kuscheltiere von Kindern und kleinere Kissen können in der Gefriertruhe von Milben befreit werden, ebenso wie alle anderen nicht waschbaren Gegenstände. Allerdings werden die Milben dabei nur abgetötet, das Einfrieren entfernt die Milbenkörper und deren Ausscheidungen nicht.

Nacktschläfer aufgepasst

Wer keinen Schlafanzug tragen mag, der Hautpartikel, Schweiß und Feuchtigkeit aufnimmt, sondern lieber nackt schläft, sorgt zusätzlich für angenehme Lebensbedingungen der Milben. Nacktschläfer sollten deshalb mindestens einmal pro Woche ihre Bettwäsche wechseln und das Bettzeug selbst häufiger waschen.

Spezialbezüge verwenden

Für Bettdecken, Matratzen und Kissen gibt es zusätzlich allergendichte Zwischenbezüge, so genannte Encasings. Die verhindern, dass die Allergene in unsere Atemwege gelangen. Sie lindern bei Allergikern auch die Beschwerden, weil der Schlafende nicht direkt in Kontakt mit den Allergie auslösenden Stoffen kommt.

Betten beziehen – aber ohne Schwung

Zu viel Schwung ist beim Abziehen der Bettwäsche ist nicht gut. Ziehen Sie sie lieber vorsichtig ab und geben Sie sie sofort in die Maschine. Sonst verteilen sich die Tierchen  überall in der Wohnung. Matratzen sollten ein- bis zweimal jährlich gereinigt werden.

Lüften

Auch Stoßlüftung hilft. Das senkt die Luftfeuchtigkeit und kühlt den Raum, sodass das gemütliche Klima der Milben zerstört wird.  Im Schlafbereich ist eine Zimmertemperatur von nicht mehr als 18 Grad zu empfehlen. Nicht empfehlenswert sind dagegen Luftbefeuchter, Klimaanlagen, Heizlüfter oder andere Luft verwirbelnde Geräte. Sie wirbeln auch kleinste Staubpartikel auf und machen Allergikern Probleme.

Was nicht ins Bett darf

Insbesondere Hausstauballergiker sollten keine Haustiere halten – und wenn schon, dann keinesfalls ins Bett lassen. Essen und Trinken im Bett kann unter Umständen die Milbenproblematik noch mehr verstärken.