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Süßpflanze: Wie Stevia Zucker ersetzen könnte

Eine kleine Pflanze aus Paraguay könnte künftig Diabetikern und Übergewichtigen Hoffnung geben: Stevia. Sie senkt nachweislich den Blutzuckerspiegel, hat keine Kalorien, verhindert die Entstehung von Zahnbelag und ist dazu noch 300 mal süßer als Zucker.

Kurzum: Eine wundersame Pflanze, die auch in Europa schon seit Jahrhunderten bekannt ist. Vor allem Menschen, denen eine gesunde Ernährung wichtig ist, schwören auf Stevia als gesunde Alternative zu Zucker. Doch Stevia ist in Deutschland nicht als Lebensmittelzusatz zugelassen.

Wo ist der Haken? Kritiker behaupten, die Zuckerindustrie würde die Einführung der Pflanze in die EU behindern. stern TV mit den wichtigsten Fakten zu Stevia.

Was ist Stevia?

Stevia ist ein Süßkraut. Die Pflanze ist ein natürlicher Süßstoff und stammt aus Paraguay, wo sie vor allem bei der indigenen Bevölkerung als Süßstoff und Medizin verwendet wird. Die Süße der Pflanze entsteht durch sogenannte Stevioside, die in den Blättern zu finden sind. Stevia ist 300 Mal süßer als Zucker. Den Geschmack beschreiben Konsumenten ähnlich wie den von synthetischem Süßstoff, mit einem leicht bitteren, lakritzartigen Nachgeschmack.

150 Millionen Menschen nutzen Stevia täglich: Neben Südamerika wird Stevia mittlerweile vor allem in asiatischen Ländern wie Japan, Malaysia, Korea, China oder Thailand, aber auch in Israel und Mexiko angebaut und verwendet. In Neuseeland und den USA ist Stevia ebenfalls zugelassen.

Ist Stevia eine gesunde Alternative zu Zucker?

Unter ihren Befürwortern gilt Stevia als eine Art Wunderpflanze: Sie hat keine Kalorien, ist für Diabetiker und Übergewichtige gut geeignet. Sie senkt bei regelmäßiger Aufnahme den Blutdruck und verhindert die Entstehung von Zahnbelag.

Der Verbrauch in anderen Ländern zeigt, dass der Konsum von Stevia über einen längeren Zeitraum hinweg offensichtlich unschädlich ist: In Japan wird Stevia schon seit 25 Jahren zur Süßung von Nahrungsmitteln und Getränken verwendet, in Südamerika süßen Indianer schon seit einem halben Jahrtausend ihren Mate-Tee mit den Steviablättern.

Warum ist Stevia verboten?

Aus Studien an Ratten ging hervor, dass Stevia die Fruchtbarkeit der männlichen Tiere beeinträchtigt. Allerdings betonen Experten, dass den Ratten so hohe Stevia-Dosen verabreicht wurden, dass ein Mensch täglich die Hälfte seines Körpergewichts an Stevia-Blättern zu sich nehmen müsste, um auf eine vergleichbare Konzentration zu kommen.

Dennoch: Aufgrund der Versuche an Ratten sind nach den Verbraucherstandards der EU weitere Tests zu den Auswirkungen Stevias auf die Gesundheit notwendig, um ein Verkaufsverbot auszuheben.

Die Befürworter von Stevia vermuten, dass die Zuckerindustrie hinter dem langsamen Legalisierungsprozess stecken könnte. Auch Hersteller synthetischer Süßstoffe versuchten bereits in Versuchsreihen zu beweisen, dass von Stevia ein Gesundheitsrisiko ausgeht.

Warum hat die EU Stevia noch nicht erlaubt?

Bis in die Neunziger Jahre konnte man Stevia hierzulande in Bioläden, Reformhäusern und Teegeschäften kaufen. Heute gilt Stevia in der EU jedoch als "neuartiges Lebensmittel", weil die Extrakte der Pflanze unter die strengen Regeln der 1997 erlassenen Novel-Food-Verordnung fallen.

Um einen neuen Lebensmittelzusatz einzuführen, muss ein Antragsteller (in der Regel ist das eine Firma, die das Produkt auf den Markt bringen will), umfangreiche Unbedenklichkeits-Studien vorlegen, die beweisen, dass das Mittel für den Verbraucher absolut unschädlich ist. Solche Studien kosten zwischen fünf und 50 Millionen Euro und sind extrem aufwendig. Untersucht wird dabei zum Beispiel, ob das Produkt krebserregend ist, die Fruchtbarkeit beeinträchtigt oder wie hoch die Wahrscheinlichkeit von Allergien ist. Wenn die Forschungsergebnisse nicht penibel genau belegt sind, werden die Anträge abgelehnt - und genau das ist schon häufiger passiert.

Für die Freigabe des Produkts ist die EU Kommission in Brüssel verantwortlich, die wissenschaftliche Unterbehörde "Efsa" (European Food Savety Authority) muss aber vorher die Anträge überprüfen. Derzeit liegen der "Efsa" drei Anträge vor. Einer davon stammt vom US-Riesen Cargill, einem Lebensmittelhersteller, der unter anderem Coca Cola mit Stevia beliefern will.

Kann man Stevia trotzdem kaufen?

Im Internet umgehen Händler das Lebensmittelrecht der EU, indem sie Stevia als universell einsetzbaren Badezusatz o. ä. deklarieren. Allerdings ist der Verkauf natürlich nicht ganz legal, und man kann als Käufer nicht davon ausgehen, absolut einwandfreie Produkte zu bekommen. Stevia gibt es etwa in Form von Blättern, Pulver, Tabs oder als Sirup. 100 Gramm Stevia-Pulver kosten zwischen sechs und acht Euro, 15 Gramm der Blätter ca. fünf Euro.

Wann wird Stevia legal erhältlich sein?

Eine Legalisierung und offizielle Einführung von Stevia-Produkten auf dem europäischen Markt ist laut EU-Kommission für Lebensmittelsicherheit für das Frühjahr 2010 anvisiert.