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Fragen & Antworten

Ursachen, Therapie, Hilfe: Das sollten Sie über Depressionen wissen

Was ist eigentlich eine Depression? Wer ist betroffen? Und wie kann ich als Angehöriger helfen? stern TV hat alle wichtigen Antworten zu Symptomen, Ursachen, Therapie und Hilfe für Sie zusammengestellt. 

Wann spricht man von einer Depression?

Fast jeder fühlt sich manchmal niedergeschlagen und antriebslos. Dabei handelt es sich meist aber einfach um normale Stimmungsschwankungen. Von einer Depression spricht man, wenn jemand über mindestens zwei Wochen unter gedrückter Stimmung, Interessen- und Freudlosigkeit sowie reduziertem Antrieb leidet. Die Person zeigt kein Interesse an Dingen, die ihr sonst Freude bereiten. Zudem können Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Konzentrationsschwäche, Denkhemmung, Energielosigkeit oder auch vermindertes sexuelles Interesse auftreten. Viele Betroffene ziehen sich zurück und denken häufig über den Tod und Suizid nach. Depressive haben ein um 80 Prozent höheres Suizidrisiko, etwa 20 Prozent bringen sich tatsächlich um. "Depression ist die schlimmste Erkrankung, die die Menschheit kennt. Zwanzig Prozent erleben mindestens eine depressive Episode im Leben. Und Zwanzig Prozent der Menschen, die wiederholte depressive Episoden haben, bringen sich um. Sie sterben also an der Krankheit", so Mediziner Thomas Schläpfer bei stern TV.

Was sind die Ursachen für eine Depression?

Eine Depression hat selten eine einzige Ursache. Meist führt ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren zur Erkrankung. Dazu zählen schlimme Lebensereignisse, wie etwa der Tod einer nahestehenden Person oder ein Trauma in der Kindheit. Zudem gibt es auch eine genetische Veranlagung für Depression. Wenn ein Verwandter ersten Grades depressiv ist, erhöht sich das Risiko, selbst an einer Depression zu erkranken, um das Zwei- bis Dreifache. Auch die Persönlichkeit eines Menschen ist entscheidend, schreibt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe im Internet. Dabei spielen negative Denkmuster und Probleme mit dem Selbstwertgefühl eine wichtige Rolle.

Bin ich vielleicht depressiv oder habe Anzeichen für eine drohende Depression?

Es gibt einige entscheidende Fragen, die Hinweise auf eine mögliche Depression liefern können. In den typischen Selbsttests basierend auf internationalen Richtlinien zur Diagnose dieser Krankheit wird nach der aktuellen Gefühlslage in den vergangenen zwei Wochen gefragt. Etwa: Leiden Sie unter gedrückter Stimmung? Haben Sie Schlafprobleme? Fühlen Sie sich antriebslos, bleiern und müde? Haben Sie eine verminderte Konzentrationsfähigkeit festgestellt? Neigen Sie zum Grübeln, vor allem über sich selbst? Oder haben Sie negative Zukuntfsperspektiven und Ängste? Einen entsprechenden Test können Sie beispielsweise auf der Internetseite des Vereins "Deutsches Bündnis gegen Depression" durchführen. Bei einem Verdacht auf eine depressive Verstimmung sollten Sie in jedem Fall Ihren Arzt oder einen Therapeuten ansprechen, damit Ihnen frühzeitig aus dem Tief geholfen werden kann. Depression ist eine Erkrankung.

Wie kann ich als Freund oder Angehöriger helfen?

Angehörige oder Freunde sollten Betroffene überzeugen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, rät die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Vielen Erkrankten hilft es, wenn ein Angehöriger einen Termin ausmacht und sie dann auch zum Arzt begleitet. Auch nach der Diagnose ist eine Unterstützung durch Angehörige und Freunde im Alltag wichtig. Weitere Tipps zum Umgang mit Erkrankten finden Sie hier.

Wer ist besonders gefährdet und wie viele Betroffene gibt es?

Depressionen betreffen alle Alters- und Sozialschichten. Etwa fünf Prozent aller Deutschen leiden darunter. Bereits Kinder und Jugendliche können depressiv werden, allerdings ist die Krankheit oft nicht einfach zu erkennen. Insbesondere durch die Pubertät kommt es häufig zu einem rapiden Stimmungswechsel. Wenn ein Jugendlicher aber traurig, resigniert und hoffnungslos ist, viel grübelt und sich immer mehr von anderen zurückzieht, sollte dies unbedingt abgeklärt werden, zum Beispiel durch einen Kinder- und Jugendpsychiater, rät die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Ähnlich sieht es auch bei älteren Menschen aus. Häufig werden depressive Symptome als normale Begleiterscheinungen von Alter oder Lebenskrisen verkannt. Doch gerade bei älteren Menschen ist das Suizidrisiko deutlich erhöht.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

In der Regel werden Depressionen mit Medikamenten und Psychotherapie behandelt. So lernen Betroffene etwa bei einer Verhaltenstherapie, aktiver zu werden, ihren Tag zu strukturieren, angenehme Aktivitäten einzubauen sowie negative Einstellungen und automatische Gedanken zu verändern, die bei Depressionen häufig auftreten. Einen ausführlichen Überblick über die verschiedenen Therapieformen finden Sie hier. Bei besonders starken Depressionen wird auch die umstrittene Elektrokrampftherapie eingesetzt.

Was ist eine Elektrokrampftherapie?

Die Elektrokrampftherapie, kurz EKT, wird bei therapieresistenten und wahnhaften Depressionen eingesetzt. Dabei wird zu therapeutischen Zwecken und unter kontrollierten Bedingungen ein epileptischer Anfall im Gehirn ausgelöst. Eine Narkose mit muskelentspannenden Medikamenten verhindert Muskelkrämpfe, so dass keine Verletzungsgefahr besteht. Wie die EKT genau wirkt ist noch nicht ausreichend geklärt. Der Krampfanfall scheint jedoch entscheidend für die Wirkung zu sein ("Heilkrampf"), da er zahlreiche Änderungen im Gehirn hervorruft, die denen einer dauerhaften Antidepressiva-Therapie ähneln. Dabei wird das Gehirn nicht verändert, sondern die Konzentration von Hormonen und Botenstoffen im Hirn wird positiv beeinflusst.

Was ist die Tiefenhirnstimulation, die bei stern TV schon mal vorgestellt wurde?

Die Tiefenhirnstimulation ist eine Methode, mittels der Nerven einer bestimmten, offenbar antidepressiv wirkenden Region im Gehirn elektronisch stimuliert werden. Noch wird diese Methode erforscht. Thomas Peters hat diese Behandlung im Rahmen einer klinischen Studie an der Universitätsklinik Bonn erfahren, an der acht schwer depressive Probanden teilgenommen haben. Die Mediziner weisen darauf hin, dass die Methode kein Allheilmittel für jedermann ist, der unter Depressionen leidet. Die notwendige Operation ist aufwendig: Nachdem zwei Löcher in den Schädel gebohrt wurden, wird das Zielsystem aufgeschraubt. Damit können die Ärzte Elektroden millimetergenau an diejenige, winzige Stelle im Gehirn - zwischen Hirnstamm und dem Frontalhirn - einführen, die sie anschließend gezielt mit Strom stimulieren wollen. Für eine kontinuierliche Stimulation wird dem Patienten ein winziger Schrittmacher (Chip) eingepflanzt. Bei dem Patienten Thomas Peters wurde er unter dem Schlüsselbein eingesetzt. "Der Schrittmacher bringt einen kontinuierlichen Strom in das Gehirn", erklärt Neurochirurg Prof. Volker Arnd Coenen bei stern TV, "und zwar in den Teil des Gehirns, der eine antidepressive Wirkung hat." Wenn es wirkt, dann sollen die Symptome der Depression um 50 Prozent zurückgehen. Insbesondere die Antriebslosigkeit der Patienten soll sich durch die Neurostimulation bessern. Doch es soll auch Monate dauern, bis die ersten Anzeichen einer Besserung bemerkbar werden. Die Methode wird seit einigen Jahren bei schwersten Depressionen erforscht. Bei Patienten, die einen jahrelangen erfolglosen Behandlungsmarathon hinter sich hatten, bildeten sich die Symptome teils deutlich zurück. Thomas Schlämpfer, der die Studie betreute, geht davon aus, dass die Therapie bereits in fünf Jahren verfügbar sein könnte. Ob die Krankenkassen diese Behandlung dann in ihren Leistungskatalog aufnehmen, ist noch ungewiss.

Übernehmen die Krankenkassen Behandlungen gegen Depression?

In der Regel übernehmen Krankenkassen die Kosten für die Behandlung. Bei der Psychotherapie gilt dies für die so genannten Richtlinienverfahren, zu denen die Verhaltenstherapie zählt. Im Zweifelsfall sollte man sich bei der Krankenkasse erkundigen, rät die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Ob die Krankenkassen in Zukunft auch die Tiefenhirnstimulation in ihren Leistungskatalog aufnehmen, sofern es eine anerkannte Behandlung wird, ist noch ungewiss.