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Fragen & Antworten

Transsexualität: Geboren im falschen Körper

Oft spüren Transsexuelle schon als Kind, dass sie im falschen Körper stecken. Der Wunsch das Geschlecht ganz zu ändern manifestiert sich meist in der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter. Die wichtigsten Infos zusammengefasst.

Was ist Transsexualität?

Bei Transsexuellen entspricht das körperliche Geschlecht nicht der empfundenen Geschlechtsidentität. Somit sind transsexuelle Menschen biologisch zwar eindeutig weiblich oder männlich. Sie nehmen sich aber als Angehörige des anderen Geschlechts wahr und verhalten sich auch dementsprechend. Gewöhnlich streben Transsexuelle danach, sich auch körperlich dem gefühlten Geschlecht anzupassen. Transsexualität ist keine Krankheit, auch wenn sie nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation und medizinisch zu den "Störungen der Geschlechtsidentität" zählt. Der Begriff Transsexualität bezieht sich auch nicht etwa auf eine sexuelle Ausrichtung, wie zum Beispiel bei der Homosexualität. Etwas vollkommen anderes ist auch die Intersexualität: Sie liegt vor, wenn ein Mensch körperlich nicht eindeutig einem Geschlecht angehört.

Was sind die Ursachen?

Die Ursachen für das Entstehen von Transsexualität sind nicht gänzlich geklärt. Ausschließlich psychische oder soziale Ursachen werden inzwischen ausgeschlossen. Möglicherweise sind Hormonstörungen, die während der Schwangerschaft bei der Mutter aufgetreten sind, ein Auslöser. Dazu wird zurzeit noch geforscht. Auch traumatische Erfahrungen eines Menschen kommen in einigen Fällen in Betracht. Die meisten Transsexuellen berichten jedoch, das Gefühl, im falschen Körper zu stecken, von frühester Kindheit an gehabt zu haben - und nicht etwa erst mit Beginn der Pubertät.

Wie wird Transsexualität festgestellt?

Transsexualität ist eine feststehende Diagnose, für die zwei Hauptkriterien ausschlaggebend sind: Zum einen müssen der Junge oder das Mädchen das eigene Geschlecht mit allen Attributen konsequent und über einen festgelegten, längeren Zeitraum (über Jahre) ablehnen. Zum anderen muss auch der Wunsch, in der gegengeschlechtlichen Rolle leben zu wollen, dauerhaft gegeben sein. Psychiater erstellen darüber ein Gutachten, das über einen längeren Zeitraum entsteht. Erst dann ist an eine Behandlung zu denken.

Wie viele transsexuelle Menschen gibt es?

Genaue Zahlen gibt es nicht, denn nicht jeder transsexuelle Mensch lässt sich behandeln. Experten gehen davon aus, dass von 50.000 Geburten ein Mensch transsexuell ist.

Wie funktioniert eine Geschlechtsanpassung?

Begonnen wird in der Regel mit einer Hormonbehandlung, die dem Körper die Sexualhormone des gefühlten Geschlechts zuführt und die gegengeschlechtlichen, eigenen Hormone zurückhält. Bei körperlich männlichen Transsexuellen können in weiteren Schritten Penis und Hoden entfernt und eine künstliche Vagina geformt werden. Bei körperlich weiblichen Transsexuellen können Eierstöcke und Gebärmutter entfernt werden. Die Konstruktion eines künstlichen Gliedes ist möglich, gilt jedoch als sehr schwierig, und für viele Transsexuelle sind die Ergebnisse unbefriedigend. Nach den operativen Eingriffen können Transsexuelle meist ohne Probleme Geschlechtsverkehr haben; zeugungsfähig sind sie jedoch nicht.

Wann kann eine Behandlung beginnen?

Die Transsexualität muss zunächst durch psychologische Gutachten festgestellt und andere psychische Störungen ausgeschlossen werden. Vor Beginn einer Behandlung muss die transsexuelle Identität außerdem mindestens drei Jahre lang durchgehend bestehen. Den richtigen Zeitpunkt für den Beginn einer Hormonbehandlung zu bestimmen, ist schwierig. Einerseits ist ein früher Start von Vorteil, weil bestimmte körperliche Entwicklungen nach der Pubertät unumkehrbar sind (zum Beispiel der Stimmbruch) beziehungsweise die Behandlung später vergleichsweise schwieriger und riskanter ist. Andererseits sind vor der Pubertät noch nicht alle auschlaggebenden Hormone vorhanden, so dass dem Patienten bei einer frühzeitigen Behandlung die Chance genommen wird, sich mit den eigenen Hormonen auseinander zu setzen und sein eigenes Geschlecht richtig kennen zu lernen. Die psychische Entwicklung während der Pubertät ist ebenfalls nicht unerheblich. Je nach Alter muss eine Hormonbehandlung durch Psychologen sorgfältig abgewogen werden. Operative Eingriffe sind in den meisten Fällen erst mit der Volljährigkeit erlaubt. In Einzelfällen werden aber Ausnahmen gemacht.

Was, wenn jemand die Entscheidung später bereut?

Es gibt noch keine genauen Zahlen über Entwicklungsverläufe von Transsexuellen. Es fehlen noch Langzeitstudien darüber, was passiert, wenn Jugendliche schon im Alter von 16 Jahren mit einer Hormonbehandlung beginnen. Fest steht: Nur ein geringer Teil von Kindern, die zu Beginn der Pubertät eine Geschlechtsänderung wünschen, nehmen wirklich eine transsexuelle Entwicklung im Jugend- und Erwachsenenalter. Für diese Jugendlichen erzeugen die körperlichen Veränderungen im eigenen Geschlecht großen Leidensdruck und können Depressionen, Ängste und Suizidgedanken auslösen. In diesen Fällen sollte eine Geschlechtsanpassung erfolgen. In sehr seltenen Fällen ist es vorgekommen, dass ein Mensch im Erwachsenenalter diese Entscheidung bereut hat. In der Regel ist das Geschlechtsempfinden eines Transsexuellen sehr eindeutig. Rückgängig kann eine solche Entwicklung nicht mehr gemacht werden.

An wen können sich Betroffene wenden?

Weitere Informationen, Hilfe und Beratung für Betroffene gibt es bei folgenden Einrichtungen:
Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf:
www.uke.de
Endokrinologikum Berlin:
www.endokrinologikum.com
Endokrinologikum Göttingen:
www.endokrinologikum.com
Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.: www.dgti.org

Der TransMann e.V. ist ein bundesweiter, gemeinnütziger Verein: www.transmann.de

Die Beratungsstelle von Trans-Ident e.V. leistet Unterstützung in allen Fragen der Transsexualität bzw. Transidentität für Transsexuelle und deren Angehörige: www.trans-ident.de