HOME

Taschengeldfalle Vemma: Das trügerische Versprechen von der schnellen Million

Der US-Energydrink-Hersteller Vemma wirbt bei Jugendlichen mit einem Provisionsversprechen: Wer den Drink unter die Leute bringt und zudem neue Verkäufer anheuert, kann reich werden. Nur, wie?

"Verve!" heißt der Energydrink, in den Jugendliche in der Hoffnung auf Provision tausende Euros investieren.

"Verve!" heißt der Energydrink, in den Jugendliche in der Hoffnung auf Provision tausende Euros investieren.

Immer wieder erhielt die Redaktion in den vergangenen Wochen E-Mails mit dem Betreff "Vemma". Darin war die Rede von dem amerikanischen Hersteller des Energydrinks "Verve", der auch in Deutschland über das Internet und beispielsweise von Fitnesstrainern verkauft wird. Laut der Nachrichten der besorgten Eltern oder Verwandten soll die Firma gezielt junge Leute mit pompösen "Verve"-Promotion-Veranstaltungen für das Produkt begeistern – und für die Möglichkeit, damit selbst viel Geld zu verdienen. Die Idee: Junge Vertriebspartner – so genannte Affiliates –, die auf Provisionsbasis arbeiten, sollen das Getränk unter die Leute bringen und weitere Abnehmer finden. Vemma selbst wirbt mit dem knackigen Slogan "Young People Revolution" um junge Mitglieder, vor allem in Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter.

Maik H. hielt das für ein aussichtsreiches Geschäft. Der 18-Jährige war mehrere Monate lang Partner des Energydrink-Herstellers. Er bestellte die "Verve"-Drinks, um damit auf privaten Veranstaltungen zu werben. Denn: Wer andere dazu bringt, das Produkt zu bestellen, soll mit Provisionen rechnen dürfen. Maik H. organisierte dafür mehrmals pro Woche so genannte "Meetings", zu denen bis zu 50 potenzielle Neukunden kamen. "Man wirbt am besten die Leute an, die viel Geld und wenig Wissen haben", erklärt Maik H. das Vorgehen. "Die lassen sich schnell überzeugen." Wer von dem Erfolgsmodell richtig profitieren möchte, muss den Umsatz des Energydrink-Herstellers steigern. Ergo: Weitere Abnehmer oder Affiliates anwerben, die ebenfalls viele Dosen "Verve" bestellen.

Der Traum vom Luxusleben

Vemma klassifiziert sein Affiliate-Konzept als "Network Marketing", eine legale Vertriebsform, bei der es allein um den Verkauf von Produkten geht und ein Kunde freiwillig als selbständiger Vertriebspartner weitere Abnehmer anwerben kann. Und wer es richtig macht, kann reich werden. Dafür stehen auf den "Verve"-Veranstaltungen gerne solche Affiliates im Rampenlicht, die es geschafft haben. Selfmade-Millionäre, die neben polierten Luxus-Schlitten posieren und Erfolg und Luxus verkörpern - für viele junge Menschen ein Traum.


Für Maik H. platzte sein Traum vom leicht verdienten Geld mit "Verve". Denn was er zunächst nicht bedachte: Damit er monatlich gerade mal 1.000 Euro verdient, müssen insgesamt 70 Menschen Getränkedosen kaufen - für jeweils 146 Euro, Monat für Monat. Obwohl er in vier Monaten rund 1.500 Euro in das Geschäft investierte, ging das System für ihn nicht auf. Am Ende bekam er nach eigenen Angaben nur 30,42 Euro Provision. Er stieg aus. Viele andere hingegen steigen gerade erst ein, das Geschäft mit "Verve" boomt weiter. Warum es für junge Menschen wie Maik H. am Ende zu einem finanziellen Debakel werden kann, darüber diskutierte Steffen Hallaschka live bei stern TV unter anderem mit dem Rechtsanwalt Dr. Erik Olaf Kraatz.

Themen in diesem Artikel